„Unser Notre-Dame-Moment“ Feuer in historischer Börse in Kopenhagen – Spitze der abgestürzten Turmspitze überreicht

Update | Kopenhagen · Es ist eines der bekanntesten Gebäude in Kopenhagen: die historische Börse. Doch am Dienstag stockt vielen Dänen der Atem: Ein Feuer bricht aus. Einen Lichtblick gibt es jedoch.

Kopenhagen: Brand in historische Börse
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Historische Börse in Kopenhagen steht in Flammen

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Foto: dpa/Ida Marie Odgaard

Das Feuer in der historischen Börse in Kopenhagen ist unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte am Nachmittag mit. Die Turmspitze des Gebäudes – eines der ältesten und bekanntesten der dänischen Hauptstadt – stürzte am Dienstagmorgen ein. Auch Stunden nachdem das Feuer ausgebrochen war, stieg Rauch auf, Flammen loderten, Menschen versammelten sich vor Ort.

Die unbeschädigte Turmspitze ist am Mittwoch zurück an die dänische Handelskammer überreicht worden. Brian Mikkelsen, Chef der Handelskammer, die auch Eigentümerin des Bauwerks ist, bekam die Spitze von einer Einsatzkraft am Mittwochmorgen übergeben.

Er selbst nannte es „ein kleines Licht in der Dunkelheit“ auf X. Das Stück von der sogenannten Drachenspitze hatte den Brand und den tiefen Sturz überstanden. „Das gibt mir einen Hoffnungsschimmer. Denn sie wird wieder unseren schönen Arbeitsplatz und Kopenhagen schmücken.“

 Ein Archivbild der Alten Börse in Kopenhagen. Eines der ältesten Gebäude Kopenhagens brennt am Dienstag (16.04.2024) und seine ikonische Turmspitze ist eingestürzt.

Ein Archivbild der Alten Börse in Kopenhagen. Eines der ältesten Gebäude Kopenhagens brennt am Dienstag (16.04.2024) und seine ikonische Turmspitze ist eingestürzt.

Foto: dpa/Linda Kastrup

Es sei der Wunsch von Christian IV. gewesen, auf dem Børsen einen Turm mit einer Spitze aus Blei und vier Drachen mit gedrehten Schwänzen errichten zu lassen, hieß es am Dienstag aus dem Rathaus. „Die Drachen sollten Børsen vor Feinden und Feuer schützen, und das ist ihnen gelungen – bis heute.“

Etwa die Hälfte des Gebäudes sei abgebrannt. Verletzte gab es jedoch nicht und die meisten der darin untergebrachten Kunstschätze konnten gerettet werden. „Ein großer Teil der Börse ist durch das Feuer schwer beschädigt. Aber ein großer Teil der Kunstschätze konnte gerettet werden“, sagte der Chef der Einsatzkräfte, Jakob Vedsted Andersen. Die Einsatzkräfte müssten die Löscharbeiten noch „viele Stunden“ fortsetzen. Nach Angaben der Feuerwehr erfasste der Brand bereits bis zum Vormittag etwa die Hälfte des riesigen Gebäudes.

Der Einsatzleiter sagte der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau zufolge, Teile des Dachs seien eingestürzt. Tragende Strukturen wurden beschädigt. Von einem Einsturz des gesamten Gebäudes gingen die Einsatzkräfte zunächst aber nicht aus. Etwa 120 Feuerwehrleute und etwa 60 Helfer der Streitkräfte seien im Einsatz.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Menschen mehrere historische Gemälde aus dem brennenden Haus retteten. Die alte Börse beherbergt eine große Kunstsammlung, darunter das Werk „Von der Kopenhagener Börse“ von P.S. Krøyer, das während des Brandes von mehreren Personen davongetragen wurde. Die Polizei teilte auf der Plattform X (vormals Twitter) mit, dass mehrere Straßen und die Umgebung um das Gebäude abgesperrt seien.

Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen schrieb bei X: „Schreckliche Bilder aus Børsen. So traurig. Ein ikonisches Gebäude, das uns allen viel bedeutet. Unser eigener Notre-Dame-Moment.“ Ein 400 Jahre altes dänisches Kulturerbe stehe in Flammen, sagte Dänemarks Kulturminister Jakob Engel-Schmidt. König Frederik X. schrieb in einer Mitteilung von einem traurigen Anblick. „Ein wichtiger Teil unseres architektonischen Erbes stand und steht immer noch im Flammen.“ Die markante Drachenspitze, die nun eingestürzt ist, habe das Stadtbild mit geprägt und dazu beigetragen, Kopenhagen als „Stadt der Türme“ zu definieren.

Die Ursache für das Feuer war zunächst unklar. Der Brand brach nach Angaben der Einsatzkräfte gegen 7.30 Uhr unter dem Kupferdach des roten Backsteingebäudes aus und breitete sich dann vom Dach nach unten aus.

Das Gebäude wurde 1625 mit einem Kirchturm fertiggestellt und ist eines der ältesten Gebäude Kopenhagens. Als Börse wird es nach Angaben der dänischen Handelskammer schon lange nicht mehr genutzt. Heute befindet sich darin die Handelskammer, die auch Eigentümerin des Bauwerks ist. Es wird derzeit restauriert und ist daher eingerüstet. Die Restaurierung sollte eine unsachgemäße Renovierung des Gebäudes im 19. Jahrhundert korrigieren und der Fassade ihr ursprüngliches Aussehen wiedergeben.

Wegen des Feuers wurde am Morgen auch ein Flügel des Schlosses Christiansborg evakuiert. Darin haben mehrere Abgeordnete und Journalisten ihr Büro. Das sogenannte Provianthuset liegt zwischen dem Schloss Christiansborg und der Königlichen Bibliothek. Die Sitzungen im Plenarsaal und die Ausschusssitzungen sollten am Dienstag zunächst wie geplant in Christiansborg stattfinden. Die Kopenhagener Polizei kündigte außerdem auf X an, dass sie die Gebäude vom Finanzministerium in Richtung Wasser evakuieren werde.

  Feuer und Rauch steigen aus der Alten Börse, "Boersen" bei einem Brand in Kopenhagen.

Feuer und Rauch steigen aus der Alten Börse, "Boersen" bei einem Brand in Kopenhagen.

Foto: dpa/Ida Marie Odgaard

Das Gebäude auf der östlichen Spitze der Insel Slotsholmen liegt am Holmens Kanal gegenüber der Dänischen Nationalbank und ist eine Touristenattraktion. Es stammt aus dem Jahr 1625 und wurde im Stil der niederländischen Renaissance erbaut. Der 56 Meter hohe Turm, der vier ineinander verschlungene Drachenschwänze darstellt, gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

(zim/dpa/AFP)
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