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Coronavirus: WHO erklärt internationale Notlage - Infektionen steigen

Lungenkrankheit aus China : WHO erklärt wegen Coronavirus internationale Notlage

Coronavirus: Die Symptome und wie Sie sich schützen

Die Zahl der Corona-Infektionen steigt weltweit rasant. Deutschland will Bürger nach Hause holen und gibt eine Reisewarnung aus. Auch die WHO reagiert auf den Ausbruch.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus aus China zum internationalen Gesundheitsnotstand erklärt. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmaßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren.

Noch sei die Zahl der Infektionen außerhalb Chinas relativ gering, sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstagabend nach der Sitzung eines Expertenausschusses. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. „Wir sitzen alle im selben Boot“, sagte Tedros. Das Virus könne nur gemeinsam aufgehalten werden. „Das ist die Zeit für Fakten, nicht Angst.“ Der Notstand heißt offiziell „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“.

Angesichts der Ausbreitung der neuartigen Lungenerkrankung in China hat das Auswärtige Amt in Berlin am Freitagmorgen in einer Teilreisewarnung vor Reisen in die am stärksten betroffene Provinz Hubei gewarnt. Gleichzeitig wurde nahegelegt, nicht notwendige Reisen nach China „nach Möglichkeit“ zu verschieben.

Reisenden wurde empfohlen sich an die Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu halten. „Lassen Sie sich vor Reisen mit dem aktuellen Nordhalbkugelimpfstoff gegen Influenza impfen“, hieß es weiter auf der Webseite des Außenministeriums. „Eine Influenza-Impfung kann zur Vermeidung unnötiger Verdachtsfälle beitragen.“

In Deutschland bestätigte das bayerische Gesundheitsministerium am Donnerstagabend einen fünften Fall. Der Patient ist ein Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, bei der auch die vier zuvor bekannten Fälle beschäftigt sind.

Italien setzte nach zwei bestätigten Coronavirus-Fällen den Flugverkehr zwischen Italien und China aus. Das erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte am Donnerstagabend in Rom. Italien sei das erste Land in der EU, das diese Maßnahme ergreife. Bei den beiden Patienten handelt es sich um zwei chinesische Touristen, die nun auf einer Isolierstation in Rom seien. Conte rief die Menschen auf, nicht in Panik zu geraten, die Lage sei unter Kontrolle.

Die Zahl der nachweislich mit dem neuen Virus Infizierten war rasant auf weltweit mehr als 9692 gestiegen. Vor zwei Wochen waren erst 40 Fälle gezählt worden. Die Zahl der Verstorbenen durch den neuartigen Coronavirus in China stieg um 43 auf insgesamt mindestens 213. Dies teilen die chinesischen Behörden am Freitag (Ortszeit) mit. Es handelt sich um den höchsten Anstieg der verzeichneten Todesfälle innerhalb eines Tages seit der Ausbreitung des Erregers.

Außerhalb Chinas waren in rund 20 Ländern mehr als 100 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Darunter sind neben Deutschland auch Frankreich, Thailand, Japan, Malaysia, die USA, Finnland, Australien, Südkorea, Indien und die Philippinen. Vielfach sind die Infizierten Reisende aus China, aber es kommt auch zu neuen Ansteckungen außerhalb des Landes.

Die WHO empfiehlt nun unter anderem, dass Länder mit weniger entwickelten Gesundheitssystemen unterstützt werden sollen. Zudem soll die Arbeit an Medikamenten und Impfstoffen beschleunigt, Wissen und Daten geteilt und gegen Gerüchte vorgegangen werden. Gleichzeitig empfiehlt die WHO aber keine Handels- und Reisebeschränkungen.

Viele Länder haben in den vergangenen Tagen schon eigene Maßnahmen ergriffen. „Wenn jedes Land seine eigenen Maßnahmen verhängt, kann das das Rezept für ein Desaster sein, etwa wirtschaftlich“, hatte WHO-Nothilfekoordinator Michael Ryan zuvor erläutert. Die WHO kann aber kein Land zwingen, Maßnahmen zu ergreifen oder zu unterlassen.

Mittlerweile sind von dem Virus mehr Menschen betroffen als vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie. Damals wurde das Schwere Akute Atemwegssyndrom (Sars) nach WHO-Statistiken bei 8096 Menschen nachgewiesen. Durch das neue Virus, das mit dem Sars-Erreger verwandt ist, waren bis Donnerstag 170 Menschen ums Leben gekommen. Die WHO nennt das neue Virus jetzt „2019-nCoV - akute Atemwegserkrankung“.

Die Bundesrepublik plant eine Rückholaktion für deutsche Staatsbürger aus der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan. Der Flug war zunächst für Samstag geplant. Sicher war das aber auch am Donnerstag noch nicht. Die Teilnahme ist freiwillig. Nach bisherigen Schätzungen geht es um rund 90 Bundesbürger. Die Rückkehrer sollen 14 Tage lang auf dem Luftwaffenstützpunkt Germersheim in Rheinland-Pfalz in Quarantäne, wie zuerst die Zeitungen des Medienhauses VRM berichteten. Ein Flugzeug mit britischen Bürgern an Bord hat nach Angaben der britischen Botschaft in China am frühen Freitagmorgen Wuhan verlassen. Auch andere Länder planen solche Flüge.

BMW hat seine drei Werke in der Millionenstadt Shenyang geschlossen. Der Volkswagen-Konzern setzt seine Produktion in China vorerst weiter aus. Der schwedische Autobauer Volvo verlängerte die zur chinesischen Neujahrsfest gewährte Produktionspause. „Es ist noch deutlich zu früh, um eine seriöse Analyse über die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Virus erstellen zu können“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die vier ersten Patienten in Deutschland waren am Donnerstag in gutem Zustand, wie ein Arzt der Klinik in München sagte, wo sie sich auf einer Isolierstation befinden. Sie hätten keine Symptome. Der fünfte Fall, der erst am Donnerstag bestätigt wurde, sollten nähere Informationen am Freitag bekanntgegeben werden. Die Kollegen hatten sich während einer Schulung bei einer aus China angereisten Frau angesteckt. Diese hat den Angaben zufolge erst auf dem Heimflug nach Shanghai Anzeichen der Krankheit bemerkt. In Bayern sind rund 110 Menschen, die mit den Infizierten in Kontakt waren, aufgefordert, vorerst zu Hause zu bleiben. In mehreren Bundesländern gibt es Verdachtsfälle, bestätigt wurde davon noch keiner.

Im Hafen von Civitavecchia in Italien mussten rund 7000 Menschen über Stunden an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Costa Smeralda“ ausharren. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao habe an Bord Fieber und Atemprobleme gehabt, schrieb die Nachrichtenagentur Ansa. Die Passagiere durften zunächst nicht an Land gehen. Am Abend gab es dann Entwarnung.

In China sagten die Behörden immer mehr Veranstaltungen ab, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Auch die Fußballsaison des Landes, die eigentlich am 22. Februar starten sollte, wird verschoben.

Neben der Lufthansa und British Airways kündigten weitere Fluggesellschaften wie Air France, KLM, Finnair, American Airlines, SAS, die spanische Fluggesellschaft Iberia und die israelische El Al an, ihre Flüge nach China streichen.

Die USA verschärften in der Nacht zum Freitag ihre Reisewarnung. Unterdessen versuchen die Piloten der American Airlines wegen des Coronavirus-Ausbruchs einen völligen Flugstopp für China einzuklagen. Die Gewerkschaft Allied Pilots Assocation beantragte am Donnerstag bei einem Bezirksgericht in Dallas eine einstweilige Verfügung. Diese solle American Airlines verpflichten, Flüge in die Volksrepublik sofort einzustellen. Zudem forderte die Gewerkschaft ihre Mitglieder auf, Maschinen mit Ziel China nicht länger zu bedienen.

(c-st/pen/dpa/reuters/afp)