Coronavirus: Lufthansa streicht alle Flüge von und nach China

Kampf gegen Coronavirus : Lufthansa streicht alle Flüge von und nach China

Die Lufthansa setzt angesichts der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus ihre Flüge von und nach China aus. Die Entscheidung gilt bis zum 9. Februar. Auf letzten Flügen werden noch Crews und Passagiere aus dem Land in die Heimat geholt.

"Aus operativen Gründen ist die Buchungsannahme für Flüge nach China (Festland) bis Ende Februar gestoppt", teilte die Lufthansa mit. Hongkong werde weiter wie geplant angeflogen. Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines flögen ihre Ziele in China aber ein letztes Mal noch an, damit Fluggäste dort sowie die Crews nach Deutschland, in die Schweiz und nach Österreich zurückkehren könnten.

Europas größte Fluggesellschaft mit ihren Töchtern folgt damit angesichts des neuartigen Coronavirus ihrem Konkurrenten British Airways und anderen Fluggesellschaften, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt bestätigte. Zuvor hatte die „Bild-Zeitung“ berichtet.

Die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (Ufo) begrüßten diesen Schritt. Nicoley Baublies, Sprecher der Kabinen-Gewerkschaft, sagte unserer Redaktion: "Das Coronavirus lässt sich in einem Flugzeug nur relativ schwer übertragen, da es einen ständigen Luftaustausch in der Kabine gibt." Deshalb müsse man festhalten, dass die Absage aller Flüge zunächst einmal übervorsichtig wirke. "Ich halte den Schritt jedoch aus einem anderen Grund für völlig richtig: Er trägt dem subjektiven Sicherheitsgefühl von Fluggästen und der Crew Rechnung. Und zur Verhinderung einer etwaigen Epidemie sind auch einmal übervorsichtige Maßnahmen richtig."

Zustimmung kam auch von den Piloten. "Die Lufthansa hat aus guten Gründen – also auf Grundlage der Empfehlungen von RKI und WHO - so reagiert", sagte ein Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC). "Das halten wir für richtig. Wir würden es zudem begrüßen, wenn nun weitere Fluggesellschaften dem Beispiel folgen würden."

Schon heute sei es so, dass die Airlines risikobewusst im Umgang mit den Piloten agierten, so der VC-Sprecher. "Wenn die Cockpit-Crew äußert, dass sie mental belastet ist, weil sie beispielsweise in ein Krisengebiet wie den Irak oder in Regionen mit dem Zika-Virus fliegen soll, dann wäre sie ja nicht zu 100 Prozent bei der Sache. In einem solchen Fall entscheiden die Airlines üblicherweise, dass die betroffenen Piloten nicht fliegen müssen.“

Rund einen Monat nach Meldung der ersten Fälle lag die Zahl der Erkrankten in Festland-China am Mittwoch nach Behördenangaben bei knapp 6000 - mehr als die Zahl der Sars-Fälle während der Sars-Epidemie der Jahre 2002 und 2003. Die Zahl der Todesfälle stieg auf 132.

Außerhalb Chinas gibt es bisher etwa 50 Infektionsfälle in rund 15 Ländern, davon vier in Deutschland. Am Mittwoch erreichte der neuartige Erreger auch den Nahen Osten: Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten vier Erkrankte.

Als Reaktion auf die weitere Ausbreitung des Virus setzt British Airways seit Mittwoch alle Flüge von und nach China aus. Indonesiens Billigflieger Lion Air, die nach Flugzeugen größte Airline in Südostasien, stellt ab Samstag alle China-Flüge ein.

Hongkongs Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways hat bereits angekündigt, die Verbindungen zum chinesischen Festland ab Donnerstag bis Ende März um die Hälfte zu reduzieren. Auch die US-Fluggesellschaft United Airlines will ab Samstag weniger Flüge nach China anbieten. Bei der Lufthansa finden dagegen bislang alle Flüge von und nach China wie geplant statt. Auch Air France ändert seinen Flugplan vorerst nicht.

Der kleine Pazifikstaat Papua-Neuguinea will gar keine Reisenden aus Asien mehr ins Land lassen. Kasachstan untersagte alle Reisen ins Nachbarland. China versucht bereits seit Tagen mit drastischen Reisebeschränkungen, der Isolierung ganzer Städte sowie einer Verlängerung der Neujahrsferien die Ausbreitung des neuen Virus in den Griff zu bekommen.

In Deutschland wurden am Dienstagabend drei weitere Krankheitsfälle durch das Virus bekannt. Wie im ersten Fall arbeiten die Betroffenen beim im oberbayerischen Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferer Webasto, wie das bayerische Gesundheitsministerium mitteilte. Bei dem ersten in Deutschland erkrankten Mann handelt es sich zugleich um die erste bekannte Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Asiens.

Japan und die USA flogen unterdessen als erste Länder hunderte eigene Staatsbürger aus der weitgehend von der Außenwelt abgeriegelten zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan aus, wo das Virus seinen Ausgang genommen hatte. In einer ersten europäischen Rückholaktion sollten zudem am Mittwoch 250 französische Staatsangehörige aus China ausgeflogen werden. Am Donnerstag will Rom eine Maschine zur Evakuierung von Italienern aus Wuhan entsenden.

Auch die Bundesregierung zieht eine Evakuierung aller ausreisewilligen Deutschen in Betracht. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollen etwa hundert Deutsche aus Wuhan ausgeflogen werden. Vorbereitungen dafür laufen demnach.

Auch Australien will seine Bürger aus Wuhan ausfliegen. Die dortigen rund 600 Australier sollen danach zwei Wochen lang auf der 2300 Kilometer von Australien entfernt gelegenen Weihnachtinsel unter Quarantäne gestellt werden. Auch Großbritannien kündigte eine zweiwöchige Quarantäne für aus China ausgeflogene Briten an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will internationale Experten nach China senden, um die weltweite Antwort auf das Virus zu koordinieren. In einem Telefongespräch mit Chinas Regierungschef Li Keqiang bot EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Brüssels Hilfe im Kampf gegen das Virus an. Auch die USA boten Peking nach Angaben von US-Gesundheitsminister Alex Azar wiederholt Unterstützung an - bislang vergeblich.

(csi/maxi/dpa)