Drei Fälle in Frankreich Das Coronavirus ist in Europa angekommen

Paris · Die neue Lungenkrankheit, die durch das Coronavirus ausgelöst wird, ist nun auch erstmals in Europa nachgewiesen worden. Die französische Gesundheitsministerin bestätigte nun drei Fälle.

Das zuerst in China aufgetretene neuartige Coronavirus hat Europa erreicht. In Frankreich seien drei Verdachtsfälle "bestätigt" worden, teilte das französische Gesundheitsministerium am Freitag in Paris mit. Unterdessen verstärkten die chinesischen Behörden ihre Bemühungen zur Eindämmung des Virus noch einmal: In 13 Städten wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt, so dass ihre mehr als 41 Millionen Einwohner de facto unter Quarantäne standen.

Zuerst waren zwei Fälle von der französischen Gesundheitsministerin Agnès Buzyn bestätigt worden. Einer der beiden Patienten in Frankreich wird der Ministerin zufolge in einem Krankenhaus in Bordeaux behandelt, der andere in Paris. Wenig später wurde bekannt, dass ein naher Verwandter einer der beiden Patienten auch mit dem Virus infiziert sei. Alle drei seien in China gewesen. Dem 48-jährigen Patienten in Bordeaux gehe es gut. Die französischen Behörden setzten alles daran, eine mögliche Ausbreitung des Virus zu verhindern, betonte Buzyn.

In Großbritannien wurde zusätzliches medizinisches Personal am Londoner Flughafen Heathrow eingesetzt, wie die Gesundheitsbehörde PHE am Freitag mitteilte. Für 14 Verdachtsfälle konnte indes Entwarnung gegeben werden.

In den chinesischen Städten Xianning, Xiaogan, Enshi und Zhijiang wurde am Freitag der öffentliche Verkehr ausgesetzt. Wie die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging, liegen sie in der Provinz Hubei. Damit stehen mittlerweile 13 chinesische Städte wegen des Erregers 2019-nCoV de facto unter Quarantäne.

Seit dem Ausbruch der Atemwegserkrankungen Ende vergangenen Jahres wurden in China nach Behördenangaben 830 Infektionen bestätigt, mehr als tausend weitere Verdachtsfälle werden überprüft. Mindestens 26 Menschen starben an der Infektion. Dazu zählen auch zwei Todesfälle außerhalb von Hubei.

Internationale Wissenschaftler gehen von mehreren tausend Infizierten in der Volksrepublik aus. Einzelne Infektionen wurden auch aus anderen Ländern, darunter Thailand, Japan und Südkorea, gemeldet. Auch in den USA wurden nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden bislang zwei Menschen mit dem neuartigen Virus diagnostiziert. Überdies gehen die Behörden 50 weiteren Verdachtsfällen nach.

Auch aus Nepal wurde am Freitag ein erster Fall gemeldet. Ein 32 Jahre alter Student, der nach Wuhan gereist war, werde in einem Krankenhaus in Kathmandu behandelt, teilten die Gesundheitsbehörden mit.

Wie in Wuhan wurden auch in Peking Großveranstaltungen anlässlich des chinesischen Neujahrsfests am Samstag abgesagt. Am Freitag kamen außerdem weitere Touristenattraktionen hinzu, die wegen des Coronavirus vorsichtshalber geschlossen werden.

Die Schutzvorkehrungen treffen unter anderem Teile der Chinesischen Mauer. Auch die Ming-Gräber und die Yinshan-Pagode blieben von Samstag an geschlossen, teilte die für die Verwaltung dieser historischen Stätten zuständige Behörde mit.

Das "Vogelnest"-Stadion der Olympischen Spiele 2008 in Peking ist seit Freitag nicht mehr zugänglich. Zuvor war bereits die vorübergehende Schließung der Verbotenen Stadt und anderer Sehenswürdigkeiten in Peking verkündet worden.

Ursprünglich wurde das neue Coronavirus wahrscheinlich von Tieren übertragen, es wird aber auch von Mensch zu Mensch weitergegeben. Trotz des sprunghaften Anstiegs der Fallzahlen in China hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Donnerstag gegen die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands entschieden. Dazu sei es noch zu früh, teilte die Organisation mit. Bislang gebe es keine Hinweise für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus außerhalb Chinas.

mkü/

(c-st/AFP/dpa)
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