1. Panorama
  2. Ausland

Coronavirus: China riegelt Wuhan ab - Flug- und Zugverkehr eingestellt

Coronavirus grassiert weiter : China riegelt Millionenstadt Wuhan ab - Flug- und Zugverkehr eingestellt

Keine Züge, keine Flüge: China versucht die Millionenstadt Wuhan weitestgehend dicht zu machen. Das neuartige Coronavirus soll sich nicht weiter ausbreiten. Doch ob das klappt, ist völlig unklar.

Wegen des Ausbruchs des potenziell tödlichen Coronavirus hat China die Millionenmetropole Wuhan weitgehend vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten. Spezialeinheiten der Polizei und paramilitärischer Truppen bewachten am Donnerstagvormittag den Bahnhof von Wuhan. Ab exakt 10.00 Uhr (Ortszeit) verschlossene metallene Sperren die Eingänge, Reisende wurden abgewiesen. Praktisch alle Anwesenden trugen Atemmasken.

Auch der Flugverkehr wurde eingestellt. Die staatliche „Volkszeitung“ twitterte unter Verweis auf die Lokalbehörden, auch städtische Busse, U-Bahnen, Fähren und Fernbusse würden vorläufig nicht fahren. Die Stadtbehörden riefen Bewohner auf, Wuhan nur unter besonderen Umständen zu verlassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. In Genf verschob die Weltgesundheitsorganisation derweil ihre Entscheidung darüber, wegen des Virus einen globalen Gesundheitsnotstand auszurufen.

„Meines Wissens ist der Versuch, eine Stadt von elf Millionen Menschen zu beherrschen, neu für die Wissenschaft“, sagte Gauden Galea, der Vertreter der WHO in China, der Nachrichtenagentur AP in Peking. „Es ist noch nie als öffentliche Gesundheitsmaßnahme ausprobiert worden. Wir können zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, ob es funktionieren wird oder nicht.“ Die Behörden in Wuhan drängten Bewohner, in der Öffentlichkeit Atemmasken zu tragen: „Diejenigen, die die Warnung missachten, werden nach relevanten Gesetzen und Regulationen bestraft.“

Die durch das Virus verursachte Lungenerkrankung hat mindestens 17 Menschen das Leben gekostet, Hunderte haben sich angesteckt. Erstmals brach das Virus im Dezember in Wuhan aus. Es ist nach Expertenmeinung von Mensch zu Mensch übertragbar, verbreitet sich über die Atemwege und mutiert möglicherweise. Die chinesische Gesundheitskommission rechnete zumindest mit einer Fortentwicklung des Virus, die Vorsichtsmaßnahmen müssten entsprechend angepasst werden.

Ob und wie international auf das Virus reagiert wird, darüber sollte ein Expertengremium der WHO am (heutigen) Donnerstag weiter beraten. Eine weltweite Notlage gilt nach WHO-Richtlinien als „außerordentliche Situation“, bei der ein Risiko für andere Staaten besteht und die eine internationale Reaktion erfordert.

Allein in der Provinz Hubei, deren Hauptstadt Wuhan ist, sind bislang 444 Fälle verzeichnet worden. Die landesweite Zahl liegt bei über 570. Auch im Ausland sind bereits Infizierungen registriert worden - unter anderem in Japan und Südkorea, auch in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong wurde am Freitag ein Fall bestätigt. Die meisten Menschen sind aus Wuhan oder reisten dort kürzlich hin.

Das neue Virus kann Husten, Fieber, Atembeschwerden, aber auch Lungenentzündungen auslösen. Es wurde Gesundheitsexperten zufolge zunächst von Wildtieren übertragen, die in Wuhan illegal verkauft wurden.

Dort bildeten sich lange Schlangen vor Apotheken, die wiederum den Verkauf von Gesichtsmasken auf ein Paket pro Kunde beschränkten. Anwohner zeigten sich nicht allzu beunruhigt. „Als Erwachsener mache ich mir nicht so viele Sorgen um die Erkrankung“, sagte Yang Bin nach dem Kauf einer Gesichtsmaske. Er ist Vater eines sieben Jahren alten Kindes. „Ich denke, wir machen uns mehr Sorgen um unsere Kinder ... Wenn sie krank werden, ist das für Eltern nicht zu akzeptieren.“

Die chinesische Regierung will ein ähnliches Szenario wie bei der Sars-Pandemie von 2002 und 2003 verhindern. Damals hatte sich die ebenfalls durch ein Coronavirus verursachte Atemwegserkrankung von Südchina aus auf mehr als zwei Dutzend Länder ausgebreitet. Mehr als 800 Menschen starben. Im aktuellen Fall reagierten die Behörden jedoch deutlich schneller.

Sie fürchten, dass sich das Virus in den kommenden Tagen noch schneller ausbreiten könnte, weil das chinesische Neujahrsfest bevorsteht, zu dem Millionen Chinesen kreuz und quer durch das Land reisen, ins Ausland fliegen oder Besuch von dort erhalten. Viele Länder haben deswegen bereits ihre Vorsorgemaßnahmen verschärft.

So kündigten die britischen Behörden an, die Passagiere von Direktflügen aus der zentralchinesischen Millionenstadt Wuhan, in der die meisten Infizierten leben, stärker zu überwachen. Italien will am Flughafen Rom-Fiumicino die Temperatur von Passagieren aus Wuhan zu messen. Mehrere Länder haben bereits systematische Fieber-Kontrollen für Passagiere aus China eingeführt, darunter Russland und Thailand.

Die Bundesregierung erklärte am Mittwoch, sie verfolge die Ausbreitung des Coronavirus "aufmerksam". Das Risiko für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland sei "sehr gering", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch in Berlin. Es gebe keinen Grund, "in Alarmismus zu verfallen".

Das Virus sei "weniger gefährlich" als der Sars-Erreger, erklärte der Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Ihm zufolge ist Deutschland "gut vorbereitet". Nach den Erfahrungen mit Epidemien wie Sars oder Ebola sei auch die internationale Abstimmung gut. Das Sars-Virus war Anfang der 2000er Jahre ausgebrochen, in China und Hongkong kamen damals 650 Menschen ums Leben.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin erklärte, dass die Reisehinweise laufend aktualisiert würden. Derzeit sehe das Ministerium keinen Grund für eine Reisewarnung. Deutsche seien im Moment nicht von dem Virus betroffen.

(ala/mja/dpa)