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Coronavirus: Ausschiffung in Japan gestartet - China weist Journalisten aus

Coronavirus : Passagiere der „Diamond Princess“ dürfen von Bord – China weist Journalisten aus

China missfällt ein Text zur Lungenkrankheit Covid-19: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten weist das Land drei Korrespondenten auf einmal aus. In Japan gehen Hunderte Passagiere von Bord der „Diamond Princess“.

Nach zweiwöchiger Virus-Quarantäne sind am Mittwoch die ersten 443 der noch knapp 3000 auf dem Kreuzfahrtschiff in Japan verbliebenen Menschen an Land gegangen. Die Ausschiffung sollte mindestens drei Tage dauern. Zur ersten Gruppe gehörten viele ältere Passagiere, darunter mindestens ein Deutscher. Martin Lutterjohann, pensionierter Psychotherapeut aus München, wollte mit seiner japanischen Frau Sakae nun eine Woche Tokio erkunden, wie er der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Für Aufsehen sorgte unterdessen die Ankündigung Chinas, aus Protest gegen einen als beleidigend empfundenen Kommentar im „Wall Street Journal“ zum Covid-19-Ausbruch drei Korrespondenten der Zeitung auszuweisen.

Ihnen werde mit sofortiger Wirkung die Akkreditierung entzogen, teilte Geng Shuang, Sprecher des Außenministeriums, mit. Es ist das erste Mal in der jüngeren Geschichte der Volksrepublik, dass gleich mehrere Korrespondenten einer internationalen Nachrichtenorganisation des Landes verwiesen werden. Auslöser der chinesischen Verärgerung ist ein Meinungsbeitrag des Kolumnisten Walter Russell Mead im „Wall Street Journal“ vom 4. Februar mit der Überschrift: „China ist der wahre kranke Mann Asiens“. Der Außenamtssprecher beschrieb den Titel als „rassistisch“.

Der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) verurteilte die Ausweisung scharf. Es sei ein „extremer und offensichtlicher Versuch der chinesischen Behörden, ausländische Nachrichtenorganisationen einzuschüchtern, indem Vergeltung gegen ihre in China ansässigen Korrespondenten geübt wird“.

Kritische Stimmen gibt es auch zur Entscheidung Japans nach einem Sars-CoV-2-Nachweis bei einem Passagier der „Diamond Princess“, die anfangs 3700 Passagiere und Crewmitglieder für zwei Wochen auf dem Schiff in Quarantäne zu lassen - statt sie an Land zu betreuen. Bis Mittwoch wurden bei ihnen 621 Infektionen mit dem neuen Coronavirus nachgewiesen. Offenbar könne sich ein Kreuzfahrtschiff unter solchen Umständen als Inkubator für Infektionen erweisen, sagte Peter Walger von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Die Passagiere seien offenbar einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt gewesen. „Das verlangt eine gute Aufarbeitung.“

Wie die Fachgesellschaft mitteilte, hält sie es für „unmöglich“, in der Quarantäne auf einem Kreuzfahrtschiff Hygienebedingungen zu gewährleisten, die eine Übertragung des Erregers auf weitere Passagiere und Crewmitglieder sicher ausschließen. Spezielle Filter in der Raumlufttechnik zum Beispiel, die Krankheitserreger zurückhalten könnten, gebe es auf Kreuzfahrtschiffen nicht, so Walger.

Auf der „Diamond Princess“ waren auch zehn Deutsche zu Gast, mindestens zwei von ihnen hatten sich infiziert und wurden in eine japanische Klinik gebracht. Man bemühe sich intensiv darum, den nicht erkrankten Deutschen, die heimkehren möchten, eine baldige Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen, hieß es am Mittwoch vom Auswärtigen Amt. Man sei dazu in engem Austausch mit europäischen Partnern. Die italienische Regierung hatte in der Nacht zu Mittwoch eine erste Maschine mit medizinischem Personal nach Japan geschickt. Ein zweiter Flieger, mit dem Passagiere heimgeholt werden, sollte folgen, wie Außenminister Luigi Di Maio ankündigte. Italien könne 26 bis 27 Menschen aus anderen Ländern mitnehmen, hieß es. Ob darunter Deutsche sein werden, stand zunächst nicht fest.

Auch andere Länder holen ihre Landsleute heim - dort müssen die Betroffenen zumeist vorsichtshalber weitere 14 Tage in Quarantäne. Die USA hatten bereits am Montag 328 Landsleute heimgeholt, darunter auch mindestens 14 Infizierte. Diese werden in Kliniken behandelt, alle übrigen Rückkehrer sollten für zwei Wochen auf US-Militärstützpunkten in Kalifornien und in Texas in Quarantäne bleiben.

In Kambodscha mussten Passagiere der „Westerdam“ unterdessen weiter auf ihre Heimreise warten. Von den ursprünglich 57 auf dem Kreuzfahrtschiff mitgereisten Deutschen habe inzwischen gut die Hälfte ausreisen können, hieß es am Mittwoch vom Auswärtigen Amt. Die Reederei arbeite daran, eine Rückkehr der übrigen Passagiere mit einem Linienflug zu ermöglichen. Zu den bereits zurückgekehrten „Westerdam“-Passagieren zählen zwei Brandenburger und zwei Hessen, die nun zunächst in häuslicher Quarantäne bleiben müssen.

Bei einer US-Passagierin der „Westerdam“ war am Wochenende bei der Weiterreise in Malaysia überraschend eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt worden. Da waren viele der rund 2300 Menschen an Bord bereits an Land gegangen. Unklar ist, wo sich die in Hongkong zugestiegene Amerikanerin angesteckt hat. Bisher wurden keine weiteren Infektionen bei Passagieren oder Crewmitgliedern des Schiffes bekannt.

Unterdessen wurden aus China weiter steigende Fallzahlen gemeldet. Nach offizieller Angabe sind inzwischen mehr als 2000 Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Unter den Ärzten und Pflegern gibt es mit 3000 Fällen etwa doppelt so viele Infizierte wie bisher bekanntgegeben, wie Staatsmedien am Mittwoch berichteten. Die Zahl landesweit offiziell erfasster Infektionen stieg auf mehr als 74 000. Allerdings gehen Experten von einer um ein Vielfaches höheren Dunkelziffer aus.

Außerhalb des chinesischen Festlands wurden bislang rund 1000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, 16 davon in Deutschland. In Hongkong gab es örtlichen Medienberichten zufolge einen zweiten, offiziell noch unbestätigten Todesfall durch die Covid-19 genannte Lungenkrankheit. Frankreich, die Philippinen und Japan hatten bereits je einen Todesfall registriert. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete am Mittwochabend zwei Todesfälle in dem Land. Wenige Stunden zuvor hatte ein Sprecher des iranischen Gesundheitsministeriums überhaupt erst die ersten zwei Covid-19-Fälle im Iran bekannt gegeben. Zuvor hatte der Iran Berichte und Gerüchte über solche Infektionen vehement zurückgewiesen.

Russland verhängt aus Sorge vor einer Einschleppung von Covid-19 von Donnerstag an eine Einreisesperre für Chinesen. Betroffen seien alle Einreisen zum Arbeiten oder für touristische und Studienzwecke, heißt es in einer Verfügung von Regierungschef Michail Mischustin. Russische Medien bezeichneten den ungewöhnlichen Schritt eines solchen „Totalverbots“ am Mittwoch als beispiellos. Das Verbot gilt nur für chinesische Staatsbürger, nicht für andere aus China kommende Reisende, wie die Zeitung „Kommersant“ berichtete. Allein 2019 reisten demnach 2,3 Millionen Chinesen nach Russland ein.

(zim/dpa)