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Chuck Yeager ist tot: Nachruf auf legendären Über-Flieger

Nachruf auf Testpilot Chuck Yeager : Der Über-Flieger

Bei seinem ersten Flug drehte sich ihm der Magen um. Doch mit großem Mut und purem Fleiß wurde Chuck Yeager zu einem der größten Piloten aller Zeiten. Ein Nachruf auf den Mann, der als erster die Schallmauer durchbrach.

Chuck Yeager war ein Bauernbursche aus den Hügeln von West Virginia, der nie ein College von innen sah – doch er wurde ein solches Flieger-Ass, dass er selbst Maschinen zu Boden brachte, die nicht einmal Flügel besaßen.

Technikgeschichte schrieb er am 14. Oktober 1947: Im Experimentalflugzeug Bell X-1 durchbrach Yeager als Erster nachgewiesenermaßen die Schallmauer. In den Jahren zuvor hatten bereits mehrere Piloten der nazideutschen Luftwaffe diesen Erfolg für sich reklamiert. So erstaunlich wie typisch: Das Husarenstück mit Tempo 1125 gelang Yeager unter erschwerten Bedingungen; bei einem Reitunfall hatte er sich kurz zuvor zwei Rippen gebrochen, was er aber für sich behielt. Bescheid gab er bloß zwei Menschen. Einer war sein Testpiloten-Kollege Jack Ridley, der ihm mit einer improvisierten Erfindung erst ermöglichte, trotz der Schmerzen die Cockpitluke zu schließen. Der zweite war seine Frau Glennis, zu deren Ehren er dieses wie auch die rund 350 anderen Flugzeuge seiner Karriere „Glamorous Glennis“ nannte.

 Yeager 1985 vor seinem Rekordflugzeug „Bell X-IE“.
Yeager 1985 vor seinem Rekordflugzeug „Bell X-IE“. Foto: AP/Douglas C. Pizac

In seiner Autobiografie „Yeager“ gab er zu, dass der historische Moment für ihn selbst wenig überwältigend gewesen sei: Das herbeigesehnte Signal für den „schönen, sauberen Schlag durch die Schallmauer“ habe sich eher angefühlt wie ein Stochern durch Wackelpudding. „Erst später realisierte ich, dass diese Mission zwangsläufig enttäuschend hatte enden müssen.“ Die maßgebliche Hürde sei nicht am Himmel, sondern in den Köpfen überwunden worden. Entsprechend stolz sagte er später einmal: „Das hat uns den Weltraum geöffnet, von Satelliten bis hin zu ‚Star Wars’".

Yeager war das zweite von fünf Kindern einer Bauernfamilie, die von deutschen Einwanderern namens Jäger abstammten. Nach der Highschool wurde er 1941 Flugzeugmechaniker bei der US-Luftwaffe, wobei seine Pflichten auch Wach- und Küchendienste umfassten. Der Legende nach wurde er bei seinem ersten Flug als Passagier so luftkrank, dass er sich übergab. Zur Pilotenausbildung zugelassen wurde er erst durch den Personalmangel bei Kriegseintritt der Vereinigten Staaten. Einen Abschuss über Frankreich am 5. März 1944 überlebte er verletzt per Fallschirmsprung; dennoch war sein Einsatz als Militärpilot zumindest in Europa damit praktisch beendet. Denn bei der Flucht über die Pyrenäen nach Spanien hatten ihm französische Widerstandskämpfer geholfen, die er im Falle einer Gefangennahme womöglich hätte verraten können. Doch Yeager überredete den Oberbefehlshaber der Alliierten, General Eisenhower, höchstpersönlich, ihm die Lizenz zum Fliegen erneut zu erteilen.

In 61 Einsätzen verzeichnete er ein Dutzend Abschüsse, darunter fünf an einem einzigen Tag über Bremen. Öffentlich beklagte er später, bei einer Mission angewiesen worden zu sein, „auf alles zu schießen, was sich bewegt“, also ausdrücklich auch Zivilisten.

Seine Karriere als Kampf- und Testpilot sowie Ausbilder von Piloten und Astronauten führte ihn quer durch die USA und über den Globus, etwa nach Vietnam und Pakistan; zeitweise war er in Frankfurt-Hahn stationiert. Als er im Jahr 1975 offiziell in den Ruhestand trat, hatte er mehr als 10.000 Flugstunden in rund 360 verschiedenen Flugzeugtypen absolviert. Das wohl Ungewöhnlichste war die Nasa M2-F1, das sich auch ohne Flügel steuern und landen ließ.

 Yeager im Jahr 2012.
Yeager im Jahr 2012. Foto: dpa/Isaac Brekken

Zu mehr oder auch weniger besonderen Anlässen schwang er sich aber bis mindestens 2012 ins Cockpit. Schon bevor er 1986 an der Aufklärung der Explosion des Space Shuttle „Challenger“ mitwirkte, war der Flughafen von Charleston in seiner Heimat West Virginia nach ihm benannt worden.

Die Unterstellung eines besonderen Talents wies er zeitlebens von sich: „Ich habe mir den Hintern abgearbeitet um das Fliegen zu meistern, und immer hart weiter gearbeitet. Mein Erfolgsgeheimnis war, dass ich es immer geschafft habe, am Leben zu bleiben.“ Bei aller Freude am Fliegen habe er stets auch große Angst vor dem Tod gehabt.

Am Montag starb Chuck Yeager im Alter von 97 Jahren; er hinterlässt seine zweite Frau Victoria, vier Kinder, ein Logbuch mit 18.000 Flugstunden, unzählige Rekorde und Auszeichnungen sowie tiefe Spuren in der Geschichte der Fliegerei.