Christchurch-Attentäter spendete an weitere „Identitären“-Gruppe

Nach Anschlägen in Neuseeland : Christchurch-Attentäter spendete an weitere „Identitären“-Gruppe

Immer mehr Details über die Spenden und Reisen des Attentäters von Christchurch kommen ans Licht. Der 28 Jahre alte Tatverdächtige war wohl auch kurz in Deutschland - und spendete nicht nur an eine rechte Gruppierung aus Österreich.

Der Attentäter von Christchurch hat nicht nur die „Identitären“ in Österreich finanziell unterstützt. Ein Beamter des Bundeskriminalamtes (BKA) berichtete nach Angaben aus Teilnehmerkreisen am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestages, dass der tatverdächtige Australier zwischen dem 18. und dem 25. September 2017 insgesamt 2200 Euro an die rechte Organisation „Génération Identitaire“ geschickt habe. Zudem habe der Beamte erklärt, dass der 28-Jährige zumindest kurz in Deutschland war.

Der BKA-Beamte sagte demnach, dass der mutmaßliche Attentäter seine Kreditkarte am 30. November 2018 an der Besucherkasse von Schloss Neuschwanstein benutzt habe. Da er mit seiner Karte am Morgen und Abend des selben Tages auch in Österreich bezahlt habe, sei aber wohl nur von einem kurzen Abstecher nach Deutschland auszugehen.

Den Angaben zufolge berichtete der BKA-Beamte weiter, der Tatverdächtige habe am 9. Mai 2014 von einem australischen Konto Geld auf das Konto eines Deutschen aus Tübingen bei einer belgischen Bank überwiesen. Als Überweisungsgrund wurde demnach ein „Tauchlehrgang auf den Philippinen“ im Februar 2015 genannt. Der Empfänger des Geldes sei zwar polizeibekannt, allerdings nicht in Zusammenhang mit Extremismus oder politisch motivierter Kriminalität, berichtete ein Teilnehmer der Sitzung.

Bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch waren am 15. März 50 Menschen getötet und fast ebenso viele verletzt worden. Der tatverdächtige Rechtsextremist sitzt in Untersuchungshaft. Bisher war bekannt, dass der 28-Jährige etwa 14 Monate vor dem Terroranschlag eine Spende an die österreichischen „Identitären“ überwiesen hatte. „Persönliche Kontakte“ zu Extremisten in Österreich soll er jedoch nach Angaben des österreichischen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) nicht gehabt haben. Die rechte FPÖ steht in Österreich aber dennoch unter Druck - unter anderem, weil FPÖ-Funktionäre in der Vergangenheit bei Veranstaltungen der „Identitären“ aufgetreten sind. Über mögliche Kontakte des mutmaßlichen Attentäters zu deutschen Rechtsextremisten ist bislang nichts bekannt.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erklärte am Mittwoch in Wien, dass der Christchurch-Attentäter aktuellen Ermittlungen zufolge rund 60 Länder weltweit besucht habe, darunter mehr als 20 EU-Länder. „Es gibt derzeit noch keine Hinweise darauf, ob er dort mit rechtsextremen Kräften Austausch gepflegt hat oder ob das normale touristische Aktivitäten waren“, sagte Kurz.

(zim/dpa)
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