Chinesischer Experte geht von Mensch-zu-Mensch-Übertragung aus

Neuartiges Corona-Virus : Chinesischer Experte geht von Mensch-zu-Mensch-Übertragung aus

Nachdem die chinesischen Behörden zunächst von nur einigen Dutzend Infizierten sprachen, korrigierten sie diese Zahl nun auf über 200 Patienten. Ein Experte spricht zudem auch von einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

Die neuartige Lungenkrankheit in China breitet sich überraschend schnell aus: Die Behörden sprachen am Montag von landesweit über 200 Infizierten, nachdem zuvor nur von einigen Dutzend Patienten die Rede gewesen war. Nach Einschätzung des renommierten chinesischen Experten Zhong Nanshan überträgt sich der neue Erreger nicht nur von Tier zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch.

Insgesamt gaben die chinesischen Behörden am Montag fast 140 neue Fälle von Erkrankungen bekannt. Damit wurde laut dem staatlichen Fernsehsender CCTV inzwischen bei 218 Patienten in der Volksrepublik der neuartige Erreger diagnostiziert. Unter ihnen sind 170 Patienten in der zentralchinesischen Stadt Wuhan, wo die Lungenkrankheit im Dezember zum ersten Mal aufgetreten war. Dort starb am Montag ein dritter Patient.

In Peking wurde das neuartige Virus bei fünf Patienten und in Shanghai bei einem Patienten nachgewiesen, die südchinesische Provinz Guangdong meldete 15 Fälle. Auch in Südkorea wurde das neuartige Coronavirus erstmals diagnostiziert. Betroffen ist eine 35-jährige Chinesin, die sich zuvor in Wuhan aufgehalten hat. Vereinzelte Infektionen waren zuvor bereits aus Thailand und Japan gemeldet worden.

Weitere Besorgnis lösten Aussagen des chinesischen Forschers Zhong aus, wonach das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar sei. Dieses Phänomen gebe es, sagte der Experte der staatlichen Gesundheitskommission dem Sender CCTV. So hätten sich zwei Patienten in Guangdong bei erkrankten Angehörigen angesteckt, ohne vorher selbst Wuhan besucht zu haben. Zhong hatte unter anderem 2003 daran mitgewirkt, das ganze Ausmaß der Sars-Epidemie bekannt zu machen.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan war das Virus zuerst im Dezember auf einem dortigen Fisch- und Geflügelmarkt aufgetreten. Bisher hatten die Behörden aber stets darauf hingewiesen, dass es noch keinen Nachweis für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gebe. Laut Zhong stehen 95 Prozent der Fälle mit Wuhan in Verbindung.

Das neue Virus gehört zur Familie der Corona-Viren, zu der auch der tödliche Sars-Erreger gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

Zum ersten Mal schaltete sich auch Chinas Staatschef Xi Jinping in die Debatte um das neue Virus ein. Der Präsident habe "wichtige Anweisungen gegeben, damit der Ausbreitung der Epidemie mit aller Kraft Einhalt geboten wird", verkündete CCTV am Montag. Das Retten von Menschenleben habe "oberste Priorität". Zugleich forderte Xi die Behörden auf, "Informationen zeitnah zu veröffentlichen und die internationale Zusammenarbeit zu vertiefen".

Die Hiobsbotschaft von der Ausbreitung des Virus kam wenige Tagen vor dem chinesischen Neujahrsfest am kommenden Wochenende. Rund um das Fest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug im Land und in ganz Asien unterwegs, was potenziell das Risiko weiter steigert.

Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt ohnehin, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten schon jetzt deutlich höher liegt als von Peking angegeben: Es teilte am Freitag mit, dass es von mehr als 1700 Infizierten ausgehe.

Für Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung derzeit keine akute Gefahr. Das Bundesgesundheitsministerium verwies auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, wonach das Risiko für Deutschland "sehr gering" sei. Der Ausbruch der Krankheit sei aber "Grund für besondere Beobachtungen und Analysen".

Das Auswärtige Amt erklärte in seinen Reisehinweisen für China, das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als "moderat eingeschätzt". Es rief Reisende dazu auf, den Kontakt mit kranken Menschen und Tieren zu vermeiden, keine Märkte mit Tierprodukten aufzusuchen und "auf eine adäquate Handhygiene" zu achten. Bei Fieber und Anzeichen einer Atemwegsinfektion solle sofort ein Arzt aufgesucht werden.

(ala/AFP)