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Keine Warnung vor Tsunami: Chiles Verteidigungsminister wirft Marine Fehler vor

Keine Warnung vor Tsunami : Chiles Verteidigungsminister wirft Marine Fehler vor

Santiago de Chile (RPO). Chiles Verteidigungsminister Francisco Vidal macht der Marine des Landes schwere Vorwürfe: Nach dem verheerenden Erdbeben habe sie keine Tsunami-Warnung herausgegeben. Inzwischen ist die Zahl der Toten auf mehr als 700 angestiegen.

Mehrere Küstengebiete waren am Samstag von Wellen getroffen worden, und eine noch unbekannte Zahl von Menschen fielen ihnen zum Opfer. Die Behörden mussten später einräumen, dass es sich um Tsunami-Wellen gehandelt habe. Die Marine hat für solche Fälle einen Notfallplan, der es den lokalen Behörden erlaube, die Bevölkerung zu warnen, auch wenn es dazu keine Anweisung gebe, sagte Vidal. "Dank dieses Systems konnten die Menschen trotz des Diagnosefehlers (der Marine) alarmiert werden und sich auf Hügel retten." Zwischen dem Beben und den Tsunami-Wellen verstrichen nur etwa 30 Minuten.

Angst vor Plünderungen

In den betroffenen Erdbebenregionen wächst unterdessen die Angst vor Plünderungen und Gewalt. Der künftige Präsident Chiles, Sebastián Piñera, sprach sich für den Einsatz der Armee aus, um Unruhen zu vermeiden. Am Montagmorgen erschütterte ein Nachbeben der Stärke 6,2 das Land.

Noch-Staatschefin Michelle Bachelet solle die Armee in die betroffenen Gebiete schicken, um Verbrechen, Plünderungen und Unruhen zu verhindern, sagte Piñera vor Journalisten. Recht und Ordnung drohten verloren zu gehen. Piñera war im Januar zum neuen Präsident des Landes gewählt worden und soll am 11. März sein Amt antreten.

Um Plünderungen vorzubeugen, wurde über die besonders schwer betroffene 400.000-Einwohner-Stadt Concepción eine Ausgangssperre verhängt. Sie trat laut einem Reporter am Sonntagabend 21 Uhr (Ortszeit) in Kraft und sollte nach Angaben der Behörden bis Montagfrüh sechs Uhr gelten. Überall in der schwer zerstörten Stadt wurden die Menschen mit Lautsprecher-Durchsagen auf die Ausgangssperre hingewiesen. Bei Verstößen drohten die Behörden mit Festnahmen.

In Concepción und anderen Städten war es über das Wochenende zu schweren Plünderungen gekommen. Bachelet verhängte deshalb am Sonntag den Ausnahmezustand über die beiden am stärksten betroffenen Regionen Maule und Biobio. Er gelte zunächst für 30 Tage und solle die öffentliche Ordnung garantieren sowie schnellere Hilfslieferungen ermöglichen, sagte die Präsidentin. Die Armee werde dabei mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, kündigte Verteidigungsminister Fancisco Vidal. Die chilenische Luftwaffe habe 10.000 Mann entsandt.

Fieberhafte Suche nach Überlebenden

In den betroffenen Regionen suchten Rettungskräfte fieberhaft nach möglichen Überlebenden. Aus den Trümmern eines eingestürzten Hochhauses in Concepción konnten die Rettungskräfte zunächst nur acht Leichen bergen. "Es gibt aber noch 48 eingeschlossene Personen, die offensichtlich noch leben", sagte der Sprecher der Rettungskräfte, Ignacio Carrizo. "Wir arbeiten hart und wir werden nicht nachlassen, bis wir alle gerettet haben." Das 14-stöckige Hochhaus war bei dem schweren Erdbeben am Samstagmorgen zusammengestürzt, viele Bewohner wurden unter den Trümmern begraben.

Durch das Erdbeben am Samstagmorgen und die folgenden Flutwellen starben mindestens 708 Menschen. Die Zahl der Vermissten nehme ständig zu, weshalb die Totenzahl weiter steigen werde, sagte Bachelet. Das Erdbeben sei "eines der fünf stärksten" in der Geschichte des Landes; etwa zwei Millionen Menschen seien betroffen.

Nach dem Hauptbeben wurde Chile immer wieder von Nachbeben erschüttert. Ein besonders starkes ereignete sich am Montagmorgen. Dieses hatte nach Angaben der US-Erdbebenwarte die Stärke 6,2. Sein Epizentrum lag in etwa 35 Kilometer Tiefe gut hundert Kilometer nordöstlich der Stadt Talca.

Auf dem schwer beschädigten Flughafen von Santiago de Chile landeten am Sonntag einige wenige Flugzeuge mit Ausnahmegenehmigungen. Offiziell wieder öffnen werde der Flughafen wohl nicht vor Dienstag, sagte ein Sprecher des Airports.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Starkes Erdbeben in Chile

(AFP/apd/das)