Busunglück auf Madeira - Laschet bestätigt: NRW-Bürger unter den Opfern

Verunglückter Bus auf Madeira : Auch Bürger aus NRW unter den Opfern

Unter den Opfern aus dem verunglückten Reisebus auf Madeira sind laut Landesregierung auch Bürger aus NRW. Urlauber, die leicht verletzt davon kamen, halten ein Bremsversagen für möglich. Die Behörden warnen vor vorschnellen Urteilen.

Nach dem schweren Busunglück auf Madeira mit 29 Toten steht nun fest, dass auch Menschen aus NRW betroffen sind. Das war aus Kreisen der Landesregierung schon befürchtet worden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet geht davon aus, dass auch Bürger aus NRW bei dem Unglück zu Schaden kamen. Der WDR berichtet indes, Laschet habe sogar bestätigt, dass Bürger aus NRW unter den Opfern seien.

„Mit großer Erschütterung haben wir von dem tragischen Busunglück auf Madeira erfahren. Die schrecklichen Bilder haben uns tief betroffen gemacht“, sagte Laschet in einer offiziellen Mitteilung am Nachmittag. „Wir trauern um die vielen Menschen, die schöne Tage auf der Insel Madeira verbringen wollten und so plötzlich aus dem Leben gerissen wurden. Unsere Gedanken sind bei ihren Familien und Freunden. Wir hoffen, dass die vielen Verletzten schnell und vor allem vollständig genesen.“ Bei dem Unglück wurden 29 Menschen getötet, zahlreiche weitere wurden verletzt. Das Auswärtige Amt bestätigt die Anzahl der deutschen Opfer indes nicht. Grundsätzlich mache man keine Angaben dazu, aus welchen Bundesländern die Geschädigten kommen, hieß es gegenüber unserer Redaktion. Das portugiesische Außenministerium teilte indes mit, sämtliche Todesopfer seien Deutsche.

An Bord des Unglücksbusses waren nach bisherigen Erkenntnissen des Reiseveranstalters trendtours 51 seiner Gäste. Die Reisegruppe sei auf dem Weg zu einer Abendveranstaltung nach Funchal gewesen, teilte eine Kommunikationsagentur am Freitag im Namen der in Frankfurt/Main ansässigen trendtour Touristik GmbH mit. Der Bus sei von einem lokalen Veranstalter gechartert worden. „Wir sind alle zutiefst erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und deren Angehörigen.“ Der Reiseveranstalter habe ein Team nach Madeira entsandt, um die überlebenden Unfallopfer zu unterstützen.

Mehrere Tote bei Busunglück auf Madeira

Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amtes

Die Bundesregierung macht noch keine Angaben über die genaue Zahl der bei Busunglück ums Leben gekommenen Deutschen. Kanzleramtschef Helge Braun begründete das am Donnerstag damit, dass zunächst die Angehörigen informiert würden. „Die Bundesregierung unternimmt nun alles, um dafür zu sorgen, dass schnell Gewissheit für die Angehörigen herrscht“, sagte er vor Journalisten in Berlin. Es sei „eine Reisegruppe von vorwiegend deutschen Urlaubern“ betroffen.

Das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts in Berlin schrieb bei Twitter, dass Helfer vor Ort auf Madeira derzeit die Opfer identifizierten. Diese Identifizierung der Leichen wird vermutlich bis Samstag abgeschlossen sein. Das sagte eine Vertreterin des Krankenhauses „Dr. Nélio Mendonça“ in der Hauptstadt Funchal bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft lässt den Unfall nun untersuchen, am Flughafen von Funchal wurde eine provisorische Leichenhalle eingerichtet. Die portugiesische Regierung hat eine dreitägige Staatstrauer bis Samstag angeordnet.

Das Außenministerium in Berlin richtete eine Hotline ein, unter der sich Angehörige informieren können. Diese lautet: 030-50003000.

Überlebende berichten vom Unfallhergang

Ein leicht verletzter Passagier berichtete noch am Donnerstag von seinen Eindrücken. „Ich denke, die Bremsen funktionierten nicht. Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einigen Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich“, sagte der Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung „Observador“.

Er hatte sich laut Bericht bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte „Observador“ nicht. Im ARD-„Brennpunkt“ kam ein deutsches Paar mit der gleichen Schilderung zu Wort. Die Frau erzählte dabei, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. Im Flugzeug werde erklärt, was zu tun sei. „Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück.“

Fahrer verlor die Kontrolle

Nach Angaben des Hotels, in dem die Touristen untergebracht waren, handelt es sich bei den Opfern um Deutsche aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik. Sie haben ihre Reise offenbar bei demselben Veranstalter gebucht. Das sagte eine Angestellte der Hotelanlage „Quinta Splendida“ in der Ortschaft Caniço am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Nach ihren Angaben handelte es sich aber nicht um eine gemeinsame Reisegruppe.

Die Reisenden seien zu verschiedenen Zeitpunkten auf Madeira angekommen und hätten über einen deutschen Reiseveranstalter und dessen portugiesischen Partner Ausflüge gebucht, sagte eine Mitarbeiterin des Hotels am Donnerstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Gäste des Veranstalters reisten normalerweise immer donnerstags und dienstags an, hieß es weiter.

Der Bus mit mehr als 50 Passagieren an Bord war am Mittwochabend gegen 18.30 Uhr (Ortszeit 19.30 Uhr) in Caniço in der Gemeinde Santa Cruz verunglückt. Nach bisherigen Erkenntnissen starben dabei 29 Menschen. Unmittelbar nach dem Unfall war von 28 Todesopfern die Rede gewesen, eine weitere Frau erlag in der Nacht im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Der Fahrer hatte die Kontrolle über den Bus verloren. Das Fahrzeug kam von der Straße ab, rutschte eine Böschung herunter und stürzte auf ein Haus, dabei überschlug es sich offenbar mehrfach. Das Haus war zum Unfallzeitpunkt leer. Das bestätigte der Bürgermeister des Ortes Caniço, Filipe Sousa, der portugiesischen Onlinezeitung „Observador“.

Eine Augenzeugin sagte dem Sender TVI24, dass sie laute Schreie aus dem Bus hörte. Der Bus wurde am Donnerstagfrüh geborgen, auf Fotos klaffte ein großes Loch im Ziegeldach und der Rückwand des Hauses.

Der Bus war offenbar relativ neu. Das Fahrzeug sei im Februar 2013 zugelassen worden und damit nur rund sechs Jahre alt gewesen, berichtete die Zeitung „Diário de Notícias“ am Donnerstag ohne Nennung von Quellen. Bei dem Fahrer, der bei dem Unfall verletzt wurde, handele es sich um einen 55-Jährigen mit viel Berufserfahrung, hieß es weiter.

Der Vizepräsident der Regionalregierung von Madeira, Pedro Calado, nannte alle Mutmaßungen zur Unglücksursache „verfrüht“. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein.

Außenminister Heiko Maas auf Madeira

Die Bundeskanzlerin äußerte sich bestürzt über das Unglück. Sie denke „mit Trauer und Bestürzung an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind“, ließ Angela Merkel (CDU) am Donnerstag über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären. Merkel sprach den Angehörigen der Toten ihre Anteilnahme aus. Zugleich dankte sie allen auf Madeira, die an der Unglücksstelle „unter schwierigen Umständen“ im Einsatz waren. Eine konkrete Zahl von Opfern nannte die Kanzlerin nicht.

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte: „Es ist erschütternd, dass aus dem Osterurlaub für so viele Menschen eine Tragödie geworden ist. Noch haben wir keine Gewissheit, wie viele Deutsche unter den Opfern sind.“ Er reiste am Donnerstag auf die portugiesische Atlantikinsel. Er traf dort seinen Amtskollegen Augusto Santos Silva, besuchte die Unglücksstelle, an der er laut seinem Ministerium einen Kranz niederlegte, und dankte den Hilfskräften. Ein weiterer Termin vor der Rückreise nach Deutschland war ein Besuch im Krankenhaus.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußerte sich. Er sei „tief erschüttert über den tragischen Unfall auf Madeira“. In Gedanken sei er bei den Familien und Freunden der Opfer, „wie viele Menschen hier in Deutschland“, erklärte das Staatsoberhaupt am Donnerstag in Berlin. „Wir trauern und fühlen alle mit ihnen. Den Verletzten wünsche ich gute und baldige Genesung.“ Zugleich dankte er den Rettungs- und Einsatzkräfte auf Madeira sowie dem portugiesischen Präsidenten Marcelo Rebelo de Sousa „für seine Anteilnahme in diesen schweren Stunden“.

Für schnelle Hilfe für die Verletzten prüft die Bundesregierung den Einsatz eines Rettungsflugzeugs der Luftwaffe. Der Einsatz eines „MedEvac“-Airbus werde sich noch heute entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Braun. „Wir haben den bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen“, sagte er.

Der Airbus A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Bundeswehr. Die Luftwaffe bezeichnet die Maschine als „wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen“.

An Bord sind bis zu sechs Plätze für intensivmedizinische Behandlung. Zudem gibt es 38 weitere Liegeplätze, wobei für 16 Patienten eine verstärkte medizinische Überwachung mit Monitoren möglich ist. Damit können 44 Patienten liegend transportiert werden. Die medizinische Besatzung kann bis zu 25 Menschen zählen. Die Luftwaffe hält auf dem Flughafen Köln-Wahn wird immer einen MedEvac-Airbus in 24-Stunden-Bereitschaft.

Die portugiesische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis einschließlich Samstag an. Ministerpräsident António Costa kondolierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er sei bestürzt und übermittle der Kanzlerin „in dieser schweren Stunde“ sein Bedauern, twitterte Costa noch am Mittwochabend. Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa wird am Freitag auf Madeira erwartet.

Die sehr gebirgige „Blumeninsel“ von der Größe Hamburgs ist neben der Algarve das beliebteste Reiseziel der Deutschen in Portugal. Nach Angaben des Portals A-Z Madeira stellten Deutsche und Briten 2017 je ein Fünftel der 1,3 Millionen Urlauber.

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(lhen/hebu/AFP/dpa/KNA)
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