Brittany Maynard: Ein angekündigter Suizid sorgt für neue Debatten

Der Fall Brittany Maynard: Ein angekündigter Suizid sorgt für neue Debatten

Das freimütige Bekenntnis der Brittany Maynard für die Sterbehilfe sorgt in den USA für Schlagzeilen. Ihr Fall eines angekündigten Suizids wegen einer unheilbaren Krankheit wird in den Nachrichten, in Talkshows und in der Öffentlichkeit diskutiert.

In einem anrührenden Video auf YouTube erzählt die US-Amerikanerin Maynard, dass sie an einem unheilbaren Hirntumor leide, die Ärzte ihr nur noch wenige Monate zu leben geben. Jetzt läuft bis zum 1. November ein Countdown. Dann, so hat Maynard entschieden, will sie sterben. "Meine Familie wird bei mir sein, mein Mann, meine Mutter, mein Stiefvater und meine beste Freundin, die Ärztin ist. Ich werde oben sterben, in meinem Schlafzimmer."

Die 29-Jährige, die Anfang des Jahres die niederschmetternde Diagnose erhielt, zog vor kurzem von Kalifornien nach Oregon um. Dort erlaubt der "Death with Dignity"-Akt, das "Sterben in Würde"-Gesetz, den ärztlich assistierten Suizid. Ärzte dürfen Todkranken eine tödliche Dosis eines Medikaments verschreiben, die diese dann zu einem selbst bestimmten Zeitpunkt einnehmen können. In dem Video holt Brittany zwei gelbe Fläschchen aus einer kleinen Tasche, deren Inhalt ihr den Tod bringen soll. "Nicht leiden zu müssen, sondern entscheiden zu können, wann es genug ist, ist eine große Erleichterung", sagt Dan Diaz, Brittanys Ehemann.

Oregon war der erste Bundesstaat in den USA, der den ärztlich assistierten Suizid ausdrücklich erlaubt hat. Seitdem haben sich 1.173 unheilbar kranke Menschen eine tödlich wirkende Dosis von Präparaten verschreiben lassen, 752 haben sie auch genommen und sind daran gestorben. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen ihren Wohnsitz in Oregon haben und ihre Lebenserwartung unter sechs Monaten liegt.

Der Bundesstaat an der Pazifikküste gehört damit aber zu den Ausnahmen. Nur vier weitere Staaten - Washington, Montana, New Mexico und Vermont - sind dem Beispiel gefolgt und erließen vor einigen Jahren Gesetze, die es Ärzten erlauben, Todkranken beim Sterben zu helfen. Dessen ungeachtet ist das Thema heftig umstritten; die Hälfte der Bundesstaaten stellt den assistierten Selbstmord sogar unter Strafe.

Der nun über YouTube in die Öffentlichkeit getragene Fall von Brittany Maynard hat tausende Menschen bewegt und die Debatte erneut angestoßen. Gegner und Befürworter melden sich zu Wort, darunter ein katholischer Seminarist aus North Carolina. Er hat einen Brief an Brittany geschrieben, den die Diözese Raleigh auf ihre Webseite gestellt hat. Darin erzählt er von seiner eigenen Erkrankung, auch ein inoperabler Hirntumor.

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"In einer Gesellschaft, die von allen negativen Aspekten gereinigt ist und die jede Erwähnung von Leiden vermeidet, scheint ein Tod, den man sich selbst aussucht, bequemer zu sein", schreibt der 30-Jährige. Er appelliert an Brittany, weiter zu leben und gegen ihre Krankheit zu kämpfen. "Sie wäre damit ein wunderbares Beispiel und eine Inspiration für unzählige andere in ihrer Situation."

Kritik an Maynards Vorgehen

Ira Byock, ein bekannter Palliativmediziner, sieht die junge Frau gar als Opfer der Organisiation "Compassion & Choices", die Sterbehilfegesetze im ganzen Land durchzusetzen versucht. Die 29-Jährige hatte sich der Lobbygruppe angeschlossen und mit ihr zusammen das YouTube-Video gedreht. "Ich frage mich, was ist, wenn Brittany am 1. November ihr Leben doch noch lebenswert findet. Wird sie sich dann verpflichtet fühlen, ihr Leben zu beenden, um die öffentlichen Erwartungen zu erfüllen?", so Byock.

Die Todkranke weist das ärgerlich zurück, sie fühle sich niemandem verpflichtet. "It is my choice" - "Es ist meine Wahl", betont sie. Die Mehrheit der US-Amerikaner findet es moralisch gerechtfertigt, wenn sich ein unheilbarer Kranker, der große Schmerzen leidet, selbst tötet. Allerdings sind weniger als die Hälfte dafür, dass es Ärzten gesetzlich erlaubt sein sollte, bei einem solchen Schritt Hilfestellung zu leisten.

Die katholische Kirche in den USA richtet sich mit Vehemenz gegen die Hilfe von Medizinern bei der Selbsttötung. "Das ist eine große Bedrohung", warnt etwa die Diözese in Burlington. Sie liegt in Vermont, einem der fünf Bundesstaaten, die die umstrittene Maßnahme erlauben. Das Bistum hält fest: "Das Leben ist kostbar, in jedem Stadium."

(KNA)
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