1. Panorama
  2. Ausland

Bristol: Demonstranten werfen die Statue des Sklavenhändlers Colston in den Hafen

Kundgebung in Bristol : Demonstranten werfen Statue von Sklavenhändler in den Hafen

Im britischen Bristol haben Demonstrierende die Statue von Edward Colston demontiert und in ein Hafenbecken des Avon geworfen. Der Sklavenhändler lebte im 17. Jahrhundert in der Stadt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Bei Anti-Rassismus-Protesten im englischen Bristol haben Demonstranten am Sonntag die Statue eines britischen Sklavenhändlers von einem Sockel geholt und ins Hafenbecken geworfen. Wie die Videoaufnahme eines Augenzeugen zeigt, zogen Menschen eine Schlinge um den Hals der Statue von Edward Colston und brachten sie zu Fall. Unter Jubelschreien schleppten sie die Bronzestatue zum Hafen, wo sie sie im Fluss Avon versenkten.

Die Polizei in der Stadt im Südwesten Englands kündigte Ermittlungen wegen Sachbeschädigung an. An der friedlichen Demonstration hatten nach Angaben des örtlichen Polizeichefs etwa 10.000 Menschen teilgenommen, einige Dutzend knöpften sich dann am Rande die Bronzestatue vor.

Colston wurde 1636 in eine reiche Händlerfamilie geboren und arbeitete in führender Position in der einzigen amtlichen Slavenhandelsfirma Englands in dieser Zeit, der Royal African Company. Bristol war ihr Hauptsitz. Die Firma transportierte Zehntausende Afrikaner über den Atlantik, meist zu Zuckerplantagen in der Karibik und der damals neuen Kolonie Virginia. Jedem Sklaven wurden die Initialen der Firma auf die Brust eingebrannt. Später erwarb Colston sich durch Spenden an Schulen und Krankenhäuser den Ruf eines Philantrophen.

"Heute bin ich Zeuge der Geschichte", schrieb William Want, der das Video veröffentlichte, im Kurzbotschaftendienst Twitter unter dem Hashtag Black Lives Matter. Die Demonstranten gingen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße, um sich mit den Protesten in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd zu solidarisieren. Der 46-Jährige war am 25. Mai in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang das Knie in den Nacken gedrückt hatte.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">today i witness history. the statue of edward colston, à bristol slave trader, was torn down, defaced, and thrown in the river. <a href="https://twitter.com/hashtag/BlackLivesMatter?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#BlackLivesMatter</a> <a href="https://t.co/aROlNQKY63">pic.twitter.com/aROlNQKY63</a></p>&mdash; william ‘tea cake’ want (he/him) (@willwantwrites) <a href="https://twitter.com/willwantwrites/status/1269653693131087873?ref_src=twsrc%5Etfw">June 7, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
Dieses Element enthält Daten von Twitter. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren

Die britische Innenministerin Priti Patel nannte das Vorgehen der Demonstranten in Bristol "zutiefst schändlich". Patel sagte im Sender Sky News: "Das ist ein völlig inakzeptabler Akt und spricht erneut für den Vandalismus, wie wir ihn gestern in London gesehen haben." Die Polizei in der britischen Hauptstadt hatte am Samstag nach einer weitgehend friedlichen Demonstration mit tausenden Teilnehmern 29 Menschen festgenommen - nach Zusammenstößen mit Polizisten im abgesperrten Regierungsviertel.

Der Bürgermeister von Bristol, Marvin Rees, sagte, die 1895 errichtete Statue habe seit Jahren für Kontroversen gesorgt. Es sei wichtig, denjenigen zuzuhören, für die sie ein Affront gewesen sei. Schon vor den neuerlichen Protesten in den USA gegen Polizeigewalt und Diskriminierung Schwarzer galt das Denkmal für den Sklavenhändler als Schandfleck in der heute liberalen Stadt. 11.000 Bürger unterzeichneten eine Petition mit der Forderung, es zu entfernen. Colstons Statue endete an einem symbolischen Ort: Sie liegt nun nahe Pero's Bridge im Wasser - einer Brücke, die nach einem versklavten Mann, Pero Jones, benannt ist, der im 18. Jahrhundert in Bristol lebte.

Clive Lewis, Abgeordneter der oppositionellen Labour-Partei, begrüßte die Entfernung der Statue im Kurznachrichtendienst Twitter und sagte zu Colton: "Jemand, der für unermessliches Blut und Leid verantwortlich ist. Wir werden den strukturellen Rassismus nie lösen, solange wir unsere Geschichte in ihrer ganzen Komplexität nicht in den Griff bekommen."

(juju/AFP/AP)