Ein Verletzter Briefbombe explodiert in Ukraine-Botschaft in Madrid

Update | Madrid · In der ukrainischen Botschaft in Madrid ist eine Briefbombe explodiert. Auch andere Orte erhielten Briefbomben. Die spanische Polizei ermittelt.

 Bilder ukrainischer Artisten sind in einem Museum in Madrid ausgestellt.

Bilder ukrainischer Artisten sind in einem Museum in Madrid ausgestellt.

Foto: AP/Paul White

Bei der Explosion einer Briefbombe in der Botschaft der Ukraine in der spanischen Hauptstadt Madrid ist ein Botschaftsmitarbeiter verletzt worden. Der Mann, der den Brief am Mittwochmittag geöffnet hatte, wurde nur leicht verletzt. Der Brief war an den Botschafter adressiert gewesen und in einem normalen Umschlag vom Postboten geliefert worden.

Die spanische Polizei untersucht nun auch weitere mögliche Sprengsätze, die unter anderem an Ministerpräsident Pedro Sánchez, das Verteidigungsministerium und die US-Botschaft geschickt wurden. Der an den Regierungschef adressierte Umschlag mit „pyrotechnischem Material“ sei bereits vor einer Woche entdeckt und durch eine kontrollierte Explosion unschädlich gemacht worden, erklärte das Innenministerium in Madrid am Donnerstag.

Die Sendung an Sánchez sei sowohl vom Aussehen als auch vom Inhalt her der Briefbombe in der ukrainischen Botschaft ähnlich gewesen, fügte das Ministerium hinzu.

Die spanische Justiz leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf „Terrorismus“ ein. Die Sicherheitsmaßnahmen auch an anderen diplomatischen Vertretungen in Spanien wurden verschärft.

Nach der Explosion war am Mittwochabend ein weiterer „verdächtiger“ Brief beim Rüstungsunternehmen Instalaza in Saragossa im Nordosten Spaniens entdeckt worden. Spezialeinheiten der Polizei brachten die Sendung laut Innenministerium zur Explosion. Die Firma stellt vor allem Granatwerfer her, die von der spanischen Regierung auch an die Ukraine geliefert wurden.

Am Donnerstag wurden weitere „verdächtige“ Briefe im Verteidigungsministerium und auf einem großen Militärstützpunkt bei Madrid abgefangen, wie das Innenministerium weiter mitteilte. In der Nacht hätten die Sicherheitssysteme der Luftwaffenbasis von Torrejón de Ardoz Alarm geschlagen. Sie hätten einen „verdächtigen Umschlag“ entdeckt, der einen Mechanismus enthalten könnte. Adressat sei das Satelliten-Zentrum gewesen. Die Militärbasis wird oft für offizielle Flüge von Regierungsmitgliedern genutzt. Auch hier wurde der Umschlag kontrolliert gesprengt.

Es gebe Hinweise, dass „die Briefe aus Spanien stammen“, sagte Spaniens Staatssekretär für Sicherheit, Rafael Perez. Die Ermittlungen stünden allerdings noch am Anfang.

Später am Donnerstag meldete das Innenministerium einen weiteren Brief, „mit ähnlichen Merkmalen wie die anderen“, der in der US-Botschaft in Madrid abgefangen worden sei.

Spanien hat die Ukraine seit Beginn von Russlands Angriffskrieg unterstützt, insbesondere militärisch. Daneben hat Spanien angesichts der russischen Attacken auf die Energie-Infrastruktur zuletzt auch Stromgeneratoren in die Ukraine geliefert.

Der ukrainische Botschafter in Spanien, Serhij Phorelzew, schien Russland für die Briefbombe verantwortlich machen zu wollen. „Wir kennen die Methoden des Aggressor-Landes ziemlich gut“, sagte er im spanischen Fernsehen. Russlands Botschaft wies die Vorwürfe am Donnerstag jedoch zurück. „Jede Drohung oder jeder Terrorakt, insbesondere solche, die auf eine diplomatische Vertretung zielen, sind auf das Schärfste zu verurteilen“, hieß es in einer Mitteilung.

(kj/dpa/afp)
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