Prozess gegen norwegischen Massenmörder: Breivik verlangt Freispruch oder Todesstrafe

Prozess gegen norwegischen Massenmörder : Breivik verlangt Freispruch oder Todesstrafe

Der norwegische Massenmörder Anders Behring Breivik hält eine langjährige Gefängnisstrafe für seine Taten für "erbärmlich". Es könne nur zwei gerechte Urteile geben: Freispruch oder Todesstrafe. Außerdem würden dem Land weitere Anschläge drohen.

"Ich will die Todesstrafe nicht, aber ich hätte das Urteil respektiert", sagte Breivik am Mittwoch bei seiner Befragung vor dem Gericht in Oslo. "Nach meiner Ansicht ist eine 21-jährige Haftstrafe eine erbärmliche Strafe."

Norwegen drohen nach den Worten Breiviks jederzeit weitere Anschläge. Zwei weitere "Zellen" seien zu Anschlägen bereit, erklärte Breivik am dritten Tag seines Prozesses in Oslo. Auf Druck der Staatsanwaltschaft äußerte sich Breivik auch zu der angeblich von ihm mitbegründeten Tempelritterorganisation.

Auf die Frage von Staatsanwältin Inga Bejer Engh, ob die Norweger weitere Attacken dieser "Zellen" zu befürchten hätten, antwortete Breivik mit "ja". Bereits am Dienstag hatte der 33-Jährige vor Gericht auf weitere angeblich existierende "Zellen" verwiesen: Er sei ein "Kommandeur", der "lose Verbindungen" mit zwei weiteren unabhängigen Ein-Mann-Zellen unterhalte.

Breivik hatte in der Vergangenheit in seinem im Internet veröffentlichten 1500 Seiten starken Manifest erklärt, Mitglied einer Tempelritterorganisation zu sein, die er im Frühjahr 2002 mit drei Verbündeten in London gegründet haben will. Der norwegische Geheimdienst hat jedoch keine Hinweise auf die Existenz einer solchen Organisation.

"Heldenhafte Akte"

Das Wesen des Netzwerks sei es, "heldenhafte Akte" auszuführen, sagte Breivik am Mittwoch. Der Tempelritterorden bestehe aus "individuellen und autonomen Zellen", die unabhängig voneinander handelten, erklärte er nach mehrmaligem Beharren der Staatsanwältin Engh auf Antworten zu ihren Fragen nach Breiviks Kontakt zu anderen Nationalisten. Die Organisation habe zum Ziel, "alle Nationalisten Europas zu vereinen", sagte er. Diese hätten seit dem Zweiten Weltkrieg das Problem, dass es "keine Vorbilder gibt, denen sie folgen können".

Breivik warf der Staatsanwältin vor, mit der Art ihrer Beweisführung und Befragung "Zweifel streuen zu wollen, dass das Netzwerk existiert". Zu anderen Mitgliedern der ominösen Organisation wollte er sich nicht äußern. "Ich werde keine Informationen geben, die zu weiteren Festnahmen führen können", sagte er. Er gab lediglich an, 2001 im Internet "zufällig" jemanden aus dem Ausland getroffen zu haben, der den Anstoß zur Gründung der Gruppe gegeben habe.

In Liberia will er in dieser Sache zudem einen serbischen Nationalisten getroffen haben. Norwegischen Medienberichten zufolge könnte es sich dabei um einen früheren Polizeichef handeln. Breivik sprach bei der Reise nach Liberia von "physischen und psychologischen Tests" im Rahmen eines Auswahlprozesses. Er wählte nach eigenen Angaben verschiedene "Tarnungen" seiner Person. Bei den Behörden habe er angegeben, für das UN-Kinderhilfswerk UNICEF zu arbeiten, seinen Kontakten in Afrika habe er erzählt, wegen eines Diamantenhandels im Land zu sein.

Der Norweger steht seit Montag unter anderem wegen "Terrorakten" vor Gericht. Er hatte die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utöya mit insgesamt 77 Toten zugegeben, hält sich jedoch für unschuldig und will in Notwehr gehandelt haben. Breivik sieht sich in einem Kampf gegen die seiner Ansicht nach fortschreitende Islamisierung Norwegens.
Er ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Für seine Taten könnte er 21 Jahre ins Gefängnis kommen. Falls ihn das Gericht für geisteskrank erklärt, wird er in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

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(dpa/AFP)