Klimawandel Mehr als 100 tote Delfine im brasilianischen Amazonas angespült

São Paulo · Wahrscheinlich sind hohe Wassertemperaturen der Auslöser für den Tod der Säuger. Auch die Menschen in den armen Ufergemeinden haben mit der Hitze und ihren Auswirkungen zu kämpfen.

Ein Delfin springt aus dem Wasser in der Flensburger Förde. (Symbolbild)

Ein Delfin springt aus dem Wasser in der Flensburger Förde. (Symbolbild)

Foto: dpa/Benjamin Nolte

Mehr als 100 tote Delfine sind im brasilianischen Amazonas-Regenwald angeschwemmt worden. In der Region rund um den Tefé-See seien am Montag zwei weitere tote Tiere gefunden worden, meldete das Mamirauá-Institut, eine Forschungsgruppe des Ministeriums für Wissenschaft. Ein von der Einrichtung veröffentlichtes Video zeigte, wie Geier an den Kadavern der Delfine pickten, die am Ufer lagen. Auch Tausende Fische in der Gegend seien gestorben, hieß es in Berichten von Lokalmedien.

Experten gehen davon aus, dass hohe Wassertemperaturen vermutlich die Ursache für den Tod der Säuger und Fische in der Gegend sind. In der vergangenen Woche wurden in der Region um den Tefé-See über 39 Grad Celsius gemessen. Allein in dem See hätten sich einmal rund 1400 Flussdelfine getummelt, sagte Miriam Marmontel, eine Forscherin am Mamirauá-Institut. In einer Woche habe man jedoch schon rund 120 der Tiere verloren, was fünf bis zehn Prozent der Population ausmachen könnte. Vielen weiteren Delfinen drohe der baldige Tod, wenn die Wassertemperaturen weiter so hoch blieben, warnten die Experten.

Arbeiter bargen seit der vergangenen Woche die Delfinkadaver in einer Region, in der trockene Flüsse auch die verarmten Ufergemeinden in Mitleidenschaft gezogen habe. Der Gouverneur von Amazonas, Wilson Lima, rief am Freitag wegen der Dürre den Notstand aus. Nicson Marreira, Bürgermeister von Tefé, einer Stadt mit 60 000 Einwohnern, sagte, seine Regierung könne keine Lebensmittel direkt an einige abgelegene Gemeinden liefern, weil die Flüsse nicht genug Wasser führten.

„Viele Gemeinden sind isoliert, ohne Zugang zu Wasser guter Qualität und ohne Zugang zum Fluss, der ihr wichtigstes Transportmittel ist“, sagte Ayan Fleischmann vom Mamirauá-Institut. Die Wassertemperaturen seien von 32 Grad am Freitag auf fast 38 Grad am Sonntag gestiegen. Die Ursache für den Tod der Delfine werde noch ermittelt, aber die hohe Temperatur sei wahrscheinlich dafür verantwortlich.

(aku/dpa)