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Brasilien: Bolsonaro erklärt Corona-Krise für „Hysterie“

Unveranwortliches Verhalten : Bolsonaro hält Corona-Krise für „Hysterie“ und „Extremismus“

Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro hat die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus als „Hysterie“ und „Extremismus“ bezeichnet. Hinter der Verbreitung des Virus steckten wirtschaftliche Interessen, man wolle ihm und US-Präsident Donald Trump schaden.

Gegen den Rat seiner Ärzte hatte Bolsonaro zuvor überraschend an einer Demonstration seiner Anhänger gegen den Kongress und das Oberste Gericht teilgenommen. Angesichts der Bemühungen der Behörden zur Eindämmung des Virus sei das Verhalten des Präsidenten unverantwortlich, kritisierende führende Politiker Brasiliens.

Eigentlich sollte Bolsonaro eine Woche lang jeden Kontakt vermeiden, nachdem elf Personen, die an seiner USA-Reise Anfang März teilgenommen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Auch der Bürgermeister von Miami, der die Delegation empfangen hatte, wurde danach positiv getestet. Bolsonaro hatte am Freitag erklärt, sich nicht angesteckt zu haben. Auch US-Präsident Trump, der die Delegation empfangen hatte, ist nach eigenen Angaben gesund.

Entgegen dem Rat von Ärzten und gegen die Anordnungen von Lokalregierungen, die wegen des Coronavirus von Versammlungen abgeraten hatten, kam es am Sonntag in mehreren Großstädten zu Demonstrationen von Bolsonaro-Anhängern. Sie warfen dem Kongress und dem Obersten Gericht vor, korrupt zu sein und Bolsonaros Politik zu blockieren. Dabei wurden auch Forderungen nach dem Eingreifen des Militärs und Schließung der Verfassungsorgane laut.

Ebenfalls am Sonntag wurde in Sozialen Medien ein Video von Edir Macedo verbreitet, dem Gründer der brasilianischen Pfingstgemeinde „Universalkirche vom Königreich Gottes“. Darin bezeichnet er die Ausbreitung des Virus als „Strategie von Satan und der Presse“, um Panik zu verbreiten. Der Kirchengründer äußerte Zweifel, dass das Virus gefährlich sei. Macedo, dessen Kirche in Brasilien Millionen Mitglieder hat und zudem weltweit agiert, gehört zu den Unterstützern Bolsonaros.

(ala/kna)