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Bowe Bergdahl muss wieder in den Militärdienst

Nach fünf Jahren in Taliban-Gefangenschaft : Bowe Bergdahl muss wieder in den Militärdienst

Fünf Jahre wurde er von Taliban-Kämpfern in Afghanistan festgehalten. Erst vor sechs Wochen kam der amerikanische Unteroffizier frei. Als letzter US-Gefangener in Afghanistan war Bowe Bergdahl (28) gegen fünf Taliban-Mitglieder aus dem amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo ausgetauscht worden. Jetzt soll er den Dienst für das US-Militär wieder aufnehmen.

Das berichtet die Zeitung "New York Times". Bergdahl soll eine Stelle auf dem Armeestützpunkt Fort Sam Houston in San Antonio übernehmen. So soll er schnell wieder in die Armee integriert werden. Bereits seit Mitte Juni war der Soldat auf dem Stützpunkt an normale soziale Kontakte gewöhnt worden. Zuvor war er medizinisch im Militärkrankenhaus in Landstuhl behandelt worden.

Zum Kriegshelden machen die Amerikaner ihren letzten Gefangenen aus Afghanistan nicht. Zu laut sind die kritischen Stimmen, die den 28-Jährigen für einen Deserteur halten. Er habe die Truppe freiwillig verlassen und sei so in die Hände der Taliban geraten, berichteten Kameraden. Bereits vor seiner Entführung hatte Bergdahl die Truppe zwei Mal unerlaubt verlassen. Das hatten Armee-Untersuchungen ergeben. Gleichzeitig befürchten Kritiker des Austauschs, dass Präsident Barack Obama damit einen Präzedenzfall geschaffen haben könnte und Amerika künftig als erpressbar gilt.

An der Kritik änderten auch die zuletzt veröffentlichten Einträge aus Bergdahls Tagebuch nichts. Seine Freundin Kim Harrison wollte damit das Bild von ihrem Freund in der amerikanischen Gesellschaft ändern. Die Ausschnitte zeigen einen frustrierten Soldaten, in schlechter psychischer Verfassung. Das Leid in Afghanistan, der Umgang der US-Truppen mit den Einheimischen, die Angriffe — das alles war für Bergdahl offenbar nur schwer oder gar nicht zu ertragen. Jetzt soll er so schnell wie möglich in den Alltag zurückfinden.

(RP)