Boko Haram: Militär befreit 234 Geiseln in Nigeria

Rettungs-Aktion : Militär befreit 234 Boko-Haram-Geiseln in Nigeria

Das nigerianische Militär hat nach eigenen Angaben 234 weitere Mädchen und Frauen aus der Gefangenschaft der Terrorgruppe Boko Haram im Sambisa-Wald befreit. Das gab das Verteidigungsministerium des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes am Samstag auf Twitter bekannt. Die Zahl der offiziell in dieser Woche Geretteten steigt damit auf mehr als 677.

In Nigeria sind nach Angaben des Militärs noch einmal 234 Mädchen und Frauen aus den Händen der Terrorgruppe Boko Haram befreit worden. Das gab das Verteidigungsministerium am Samstag bekannt. Binnen einer Woche sollen damit mehr als 677 Opfer aus dem Sambisa-Wald gerettet worden sein. Doch ist immer noch wenig über die Frauen und Mädchen bekannt. Einige von ihnen sollen selbst an der Seite der Islamisten gekämpft haben oder als menschliche Schutzschilde missbraucht worden sein.

Der scheidende Präsident Goodluck Jonathan bezeichnet den Sambisa-Wald im Bundesstaat Borno gilt als letzte große Hochburg der Terrorgruppe, die seit 2009 im Nordosten des bevölkerungsreichsten afrikanischen Landes für ein Kalifat kämpft. Die Armee hatte das Rückzugsgebiet der Terroristen wochenlang bombardiert und war dann mit Bodentruppen vorgerückt.

Jonathan verspricht, seinem Nachfolger ein Land zu übergeben, das "vollkommen frei von terroristischen Hochburgen" sei. Einige Erfolgsmeldungen der Regierung in der Vergangenheit hatten sich allerdings später als nicht stichhaltig erwiesen.

Im April 2014 hatte Boko Haram unter anderen fast 300 Schulmädchen aus der Stadt Chibok im Nordosten Nigerias entführt, was weltweit für Empörung sorgte. Die Opfer wurden damals in den Sambisa-Wald gebracht. Dutzenden gelang die Flucht, doch 219 der Mädchen gelten weiter als vermisst.

Ob unter den nun befreiten Opfern auch sogenannte Chibok-Mädchen sind, ist weiter unklar. Auch ist nicht bekannt, wie viele Menschen Boko Haram in den vergangenen sechs Jahren insgesamt entführt hat.
Ihrer Gewalt fielen allein 2014 rund 10 000 Menschen zum Opfer, mehr als 1,5 Millionen mussten fliehen.

Nach Angaben des Militärs werden die befreiten Opfer nun untersucht, um festzustellen, woher sie stammen. Am Freitag wurden Fotos von etwa 20 Frauen und Kindern veröffentlicht, die am Dienstag und Donnerstag aus dem Sambisa-Wald geholt worden waren. Die meisten von ihnen scheinen wohlgenährt und gesund. Einige Kinder weisen jedoch Zeichen von Mangel- oder Fehlernährung auf. Einige der Frauen sind nach Angaben von Augenzeugen schwanger.

Nach Einschätzung von Fachleuten indoktrinieren die Islamisten ihre Geiseln und ziehen sie auf ihre Seite, sogar nach erzwungenen Hochzeiten. Vor vier Monaten wurden im Staat Yobe etwa 90 Frauen und Mädchen befreit. Diese schockten ihre Dorfgemeinschaften anschließend mit Aussagen, die Extremisten seien nette Leute, wie ein Betreuer der AP berichtete.

Amnesty International geht von einem tiefen Trauma der Frauen aus.
Einige seien mehrfach vergewaltigt, als Sexsklavinnen verkauft oder zum Kämpfen gezwungen worden, hatte die Menschenrechtsgruppe diese Woche erklärt. Nach ihrer Schätzung hatten die Extremisten seit Anfang 2014 mindestens 2000 Frauen und Mädchen in ihre Gewalt gebracht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mai 2014: Boko Haram führt verschleppte Mädchen vor

(AP)