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Boko Haram fordert in neuem Video Freilassung von Islamisten

Lebenszeichen : Boko Haram führt entführte Mädchen in Video vor

Die Islamistengruppe Boko Haram hat am Montag ein Video veröffentlicht, das angeblich die vor Wochen verschleppten Schulmädchen zeigt. Etwa 130 sind es, die in dem Film beim Beten zu sehen sind. Alle seien zum Islam konvertiert. Der Boko-Haram-Führer stellt Forderungen.

Der Boko-Haram-Führer Abubakar Shekau sagt in dem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Video, die Mädchen seien zum Islam konvertiert. Sie würden nur freikommen, wenn im Gegenzug alle inhaftierten Islamisten der Gruppe freigelassen würden.

In dem 17-minütigen Video sind rund 130 Mädchen mit einem Ganzkörperschleier beim Gebet an einem unbekannten ländlichen Ort zu sehen. Dass es sich tatsächlich um die Entführten handeln könnte, deren Schicksal eine globale Welle der Empörung ausgelöst hat, ist glaubhaft. Alter und Auftreten wirken passend.

Der britische Sender BBC zeigte am Mittag Ausschnitte aus dem Filmmaterial, in dem die Mädchen - in lange, typisch muslimische Gewänder (Hijab) gekleidet - auf dem Boden sitzend gezeigt werden. Sie zitieren dabei offenbar Verse aus dem Koran.

Eine Reaktion von Präsident Goodluck Jonathan gab es zunächst nicht. Beobachtern zufolge ist das Video ein erstes Zeichen dafür, dass die Islamisten zu Verhandlungen mit der Regierung bereit sind.

USA schickt Expertenteam

26 Experten aus den USA helfen der nigerianischen Regierung bei der Suche nach den entführten Mädchen. Darunter seien 17 Mitarbeiter aus dem Verteidigungs- und fünf aus dem Außenministerium sowie vier FBI-Angestellte, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jim Carney.

Kämpfer von Boko Haram hatten Mitte April eine Schule im Nordosten Nigerias überfallen und 276 Schülerinnen verschleppt; 223 werden noch immer vermisst. Vor einer Woche entführte die Gruppe elf weitere Mädchen.

Die USA, Großbritannien und Frankreich schickten inzwischen Polizei- und Militärexperten nach Nigeria, um bei der Suche nach den Mädchen zu helfen. Die nigerianische Regierung war unter starken internationalen Druck geraten, weil sie nur zögerlich auf die Entführung reagiert hatte.

Die radikalislamische Gruppe Boko Haram, die auch als Taliban Nigerias bezeichnet wird, verübt seit 2009 immer wieder Anschläge auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen. Allein in diesem Jahr wurden etwa 1500 Menschen bei Angriffen der Gruppe getötet.

Das ursprüngliche Ziel von Boko Haram, einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias zu errichten, ist angesichts der Gewalt zunehmend in den Hintergrund getreten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mai 2014: Boko Haram führt verschleppte Mädchen vor

(AFP dpa)