Synode in Rom: Bischöfen fehlt der Mut zu Reformen

Synode in Rom : Bischöfen fehlt der Mut zu Reformen

Die Bischofssynode in Rom hat sich zu einem vorsichtigen Kompromiss in zentralen Fragen durchgerungen: Beim Umgang mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen und mit der Wiederzulassung von wiederverheiraten Geschiedenen zur Kommunion.

Es war ein sprechendes Bild, als die Synodenväter am Sonntag in Reih' und Glied aus dem Petersdom zur Seligsprechung Papst Pauls VI. schritten. Erst kamen die Bischöfe, dann die Kardinäle, und am Ende erschien auch Franziskus mit der Mitra und dem Petrusstab. Er begrüßte den ebenfalls anwesenden emeritierten Benedikt XVI. Weil jeder der Bischöfe erst seinen Sitzplatz finden musste, war der Zug der Synodenväter immer wieder zum Stehen gekommen.

Der am Sonntag von Franziskus vor 70.000 Menschen auf dem Petersplatz selig gesprochene und wegen seines "Pillen-Verbots" umstrittene Paul VI. hatte die Synode als Beratungsinstrument eingerichtet. Wörtlich bedeutet Synode "gemeinsamer Weg".

Und so wirkte der Einzug der Synodenväter wie eine anschauliche Demonstration dessen, was sich in den vergangenen zwei Wochen bei ihrer außerordentlichen Versammlung zum Thema Familie im Vatikan zugetragen hatte. Sie sind gemeinsam auf einem Weg nach vorne, müssen aber immer wieder bremsen. "Zwei Schritte nach vorne, einer zurück", so hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, das Ergebnis der Beratungen zusammengefasst.

Auch Benedikt VXI. war zu der Seligsprechung erschienen. Foto: dpa, so bjw

Wie sehr sich die katholische Kirche bei der Versammlung in den vergangenen zwei Wochen tatsächlich geöffnet hat, ist umstritten. "Für jeden reformfreudigen Bischof gibt es einen, der Angst vor der Abkehr von der Tradition hat", kommentierte der Boston Globe. Franziskus hatte in einer Schlussansprache vor den Bischöfen am Samstagabend erneut eine offene, barmherzige und nicht selbstreferentielle Kirche gefordert.

Der Abschlussbericht der Synode, der keine verbindliche Wirkung hat, war mit Spannung erwartet worden, da sich zahlreiche Bischöfe im Lauf der Versammlung zum Beispiel für einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität ausgesprochen hatten. In einem Zwischenbericht war zu lesen, Homosexuelle hätten "Gaben und Qualitäten, die wertvoll für die christliche Gemeinschaft sein können".

Von diesen Worten blieb im Schlussdokument nichts übrig. Dort wird nun der im Jahr 2003 von der Glaubenskongregation unter Joseph Kardinal Ratzinger verabschiedete Katechismus zitiert, in dem es heißt, es gebe "kein Fundament, auch nur entfernte Analogien zwischen homosexuellen Partnerschaften und dem Plan Gottes zu Ehe und Familie" zu tätigen. Homosexuellen müsste allerdings mit "Respekt und Feingefühl" begegnet werden, sie dürften nicht diskriminiert werden.

Papst Paul VI. vollendete das Zweite Vatikanische Konzil. Foto: dpa, mrl bjw

Konservative Kardinäle und Bischöfe hatten auf wesentliche Änderungen im Abschlussbericht gedrungen und damit offensichtlich auch Erfolg. Berichte darüber, Benedikt XVI. sei bei einem Privatbesuch in seinem Kloster im Vatikan von einigen Traditionalisten um Hilfe zur Rettung der katholischen Morallehre gerufen worden, wurden nicht bestätigt. Der emeritierte Papst hatte sich in der Vergangenheit mehrfach explizit und demonstrativ dem Lehramt des amtierenden Papstes unterstellt.

Bislang galt bei Synoden die Regel, die gemeinsamen Stellungnahmen müssten mindestens mit einer Zweidrittel-Mehrheit verabschiedet werden, um einen breiten Konsens unter den Bischöfen herzustellen und offensichtliche Spaltungen zu vermeiden.

Von diesem Prinzip wurde diesmal teilweise Abstand genommen. Drei Absätze der 62 Punkte umfassenden Abschlusserklärung erreichten nur eine absolute Mehrheit. Bei den umstrittenen Textstellen handelte es sich um die Frage der Öffnung gegenüber Homosexuellen und um die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion. Hier sind die Bischöfe also keineswegs einer Meinung.

Mehrere der rund 190 Synodenteilnehmer bezeichneten das Papier als ein "Kompromiss-Dokument". Papst Franziskus hatte sich am Samstag in einer Schlussansprache an die Synodenväter gewendet und dabei auch "Momente der Betrübnis, der Spannung und der Versuchung" erwähnt. Er mahnte "Traditionalisten" sowie "Progressisten", sich als Hüter und nicht als Besitzer des Glaubens zu verhalten.

Der außerordentlichen Synode folgt im Oktober 2015 eine ordentliche Synode, bei der die aufgeworfenen Fragen weiter diskutiert werden sollen. Am Ende des Prozesses wird erwartet, dass Franziskus in einem verbindlichen Lehrschreiben antwortet. "Wir haben noch ein Jahr, um zu arbeiten", sagte der Papst in seiner Rede.

(RP)
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