Bill de Blasio nach Polizistenmord unter Druck: "An vielen Händen Blut"

New Yorks Bürgermeister nach Polizistenmord unter Druck : "Heute Nacht klebt an vielen Händen Blut"

Der Doppelmord glich einer Hinrichtung. Nach dem Tod zweier Polizisten in New York gerät nun Bürgermeister Bill de Blasio unter Druck. Polizisten drehten ihm bei einem öffentlichen Termin demonstrativ den Rücken zu. Sie wollen ihn für den Tod ihrer Kollegen zur Rechenschaft ziehen.

New Yorker Medien sprechen bereits von einem Krieg. Zwischen den Cops von New York und dem demokratischen Bürgermeister besteht schon seit längerem eine Kluft. Nachdem zwei Kollegen durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet wurden, eskaliert die Situation.

"Heute Nacht klebt an vielen Händen Blut", erklärte der Präsident der Polizeigewerkschaft, Patrick Lynch, nach dem Attentat. "Das Blut geht von den Stufen des Rathauses aus, vom Büro unseres Bürgermeisters". Nach der Beerdigung der beiden Opfer soll abgerechnet werden. "Dann werden sich die Verantwortlichen stellen müssen", kündigte Lynch an.

In Videos ist zu sehen, wie Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft dem Stadtoberen vor dessen Pressekonferenz in Brooklyn demonstrativ den Rücken zuwenden. Das Signal könnte eindeutiger nicht sein: Dies ist nicht unser Bürgermeister, demonstrieren die Ordnungshüter damit New York, Amerika und der Welt.

De Blasio hat schon zuvor den Zorn der Polizisten auf sich gezogen. Mehrfach hat er sich kritisch über das NY Police Department und sein Auftreten geäußert. Insbesondere seine Äußerungen im Zusammenhang mit dem Todesfall von Eric Garner tragen ihm die Polizisten nach.

Nachdem der Schwarze augenscheinlich durch den Würgegriff von Polizeibeamten erstickt war, kam es im ganzen Land zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. De Blasio hatte strikte Reformen angekündigt. Polizeibeamte sollten künftig Kameras an der Uniform tragen, um bei ihren Einsätzen überwacht und später möglicherweise zur Rechenschaft gezogen zu werden.

De Blasio, der mit einer Afroamerikanerin verheiratet ist und zwei Kinder hat, hatte kürzlich sogar zugegeben, dass er seinen eigenen Sohn zur Vorsicht vor der Polizei geraten habe.

Sein Geständnis wurde von einigen Gewerkschaftlern als Aufruf zur Furcht vor New Yorks Ordnungshütern interpretiert. Deren Chef Lynch warf de Blasio vor, mit seiner Kritik an der Polizei die "als Proteste getarnte Gewalt auf den Straßen" auch noch angeheizt zu haben.

Auch der ehemalige New Yorker Gouverneur George Pataki erhob Vorwürfe: De Blasio habe das Leben der Polizisten in Gefahr gebracht, weil er die Proteste gegen Polizeigewalt in den letzten Wochen unterstützt habe, schrieb er auf Twitter.

Sickened by these barbaric acts, which sadly are a predictable outcome of divisive anti-cop rhetoric of #ericholder & #mayordeblasio. #NYPD

Die New Yorker Ordnungshüter verteidigen ihr hartes Vorgehen hingegen als erfolgreich. In diesem Jahr gab es rund 300 Opfer von Mord und Totschlag. Das sei der niedrigste Stand seit mehr als 20 Jahren, rechnete die "New York Times" am Sonntag vor.

Der Präsident des Stadtbezirks Brooklyn, Eric Adams, äußerte gegenüber dem Blatt seine Sorge, dass der Anschlag auf die beiden Beamten die Kampagne gegen Polizeigewalt beflecken werde. "Es ist furchtbar, absichtlich einen Polizisten zu erschießen. Das ist die falsche Botschaft", klagte Adams. "Und es ist alles andere als das, was diejenigen im Sinn haben, die über Reform sprechen."

In New York gedachten am Sonntagabend Hunderte Menschen der Opfer des Polizistenmörders. Im Bezirk Brooklyn versammelten sie sich die Menschen zu einer stillen Andacht.

Ein 28-jähriger Afroamerikaner hatte am Samstag in Brooklyn zwei hellhäutige Polizisten mit Kopfschüssen getötet - einer war asiatischer, der andere lateinamerikanischer Herkunft.

Anschließend erschoss sich der Täter in einer U-Bahn-Station. Es war zunächst unklar, ob die Tat in Zusammenhang mit den jüngsten Protesten gegen Polizeigewalt in den USA steht.

Nach Angaben des obersten Ermittlers der Polizei in New York, Robert Boyce, war der Täter polizeibekannt. Der 28-Jährige sei 19 Mal festgenommen worden, sagte Boyce am Sonntag. Medienberichten zufolge wurden ihm etwa im US-Bundesstaat Georgia illegaler Waffenbesitz und Diebstahl vorgeworfen.

In einem Telefonat mit dem New Yorker Polizeichef kondolierte US-Präsident Barack Obama der Polizei, wie die Zeitung "USA Today" am späten Sonntagabend schrieb. Er rief die Bürger auf, Gewalt abzulehnen und mit Gebeten, Gesprächen und Beileidsbekundungen für die Freunde und Angehörigen der Opfer auf die Tat zu reagieren.

Zuvor hatte sich Obama bereits aus seinem Weihnachtsurlaub in Hawaii gemeldet: "Beamten, die unseren Gemeinden dienen und sie beschützen, riskieren für uns jeden Tag ihre Sicherheit." Dafür verdienten sie Respekt und Dankbarkeit, sagte der US-Präsident.

Ermittler Boyce zufolge hatte der 28-jährige Täter in sozialen Netzwerken Drohungen gegen die Polizei hinterlassen und sich wütend über die Tode von zwei Schwarzen bei Polizeieinsätzen geäußert. Auch ein Video mit einer brennenden US-Fahne soll er veröffentlicht haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Doppelter Polizistenmord in New York

(dpa)
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