Nager-Plage in Osteuropa: Biber tötet Mann in Weißrussland

Nager-Plage in Osteuropa : Biber tötet Mann in Weißrussland

Der Fischer wollte eigentlich nur ein Foto von sich und dem Biber machen lassen. Daraufhin griff das Tier ihn an, biss ihn mehrere Male, darunter auch in eine Arterie im Bein. Der 60-Jährige verblutete.

Es war das erste Mal, dass in Weißrussland ein Biber einen Menschen tötete. Aber Konflikte zwischen den Nagetieren und Menschen häufen sich: Der Biber, früher einmal vom Aussterben bedroht, breitet sich in der früheren Sowjetrepublik mittlerweile immer mehr aus.

Das Opfer war zusammen mit Freunden auf dem Weg zum See Schestakowskoje westlich der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Die Gruppe sah den Biber am Straßenrand und hielt an. Dann ereignete sich der tragische Vorfall. Die Blutung war nicht zu stoppen. Als der Mann im Krankenhaus in Ostrometschewo eingeliefert wurde, war er bereits tot. "Die Art der Verletzung hat uns Ärzte schockiert", sagt Leonti Sulim, Mediziner an der örtlichen Klinik. "So etwas war uns noch nie über den Weg gelaufen." Der Vorfall ereignete sich bereits im April.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Biber in Weißrussland verdreifacht; sie wird inzwischen auf 80.000 geschätzt. Dazu beigetragen haben Jagdverbote beziehungsweise -beschränkungen und die Tatsache, dass neue Biberarten eingeführt wurden. Weil sich der Lebensraum für die Tiere nun verkleinert, sind immer mehr auf der Suche nach einem neuen Revier - und kommen von Menschen bewohnten Gebieten dabei oft gefährlich nahe.

Nach Angaben des weißrussischen Rettungsdienstes gab es in diesem Jahr erstmals Berichte über Angriffe von Bibern, die mehr als 30 Kilogramm schwer sind und - aufrecht stehend - etwa einen Meter groß. Zum Teil hätten die Behörden ganze Mannschaften ausgesandt, um die Tiere von bestimmten Plätzen zu vertreiben. Oft wurden sie dazu aus Schläuchen mit Wasser bespritzt.

Die relativ große Zahl von Biberangriffen in den vergangenen Monaten erklären Wildtierexperten zum einen damit, dass viele Jungtiere derzeit unterwegs seien, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Zum anderen seien Biber Nachttiere, hätten also tagsüber Schwierigkeiten zu sehen - und griffen womöglich aus Orientierungslosigkeit und Furcht vermehrt an, wie der Experte Wiktor Koslowski sagt. Nach seinen Worten richten die Nagetiere inzwischen erhebliche Schäden in Wäldern und auf landwirtschaftlich betriebenen Flächen an.

Das Fortministerium in Minsk beginnt deshalb nach eigenen Angaben damit, zur Jagd auf die Pelztiere aufzurufen. Viel verspricht man sich davon allerdings nicht - zu einfach ist es mittlerweile, Biber zu entdecken und zu schießen. Für Jäger sei es keine Herausforderung, sagt Ministeriumssprecher Alexander Kosores. "Biber zu jagen ist eher so etwas wie ein Job."

(ap/felt)
Mehr von RP ONLINE