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Beirut: Neuer Großbrand am Hafen gelöscht - Hilfsgüter zerstört

Wenige Wochen nach Explosion : Neuer Großbrand am Hafen von Beirut gelöscht - unzählige Hilfsgüter zerstört

Fünf Wochen nach der verheerenden Brandkatastrophe ist der erneute Großbrand am Hafen von Beirut nach vielen Stunden gelöscht worden. Unzählige Hilfsgüter wurden durch das Feuer zerstört.

Mehr als einen Monat nach der verheerenden Explosion in Beirut hat ein neuer Großbrand im Hafen die libanesische Hauptstadt in Angst und Schrecken versetzt. Viele Menschen fühlten sich an die Katastrophe Anfang August erinnert. Nach stundenlangem Kampf gegen die Flammen haben die Einsatzkräfte den neuen Großbrand gelöscht. Über den Ruinen des vor fünf Wochen nahezu völlig zerstörten Hafengeländes standen am Freitag weiter riesige Rauchwolken von dem neuen Feuer, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Durch dieses wurde eine bisher unbekannte Menge an Hilfsgütern zerstört.

Das Feuer war am Donnerstag in einem Lagerhaus des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ausgebrochen. In ihm befanden sich nach Angaben der Organisation „tausende Lebensmittelpakete und eine halbe Million Liter Öl“. Da diese nun zerstört seien, werde es „Einschränkungen bei der humanitären Hilfe sowohl im Libanon als auch in Syrien geben“.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Insane fire at the port, causing a panic all across <a href="https://twitter.com/hashtag/Beirut?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Beirut</a>. We just can’t catch a break. <a href="https://t.co/PtdHehPlz0">pic.twitter.com/PtdHehPlz0</a></p>&mdash; Aya Majzoub (@Aya_Majzoub) <a href="https://twitter.com/Aya_Majzoub/status/1304004574286688257?ref_src=twsrc%5Etfw">September 10, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die Ursache des Brandes war zunächst unklar. Präsident Michel Aoun sagte, das Feuer könne das Resultat eines "vorsätzlichen Sabotageaktes, das Ergebnis eines technischen Fehlers, Unwissenheit oder Nachlässigkeit" gewesen sein. In jedem Fall müsse die Ursache so schnell wie möglich bekanntgegeben und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.

Die Staatsanwaltschaft habe "alle Sicherheitsbehörden beauftragt, die notwendigen Untersuchungen zur Ermittlung der Brandursache einzuleiten", erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Justizkreisen.

Nach Armeeangaben kamen Löschhubschrauber zum Einsatz, dennoch war das Feuer bis zum Abend noch nicht gänzlich gelöscht. Zuvor hatte die Zivilschutzbehörde erklärt, dass das Löschen des Feuers wegen der Mischung aus brennendem Gummi und Öl noch dauern könne. "Entflammbare Materialien wie diese benötigen Zeit, um vollständig gelöscht zu werden", sagte Raymond Chattar, der Chef der Zivilschutzbehörde.

Die Behörden hatten die Anwohner aufgefordert, die umliegenden Viertel zu verlassen. Ein Mensch wurde mit Rauchvergiftung behandelt. Die Umweltorganisation Greenpeace warnte die Menschen in der Umgebung vor giftigem Rauch.

Da sich in dem Lagerhaus "Tausende von Lebensmittelpaketen und eine halbe Million Liter Öl" befunden haben sollen, fürchtete der IKRK-Regionaldirektor Fabrizio Carboni den Zusammenbruch der humanitären Hilfe in Beirut. Das Ausmaß des Schadens müsse jedoch erst noch festgestellt werden.

Augenzeugen berichteten, Menschen in den Vierteln um den Hafen seien in Panik geflohen. „Alle Menschen sind sofort abgehauen“, sagte ein Mann dem libanesischen Sender LBCI. „Sie haben Angst, Beirut ist sehr müde. Wir können so etwas nicht mehr ertragen.“ Auf einem Video in den sozialen Medien war zu sehen, wie Arbeiter aus dem Hafen rannten.

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mehr als 190 Menschen getötet und mehr als 6000 verletzt worden. Große Teile des Hafens und umliegender Viertel wurden völlig zerstört. Betroffen waren vor allem die Stadtteile, die für ihre historischen Gebäude, aber auch für ihre Restaurants, Bars und kulturelle Einrichtungen bekannt sind. Dort gibt es praktisch kein Haus, das nicht beschädigt wurde. Bis zu 300.000 Menschen haben ihre Wohnungen verloren.

Ausgelöst worden sein soll die damalige Explosion durch große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat, die der Regierung zufolge über Jahre ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen lagerten. Auch damals brach zunächst ein Feuer aus, bevor es zu der Explosion kam.

Das neue Feuer war bereits der zweite Brand im Hafen nach der verheerenden Explosion. Anfang der Woche waren dort nach Angaben der Armee Müll, Holzreste und alte Reifen in Flammen aufgegangen.

Der Libanon erlebt seit Monaten eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Corona-Pandemie und die Explosion haben die Lage verschärft. Viele Menschen sind in Armut abgerutscht. In den vergangenen Wochen kam es zugleich zu Protesten gegen die politische Elite, die viele Libanesen für die Krise verantwortlich machen.

(peng/hebu/dpa/AFP)