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Bauernproteste am Tag der Republik in Neu Delhi

Indien : Bauernproteste am Tag der Republik in Neu Delhi

Zehntausende demonstrieren in der Hauptstadt, während zugleich eine Militärparade und ein festlicher Umzug stattfinden. Die Bauern protestieren in dem Land seit einiger Zeit.

Zehntausende Bauern haben am Dienstag erneut ihren Protest gegen Agrargesetze der indischen Regierung in die Hauptstadt Neu Delhi getragen. Mit Traktoren und zu Fuß zogen sie am Tag der Republik, einem Nationalfeiertag, stadteinwärts, durchbrachen Polizeiabsperrungen, trotzten Tränengas und Wasserwerfern und stürmten das historische Rote Fort in Delhi. Dort hissten sie Fahnen des Bauernverbandes. Die Behörden blockierten einige Straßen mit schweren Lastwagen. Im Zentrum beobachtete Ministerpräsident Narendra Modi eine Militärparade und einen Umzug, der die kulturelle Vielfalt repräsentieren sollte.

Die Proteste begannen im September, als das Parlament Gesetze verabschiedete, die Investitionen in den Agrarsektor und die Produktion fördern und erhöhen sollen. Viele Bauern sehen dadurch aber ihre Existenz gefährdet. Die Regierung hat Änderungen an den Gesetzen angeboten, die Bauern fordern aber deren völlige Aufhebung.

„Wir wollen Modi unsere Stärke zeigen“, sagte ein Demonstrant, Satpal Singh, als er mit seinem Traktor und fünf Familienmitgliedern stadteinwärts fuhr. „Wir werden nicht aufgeben.“ Ein anderer Bauer, Manjeet Singh, ergänzte: „Wir machen, was wir wollen. Man kann seine Gesetze nicht den Armen aufzwingen.“

Im November war eine Bauerndemonstration von der Polizei gestoppt worden. Seitdem kampieren viele Bauern am Rand der Hauptstadt. Eine weitere Demonstration ist am 1. Februar geplant, wenn der neue Staatshaushalt präsentiert wird.

Am Tag der Republik finden Militärparaden und Umzüge statt, bei der die kulturelle Vielfalt Indiens gefeiert wird. Er erinnert an das Inkrafttreten der Verfassung des unabhängigen Indiens am 16. Januar 1950.

Von der Landwirtschaft leben mehr als die Hälfte der 1,4 Milliarden Menschen in Indien. Der Anteil der Bauern an der Wirtschaftsleistung ist aber in den vergangenen drei Jahrzehnten kontinuierlich gesunken. Einst trugen sie ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts bei, jetzt sind es nur noch 15 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Bauern sind verschuldet. Der Agrarexperte Devinder Sharma sagt, die Bauern wendeten sich nicht nur gegen die neuen Agrargesetze, sondern „das gesamte wirtschaftliche Design des Landes“. „Die Wut, die Sie sehen, ist angestaute Wut. Die Ungleichheit nimmt zu und die Bauern werden ärmer. Politikplaner haben es versäumt, das zu erkennen, und haben Einkommen von unten nach ober gesaugt. Die Bauern fordern nur, was ihnen zusteht.“

(june/dpa)