Barack Obama kennt sich aus: "Kiffen nicht schädlicher als Alkohol"

"Kiffen nicht schädlicher als Alkohol" : Marihuana-Obama kennt sich aus

US-Präsident Barack Obama hält Marihuana für eine weniger gefährliche Droge als Alkohol. Der Mann sollte wissen, wovon er spricht, schließlich hat er eine beachtliche Vergangenheit als Kiffer. Nun diskutiert nicht nur Amerika: Hat der Präsident etwa recht?

Pressemitteilung des Flughafens von Colorado Springs: Dort stehen neuerdings spezielle Abfalleimer. Für Marihuana. Im Bundesstaat Colorado ist die Droge für den privaten Gebrauch zwar legal, nicht jedoch auf dem Flughafengelände.

Die kleine Anekdote wirft ein Licht auf den aktuellen Stellenwert von Cannabis in der US-amerikanischen Gesellschaft. In bereits zwei Bundesstaaten ist das Kiffen legal. Auf Colorado soll in Kürze Washington folgen. In Volksabstimmung votierten in beiden Staaten die Bürger für die Legalisierung. Nach der gesetzlichen Freigabe am 1. Januar feierten Cannabis-Aktivisten, die jahrelang für die Freigabe gekämpft hatten, mit ausschweifenden "Pot-Partys".

Auch Marihuana spaltet das Land

Mit Obama äußert sich nun ein US-Präsident so freundlich über die Hanfdroge wie noch kein anderer zuvor. Zwar relativierte er nach Kräften, beschrieb das Kiffen als "schlechte Angewohnheit und eine Untugend, nicht anders als Zigaretten" und ungesund. Aber am Ende stand die Aussage: "Ich glaube nicht, dass es gefährlicher als Alkohol ist." So etwas aus dem Mund von Frau Merkel — undenkbar.

Freilich sind die USA auch in der Frage der Legalisierung von Marihuana ein gespaltenes Land. In knapp der Hälfte der Bundesstaaten ist der Gebrauch von Cannabis unter Strafe verboten. In den anderen wird es in verschiedenen Abstufungen geduldet, meist mit einer Zulassung für den medizinischen Gebrauch.

Obama war Mitglied der "Choom Gang"

In der Öffentlichkeit erfährt Obama daher wenig überraschend Zuspruch, muss sich aber auch scharfe Kritik anhören. Ein Kommentator der "Washington Post" rügte seine Worte als gefährlich, Liberate Texas warnte vor der Legalisierung von Pot als "Kuss des Todes" der demokratische Politiker Patrick Kennedy empfahl dem Präsidenten dringend ein Gespräch mit seiner Gesundheitsbehörde. Das Marihuana heutiger Tage sei mit dem aus Obamas Zeiten nicht zu vergleichen.

Kennedy spielte damit auf Obama Vergangenheit als leidenschaftlicher Kiffer an. Dass Obama früher selbst ein Freund der jetzt so heiß diskutierten Droge war, daraus hat er nie ein Geheimnis gemacht. Eine Biographie hat die Ausschweifungen des heutigen Präsidenten genüsslich ausgebreitet: Damals sei Obama Mitglied der "Choom Gang" gewesen - und habe dort einige Trends im Haschisch-Rauchen gesetzt.

Präsident mit Psychose?

So sei Obama etwa für die Methode "total absorption", kurz "TA", bekanntgewesen, bei der es darum ging, den Rauch vollständig einzusaugen. Auch für seine "Unterbrechungen" sei Obama berüchtigt gewesen: Kreiste ein Joint, soll "Barry", wie er damals gerufen wurde, manchmal dazwischen gegangen sein und einen zusätzlichen Zug genommen haben. Beliebt sei bei der "Choom Gang" auch das Kiffen im Auto, bei geschlossenen Fenstern, gewesen.

Allzu schwer geschadet hat das Obama allem Anschein nach nicht, Zumindest ist dem US-Präsidenten in öffentlichen Auftritten keine nachhaltige psychische Störung oder ein dramatischer Intelligenzverlust anzumerken. Vor solchen Folgen warnen Mediziner in der Regel, wenn es ums Kiffen geht. Zudem gelten vor allem Jugendliche als gefährdet. Wissenschaftler und Ärzte warnen vor einem doppelt so hohen Psychose-Risiko, Krebs und Hirnstörungen.

Auf die Dosis kommt es an

Ist damit die Aussage Obamas Unfug? Die Auswirkungen von Marihuana und Alkohol miteinander zu vergleichen, stürzt seriöse Mediziner in Nöte, da letztlich immer mehrere Faktoren zusammenspielen. Neben der körperlichen Verfassung ist das insbesondere die Dosis des Gifts, die sich die Konsumenten einverleiben.

Dass aber Alkohol schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen und schnell abhängig macht, darauf weisen Experten schon seit Jahren hin. Alkohol sei ein Suchtmittel und ein Zellgift, warnt etwa die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Zu den häufigsten Folgen zählen Leberzirrhose, Schädigungen des Gehirns sowie Herzmuskel- und Krebserkrankungen wie Leber-, Mund- und Speiseröhrenkrebs.

Insofern tut Obama sicher gut daran, wenn er seinen Töchtern generell von Drogen abrät.

(pst)
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