Friedensverhandlungen zwischen Taliban und USA laufen: Autobombenangriff in der Nähe einer Ausländersiedlung in Kabul

Friedensverhandlungen zwischen Taliban und USA laufen : Autobombenangriff in der Nähe einer Ausländersiedlung in Kabul

Der US-Sondergesandte für Afghanistan hatte gerade von einer „grundsätzlichen“ Einigung mit den Taliban gesprochen, da wurde Kabul von einer massiven Explosion erschüttert. In der Nähe eines scharf bewachten Geländes für Ausländer explodierte eine Autobombe.

In der afghanischen Hauptstadt Kabul ist am späten Montagabend nach offiziellen Angaben eine Autobombe in der Nähe des „Green Village“ für Ausländer detoniert. Die heftige Explosion war nach Angaben von Reportern der Deutschen Presse-Agentur in weiten Teilen der Stadt zu hören. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Auf dem scharf bewachten Wohngelände mit Büros für Ausländer sind unter anderem mehrere internationale Nichtregierungsorganisationen untergebracht, darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Durch die Autobombe sei auch eine Tankstelle in der Umgebung explodiert und in Brand geraten.

Gerüchte über Gefechte innerhalb des „Green Village“ seien nicht korrekt, hieß es aus dem Innenministerium weiter. Sicherheitskräfte hätten das Gebiet weiträumig abgesperrt, Spezialkräfte seien vor Ort. Lokale Journalisten berichteten, auch Gewehrfeuer sei in der Gegend zu hören. Bilder in sozialen Medien zeigten, wie eine große Rauchwolke in den Nachthimmel wuchs. Über Opfer wurde zunächst nichts mitgeteilt.

Das „Green Village“ war in diesem Jahr bereits im Januar Ziel eines Autobombenangriffs. Damals starben vier Menschen, mehr als 100 wurden verletzt. Die radikalislamischen Taliban reklamierten den Angriff für sich.

Erst vor rund zwei Wochen hatte sich ein Selbstmordattentäter im Südwesten Kabuls bei einer Hochzeit in die Luft gesprengt. Dabei kamen mindestens 80 Menschen ums Leben, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu dem Angriff. Anfang August detonierte im Westen Kabuls vor einer Polizeistation eine Autobombe der radikalislamischen Taliban, mindestens 14 Menschen wurden getötet.

Der Angriff in Kabul erfolgt inmitten der laufenden Bemühungen zwischen den Taliban und den USA über eine politische Lösung des fast 18 Jahre dauernden Konflikts in dem zerrütteten Land. Washington spricht seit rund einem Jahr direkt mit Vertretern der Taliban. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Ort für Terroristen werde.

Am Montag hatte der US-Sondergesandte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, kurz vor dem Anschlag dem lokalen TV-Sender ToloNews gesagt, man habe sich mit den Taliban „grundsätzlich“ geeinigt. Diese Einigung sei aber erst endgültig, wenn sich US-Präsident Donald Trump damit einverstanden erkläre.

Vonseiten der Taliban gab es vorerst keinen Kommentar zu Khalilzads Aussagen. Die USA und die Taliban sprechen seit rund einem Jahr direkt über Wege zu Frieden in Afghanistan. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge sowie Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird.

(anst/dpa)