Autobahnbrücke in Genua eingestürzt - 30 Tote in Italien

Suche nach der Ursache : Autobahnbrücke in Genua stürzt ein - viele Menschen sterben

In der italienischen Hafenstadt Genua ist am Dienstag eine vierspurige Autobahnbrücke der A10 teilweise eingestürzt. Berichten zufolge hat es mindestens 30 Tote gegeben.

Bei dem Unglück sind nach jüngsten Angaben mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini sagte, es gebe etwa "30 bestätigte Tote und viele Schwerverletzte". Elf Überlebende seien aus den Trümmern geborgen worden, sagte Genuas Bürgermeister Marco Bucci dem Fernsehsender SkyTG24. Der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Angelo Borrelli sagte, alle Todesopfer seien in herabgestürzten Fahrzeugen gefunden worden.

Genua: Tote bei Einsturz von Autobahnbrücke

Feuerwehren und andere Rettungskräfte aus dem Piemont und der Lombardei seien derzeit im Einsatz, zitiert der Sender RaiNews einen Verantwortlichen der Feuerwehr.

Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli sprach auf Twitter von einer "entsetzlichen Tragödie", nannte aber keine Opferzahl. „Ich beobachte mit größter Besorgnis, was in Genua passiert ist und was wie eine entsetzliche Tragödie aussieht“, twitterte der Fünf-Sterne-Politiker. „Wir stehen in engem Kontakt mit den Autobahnbetreibern und werden mit Vizeminister (Edoardo) Rixi vor Ort sein.“ Er sprach der Stadt Genua seine Anteilnahme aus. Dem Sender TG24 sagte er, Bergungsteams holten gerade eine Leiche aus einem Auto, das an einem zentralen Brückenteil hängen geblieben sei. Es handle sich um den größten derartigen Unfall in Europa seit Jahrzehnten.

Ansa zufolge stürzte die Brücke in mehr als 40 Metern Höhe auf einem Stück von etwa 100 Meter ein. Erste Medienaufnahmen vom Unglücksort zeigten die Brücke in Staubwolken. Der Einsturz habe sich während eines gewaltigen Unwetters ereignet, teilte die Polizei auf Twitter mit. Die Behörden vermuteten nach ersten Angaben der Nachrichtenagentur Ansa, dass der Einsturz durch strukturelle Schwächen am Bau ausgelöst. Zur Zeit gibt es zudem Bauarbeiten an der Brücke.

Es gebe „Dutzende Opfer“, sagte der Leiter der Rettungsstelle der Stadt in den italienischen Medien. Mitarbeiter der Leitstelle bestätigten die Angaben. Vier Schwerverletzte waren demnach bereits auf dem Weg in Krankenhäuser. Angaben aus Kreisen der Ermittler zufolge waren mindestens 20 Fahrzeuge betroffen. „Massenhaft“ Einsatzkräfte seien vor Ort, erklärte die Feuerwehr auf Twitter.

Der Feuerwehr zufolge ereignete sich der Einsturz des Ponte Morandi, der auch als Polcevera-Viadukt bezeichnet wird, am Dienstag gegen 12 Uhr. Der Polcevera-Viadukt, auch Ponte Morandi genannt, ist eine vierspurige Autobahnbrücke in der italienischen Hafenstadt Genua. Sie ist Teil der Autobahn 10 entlang der Riviera. Das 1967 eingeweihte Bauwerk aus Spannbeton führt über das Polcevera-Tal und überquert den gleichnamigen Fluss, Bahnanlagen sowie Wohn- und Gewerbegebiete. Die vom italienischen Ingenieur Riccardo Morandi (1902-1989) entworfene elegante Schrägseilbrücke gilt als ein Meisterwerk der Architektur des 20. Jahrhunderts. Der etwa 1100 Meter lange Viadukt wird von 90 Meter hohen Pylonen - drei davon mit Schrägseilen - gestützt.

Zum Zeitpunkt der Tragödie waren Bauarbeiten an der Brücke im Gange. Wie die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia am Dienstag auf ihrer Homepage mitteilte, sei an der Sohle des Polvecera-Viadukts gerade gearbeitet worden. Auf der Brücke selber habe ein Baukran gestanden. Der Zustand der Brücke sowie der Fortgang der Renovierung seien immer wieder kontrolliert worden. Erst wenn ein gesicherter Zugang zur Unfallstelle möglich sei, könne Näheres über die Ursachen des Einsturzes gesagt werden, teilte das Unternehmen weiter mit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat betroffen auf den Einsturz der Brücke reagiert. "Nach dem schrecklichen Brückeneinsturz sende ich den Menschen in Genua und in Italien meine Anteilnahme", erklärte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag. "Zusammen mit vielen Deutschen bin ich in Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat der italienischen Regierung Hilfe angeboten. "Frankreich ist an der Seite Italiens" und "hält sich bereit, jede notwendige Hilfe zu leisten", schrieb Macron am Dienstag im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Seine Gedanken seien bei den Opfern, den Angehörigen und dem ganzen italienischen Volk, schrieb der Staatschef in seiner auch ins Italienische übersetzten Botschaft.

Lage in NRW

Der Einsturz der Autobahnbrücke in Genua bietet aus Sicht des Düsseldorfer Verkehrsministeriums keinen Anlass für Sonderkontrollen in Nordrhein-Westfalen. Hier gebe es bereits seit Jahren ein intensives engmaschiges Prüfsystem für Brücken, sagte Sprecher Bernhard Meier auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Dazu zählten turnusmäßige Kontrollen, systematische Nachberechnung der Lebensdauer der Brücken, permanente Reparatur-, Sanierungs- und Verstärkungsarbeiten bis hin zu Neubauten wie etwa im Falle der maroden Rheinbrücken Leverkusen und Neuenkamp. Der Landesbetrieb Straßen.NRW ist für über 10.000 Brücken zuständig. Über 1000 Brückenbauwerke sind nach Zahlen des Verkehrsministeriums eingestuft als "vorrangig nachzuprüfen und zu ertüchtigen.

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(felt/mro/mba/AFP/dpa/rtr)
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