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Griechenland: Ausschreitungen bei Protestmarsch in Athen

Griechenland : Ausschreitungen bei Protestmarsch in Athen

Athen (RPO). Am Rande eines Protestmarsches haben Dutzende Jugendliche am Mittwoch in Athen Steine und Brandsätze auf Polizisten geworfen. Die Bereitschaftspolizei ging mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor. Nach Behördenangaben wurden mindestens 49 Menschen festgenommen.

Ein Demonstrant sei in einem Krankenhaus wegen Brandverletzungen behandelt worden. Auch nach dem Ende des Protestzugs kam es weiterhin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Polizeihubschrauber mit Suchscheinwerfern kreisten über dem Stadtzentrum.

20.000 Griechen beteiligt

Mehr als 20.000 Griechen beteiligten sich an dem Protestmarsch in Athen, der an den Studentenaufstand gegen die Militärdiktatur im Jahr 1973 erinnert. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen zogen die Demonstranten vor die US-Botschaft. Bei einer ähnlichen Demonstration in Saloniki gingen rund 12.000 Menschen auf die Straße. Auch in der südgriechischen Stadt Patras sei es zu Zusammenstößen mit Demonstranten gekommen, teilte die Polizei mit.

Insgesamt waren mehr als 6.000 Polizisten in der Innenstadt von Athen im Einsatz, um den Gedenkmarsch zu begleiten. Mehrere Straßen entlang der Marschroute wurden für den Verkehr gesperrt. Angesichts der schweren Wirtschaftskrise des Landes wurde in diesem Jahr auch der von der griechischen Regierung verordnete Sparkurs auf den Bannern der Demonstranten angeprangert. Unter anderem wird der griechische Haushalt vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union überwacht.

Erinnerung an blutigen Studentenaufstand

"Steht auf gegen die IWF-Junta", war auf einem Transparent in Athen zu lesen. "Wir wollen arbeiten - keine Reformen und Arbeitslosigkeit", skandierten Demonstranten.

Mit der jährlichen Demonstration wird an die blutige Niederschlagung eines Aufstands an der polytechnischen Hochschule erinnert. Es wurde nie geklärt, wie viele Tote und Verletzte es damals gab, Schätzungen sprachen von mehreren Dutzend Opfern. Die USA hatten die griechische Militärdiktatur von 1967 bis 1974 unterstützt. Im Umfeld der Gedenkmärsche kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ausschreitungen.

Bereits vor der Demonstration hatte die Polizei den Zugang zu der polytechnischen Hochschule abgeriegelt. Gewalttätige Demonstranten nutzen die Universität häufig als Rückzugsort, weil griechischen Polizisten das Betreten von Universitätsgeländen gesetzlich untersagt ist.

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(apd)