Weltweite Schriftstellerinitiative: Auch Nobelpreisträger zeichnen Petition gegen Überwachung

Weltweite Schriftstellerinitiative : Auch Nobelpreisträger zeichnen Petition gegen Überwachung

Eine weltweite Initiative von Schriftstellern hat vor dem Hintergrund des NSA-Spähskandals einen Aufruf gegen die Überwachung durch Regierungen und Konzerne veröffentlicht.

Die Petition mit dem Titel "Die Demokratie verteidigen im digitalen Zeitalter" erschien am Dienstag in mehr als 30 internationalen Zeitungen. Die Namen der 562 Unterzeichner lesen sich wie ein Who is Who der Literatur. Es unterzeichneten fünf Literatur-Nobelpreisträger, darunter der Deutsche Günter Grass.

In dem zum Internationale Tag der Menschenrechte veröffentlichten Aufruf betonen die Initiatoren das Recht auf die Unverletzlichkeit des Individuums, wozu auch das Recht gehöre, in Gedanken, Privaträumen, Briefen und Gesprächen frei und unbeobachtet zu bleiben. "Dieses existentielle Menschenrecht ist inzwischen null und nichtig, weil Staaten und Konzerne die technologischen Entwicklungen zum Zwecke der Überwachung massiv missbrauchen," heißt es in dem Aufruf. Und weiter: "Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei; und eine Gesellschaft unter ständiger Beobachtung ist keine Demokratie mehr."

Die Initiatoren sprachen von einer bislang einmaligen weltweiten Schriftsteller-Aktion. Zu den Unterzeichnern gehören Bestseller-Autoren wie Umberto Eco, Orhan Pamuk, J.M. Coetzee, Elfriede Jelinek, Günter Grass, T.C. Boyle, Margaret Atwood, Daniel Kehlmann, Henning Mankell, Javier Marias, Björk oder der aus China stammende Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Liao Yiwu. Die Initiative zu dem Aufruf ging unter anderem auf die deutschen Autoren Juli Zeh und Ilija Trojanow zurück.

SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte die Initiative gegen Überwachung in einem Facebook-Eintrag eine "wunderbare und beeindruckende Aktion". Er könne sich nicht erinnern, dass sich Intellektuelle jemals global in dieser Form zusammengeschlossen haben. Gabriel kündigte an, die deutschen Unterzeichner Anfang des Jahres zu einem Gespräch einzuladen. "Ein solcher Aufruf darf in der Politik nicht ungehört bleiben!"

(AFP)
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