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Athen: Offener Rassismus gegen Flüchtlinge nach falschen Anschuldigungen von Arzt

Mediziner sprach von sexuellem Missbrauch : Offener Rassismus gegen Flüchtlinge nach falschen Anschuldigungen von Arzt in Athen

Mit falschen Anschuldigungen nach dem Tod eines syrischen Babys hat ein Arzt in Griechenland offenen Rassismus gegen die Eltern und andere Flüchtlinge ausgelöst. Die Behörden untersuchten am Freitag das Handeln des Mediziners, die Eltern forderten eine offizielle Entschuldigung.

Die elf Monate alte Tochter eines syrischen Flüchtlingspaars litt an Mikrozephalie, die sich unter anderem durch einen vergleichsweise kleinen Kopf äußert. Es wurde von seinen Eltern am Sonntag in ein Krankenhaus in Athen gebracht, war aber schon tot.

„Die Autopsie hat Zeichen von Missbrauch, von sexuellem Missbrauch, ergeben“, berichtete am Montag der zuständige Rechtsmediziner griechischen Medien. „In unserer Arbeit haben wir so etwas noch nie gesehen.“ Der Mediziner gab zugleich zwar an, dass die Todesursache noch unklar sei. Die Polizei nahm dessen ungeachtet die Eltern, in der Hauptstadt lebende Flüchtlinge aus Syrien, sowie ein weiteres syrisches Paar fest. Der Vater musste eine DNA-Probe abgeben.

Erst am Mittwoch wurde dann bei genaueren Untersuchungen festgestellt, dass die von dem Gerichtsmediziner angeführten Verletzungen von Einläufen stammten, die die Eltern als Teil der Behandlung ihres Kindes durchgeführt hatten. Dies hatte die Mutter von Anfang an so im Krankenhaus und bei den Befragungen angegeben.

In der Zwischenzeit hatte der Fall aber schon eine Welle fremdenfeindlicher Äußerungen sowohl von Fernsehkommentatoren als auch von Nachbarn ausgelöst. Unter anderem sagte ein Gast im privaten Sender ANT1: „Wie konnte dieses Monster so etwas machen? Stellen Sie sich vor, welche andere Dinge solche Menschen machen können. Selbst Tiere tun so etwas nicht.“

Angesichts der Anfeindungen verließen die Eltern am Freitag ihre Wohnung, die sie im Rahmen eines Programms für Flüchtlinge angemietet hatten.

(c-st/AFP)