Familie durch Militärdiktatur getrennt: Argentinier sehen sich nach 32 Jahren wieder

Familie durch Militärdiktatur getrennt : Argentinier sehen sich nach 32 Jahren wieder

Buenos Aires (RPO). Erste Begegnung von Vater und Sohn nach mehr als drei Jahrzehnten: Der Argentinier Abel Madariaga musste vor der Geburt seines Kindes während der Militärdiktatur fliehen, hat die Suche nach ihm aber nie aufgegeben. "Ich habe immer gedacht, dass ich ihn finden werde", sagte der 59-Jährige auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires.

Madariaga und seine Frau Silvia Quintela gehörten den Montoneros an, einer linksgerichteten Bewegung, die von den Todesschwadronen der Militärregierung verfolgt wurde. Seine Frau, eine Chirurgin in den Armenvierteln von Buenos Aires, sah er am 17. Januar 1977 zum letzten Mal — sie wurde damals von Armeeoffizieren in Zivilkleidung in ein Auto gestoßen und verschleppt. Um dem gleichen Schicksal zu entgehen, floh Madariaga nach Europa.

Silvia Quintela brachte ihren Sohn in dem besonders berüchtigten Gefängnis Campo de Mayo zur Welt — das Paar hatte zuvor noch gemeinsam den Namen Francisco ausgesucht. Überlebende Mitgefangene sagten später, der kleine Säugling sei der Mutter schon am nächsten Tag weggenommen worden. Bald darauf verschwand Silvia Quintela — eines von rund 30.000 Opfern der Militärdiktatur.

Der kleine Junge wurde von einem Offizier des Militärgeheimdienstes, Victor Alejandro Gallo, zu seiner Frau Ines Susana Colombo gebracht. Sie nannten ihn Alejandro Ramiro Gallo und sagten dem Jungen nie, dass er adoptiert sei. Dennoch wuchsen in dem Knaben die Zweifel an seiner Identität — er fühlte sich in der Familie nie richtig zuhause. Als die Ehe Gallos bereits zerbrochen war, wagte es der junge Mann, die Adoptivmutter nach seiner Herkunft zu fragen. "Sie brach zusammen und konnte mir die Wahrheit sagen."

Am 3. Februar wandte er sich an die Organisation der Großmütter der Plaza de Mayo, die sich für die lückenlose Aufklärung aller Verbrechen der Militärdiktatur einsetzt. Dort war Abel Madariaga nach seiner Rückkehr inzwischen Sekretär geworden und setzte sich bei der Regierung für die Bildung einer DNA-Datenbank zur Familienzusammenführung ein.

In der vergangenen Woche traf das Ergebnis der DNA-Analyse von Madariagas Sohn ein. Vater und Sohn sahen sich am Freitag zum ersten Mal. Und am gleichen Tag wurden Gallo und Colombo wegen illegaler Adoption verhaftet.

"Zum ersten Mal wusste ich, wer ich war, wer ich bin", sagt der junge Mann, der seinen wirklichen Namen erst jetzt erfahren hat: Francisco Madariaga Quintela. Die Großmütter der Plaza de Mayo schätzen, dass während der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 rund 400 Kinder ein gleiches Schicksal erlitten wie der kleine Francisco. Bisher konnten 100 Fälle aufgeklärt werden. "Die eigene Identität zu haben", sagt Francisco Madariaga Quintela, "das ist am allerschönsten."

(apd/spo)