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Amoklauf in Virginia: Nach jedem Massaker nur Rituale, keine Konsequenzen

Kommentar zum Amoklauf in Virginia : Nach jedem Massaker nur Rituale, keine Konsequenzen

Man muss kein Prophet sein, um mit einiger Sicherheit vorherzusagen, was das Blutbad von Virginia Beach an den Schaltstellen Washingtons bewirkt. Nichts, absolut nichts, abgesehen von warmen Worten.

Es gibt „thoughts and prayers“, Gedanken und Gebete. Ein Ritual, das jedem Massaker folgt. Die Demokraten, wenn auch bei weitem nicht alle, nicht die Abgeordneten aus ländlich geprägten Gebieten, werden strengere Gesetze fordern. Sie werden auf ein Verbot halbautomatischer Gewehre drängen, jener Kriegswaffen, die man so leicht erwerben kann, als wären es Spielzeugpistolen. Die Republikaner werden im Einklang mit den Lobbyisten der National Rifle Association NRA betonen, dass allein der Täter das Problem ist, nicht die nahezu unbeschränkte Möglichkeit, Flinten und Pistolen zu kaufen.

Womöglich wird Präsident Donald Trump noch verlangen, die Wachen an öffentlichen Gebäuden zu verstärken. Am Recht auf privaten Waffenbesitz, verankert im zweiten Zusatzartikel der Verfassung, wird er nicht rühren, dazu braucht er die NRA viel zu sehr als Verbündete im nächsten Wahlkampf. Der Kongress wird diskutieren, ohne etwas zu ändern am Status quo. Dann wird die Debatte erlahmen, bis sie - nach dem nächsten Massaker – neu in Fahrt kommt. So bitter es klingt: Was in Virginia Beach geschah, ist traurige Routine. Es dürfte nichts ändern am amerikanischen Waffenwahn. Bis auch konservative Politiker irgendwann den Mut finden, sich von der NRA zu distanzieren.