1. Panorama
  2. Ausland

Amnesty International: Weniger offizielle Hinrichtungen in 2019

Zehn-Jahres-Tiefstand : Amnesty-Bericht meldet für 2019 weniger offizielle Hinrichtungen

Die Zahl der dokumentierten Hinrichtungen ist im vergangenen Jahr gesunken. Doch obwohl es eine positive Entwicklung gibt, ist Amnesty International besorgt: Während einige Länder die Todesstrafe sogar abgeschafft hätten, würde sie in anderen Länder umso öfter vollzogen.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl dokumentierter Hinrichtungen weltweit auf einen Zehn-Jahres-Tiefstand gesunken. 2019 wurden demnach offiziell 657 Menschen in 20 Ländern hingerichtet, fünf Prozent weniger als im Vorjahr, wie am Dienstag aus dem jährlichen Amnesty-Bericht zur Todesstrafe hervorgeht. Negativer Ausreißer nach oben war demnach Saudi-Arabien. Auch im Irak, im Südsudan und im Jemen nahm die Zahl der Hinrichtungen zu. Der Bericht betont zugleich, dass viele Hinrichtungen gar nicht dokumentiert würden, besonders in China.

„Amnesty International beobachtet mit Sorge, dass trotz der weltweit geringeren Zahl von dokumentierten Hinrichtungen einige Länder 2019 mehr Menschen hingerichtet haben: So wurde in Saudi-Arabien die Todesstrafe auch gezielt als Waffe gegen Oppositionelle eingesetzt, und wir mussten im Irak im letzten Jahr eine sprunghafte Zunahme der Hinrichtungen beobachten“, sagte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko.

Die fünf Länder mit den meisten Hinrichtungen im vergangenen Jahr waren demnach China mit vermutlich tausenden Fällen, der Iran mit mindestens 251, Saudi-Arabien mit 184 dokumentierten Hinrichtungen, der Irak mit mindestens 100 Hinrichtungen und Ägypten mit mindestens 32 Fällen.

China wird von Amnesty nicht in die eigentliche Statistik eingeschlossen, da seitens der Regierung keine Zahlen veröffentlicht werden. Die Menschenrechtsorganisation rechnet mit tausenden Exekutionen in der Volksrepublik jährlich.

In Saudi-Arabien wurden mehrheitlich Männer und Ausländer hingerichtet, zumeist wegen Drogendelikten oder Mord. Im April des vergangenen Jahres wurden zudem in einer Massenhinrichtung 32 zuvor in Haft gefolterte Schiiten getötet. Im Iran seien unter den Getöteten viele Minderjährige gewesen. Mangels Daten könne die Zahl der Zahl der Hingerichteten im Iran deutlich höher. Im Irak habe sich ihre Zahl nahezu verdoppelt.

Der CDU-Menschenrechtsexperte Michael Brand beklagte, dass China die Hinrichtungen zum Staatsgeheimnis gemacht habe. Deshalb fordere die Union „nicht nur die sofortige Abschaffung der Todesstrafe, sondern auch die Nennung sämtlicher hingerichteter Opfer in China“.

Die Vorsitzende des Bundestagsmenschenrechtsausschusses, Gyde Jensen (FDP), verlangte von der Bundesregierung, sich für die Abschaffung der Todesstrafe in Ländern wie Saudi-Arabien einzusetzen. „Saudi-Arabien stellt einen traurigen Rekord auf, aktuell darf sich das Land trotzdem mit der G-20-Präsidentschaft schmücken“, sagte Jensen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Auch der Grünen-Politiker Kai Gehring rief zu einer klaren Haltung gegen die Todesstrafe auf. „Ziel muss es bleiben, das Schweigen zu brechen und die grausame Todesstrafe weltweit zu ächten.“

Laut Amnesty wurden im vergangenen Jahr 2.307 neue Todesurteile in 56 Ländern ausgesprochen. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Rückgang um 224. Insgesamt sieht Amnesty eine positive Entwicklung bei der Abschaffung der Todesstrafe. So sei sie in 142 Ländern per Gesetz oder praktisch abgeschafft.

(ala/kna)