Amedy Coulibaly: Nicolas Sarkozy empfing Geiselnehmer im Elysée

Amedy Coulibaly : Sarkozy empfing Geiselnehmer im Elysée

Er ist das dritte Gesicht des Terrors von Paris: Der 32-jährige Amedy Coulibaly tötete am Freitag Geiseln und brüstete sich vor Journalisten damit, in Absprache mit den Attentätern auf "Charlie Hebdo" zu handeln. Sein Wandel ist erstaunlich. Vor fünf Jahren schüttelte er noch Präsident Sarkozy die Hand.

Coulibalys Fahndungsfoto lief am Freitag in allen Nachrichtensendungen: Der 32-Jährige soll zunächst am Donnerstag in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen haben. Am Freitag dann tötete er in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris bei einer Geiselnahme mehrere Menschen.

Über die aktuelle Entwicklung nach den Anschlägen von Paris berichten wir im Live-Blog.

Vor seinem Tod sagte er dem Nachrichtensender BFMTV, er sei Mitglied der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS) und habe seine Taten mit den Kouachi-Brüdern abgestimmt. Das Gespräch gibt es hier im Wortlaut.

"Wir haben uns für den Anfang dieser Operationen abgestimmt. Sie 'Charlie Hebdo', ich die Polizisten", sagte er demnach. Er bekannte sich zum Kalifat, dem Islamischen Staat, der den Nordirak und Teile Syriens heimsucht. Er habe die Geiseln genommen, weil der französische Staat das Kalifat angegriffen habe.

Seine Radikalisierung vollzog sich offensichtlich in den vergangenen fünf Jahren. Geboren wurde Coulibaly in Juvisy-sur-Orge im Süden von Paris als siebtes von insgesamt zehn Kindern - seine Geschwister sind allesamt Schwestern.

Nichts wies auf eine Nähe zum Terror hin. 2008 und 2009 machte er eine Ausbildung in einem Coca-Cola-Werk nahe Paris. In der Zeit wurde er, zusammen mit anderen Auszubildenden, vom damaligen Staatschef Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast empfangen. 27 Jahre war Coulibaly damals.

Die Zeitung "Le Parisien" beschreibt das Treffen zwischen dem späteren Terroristen und dem früheren Staatsoberhaupt. Sarkozy habe damals, an einem Tag im Juli 2009, zehn junge Franzosen empfangen. Es ging um seine Arbeitsmarktpolitik. Coulibaly sprach auch damals mit der Presse. Das Treffen mit Sarkozy beschrieb er als beeindruckend. Ob man ihn möge oder nicht, immerhin sei er der Präsident.

Schon ein Jahr später, 2010, fiel sein Name erstmals in Verbindung mit einem islamistischen Unterfangen: Er war an Plänen beteiligt, einen inhaftierten Islamisten aus dem Gefängnis zu befreien, bei seiner Festnahme wurden bei ihm 240 Kalaschnikow-Patronen gefunden.

Ende 2013 wurde er deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, wegen seiner Zeit in der U-Haft kam er im vergangenen Jahr wieder auf freien Fuß. Während einer seiner Haftstrafen lernte er Chérif Kouachi kennen - und den Islamisten Beghal, der auch auf ihn einen großen Einfluss ausübte.

(AFP)
Mehr von RP ONLINE