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Alan Henning - IS bedroht weitere britische Geisel in Syrien

IS-Geisel : Großbritannien bangt um Alan Henning

Britische Spezialkommandos sollen ihn finden, bevor es zu spät ist: Auch Taxifahrer Alan Henning befindet sich in der Gewalt der IS-Dschihadisten. Der Mann aus Manchester wollte muslimischen Freunden bei Hilfslieferungen unterstützen. Die Terrorgruppe präsentierte ihn am Ende ihres grausamen Hinrichtungsvideo vom Wochenende und drohen mit seiner Ermordung.

Diplomaten aus aller Welt beraten an diesem Montag in Paris über die richtige Strategie im Kampf gegen den Islamischen Staat. Erst am Wochenende hatten die Dschihadisten in einem neuen Enthauptungsvideo demonstriert, zu welch unmenschlichen Taten sie imstande sind.

In dem Film zeigen sie die Hinrichtung des britischen Entwicklungshelfers David Haines. Die Welt reagierte entsetzt, der britische Premier sprach von einem "Akt des unfassbar Bösen" und kündigte an, die Täter jagen und zur Strecke bringen zu wollen. "Sie sind keine Muslime, sie sind Monster", sagte Cameron und warnte vor Terrorakten in Europa.

"Dieser Mann muss den Preis bezahlen"

Es gilt als sicher, dass der IS noch weitere Geiseln in seiner Gewalt hat. Ihr Leben ist unmittelbar bedroht. Wer den Wahrheiten ins Auge blickt, muss davon ausgehen, dass es nach James Foley, Steven Sotloff und Haines weitere Tote geben wird.

Das nun veröffentlichte Hinrichtungsvideo ähnelt den beiden früheren Ermordungsaufnahmen. Ein dunkel maskierter Mann mit britischem Akzent droht Cameron und US-Präsident Barack Obama. "Dieser britische Mann muss den Preis bezahlen für Ihre Ankündigung, Cameron, die Peschmerga gegen den Islamischen Staat zu bewaffnen", sagt er hinter Haines stehend. Der aus Schottland stammende Entwicklungshelfer, der auch Vater zweier Kinder ist, kniet auf dem Boden und trägt einen orangen Overall. Dann ist zu sehen, wie er enthauptet wird.

Ein großer Mann mit großem Herzen

Am Ende des Videos wird ein weiterer Entführter gezeigt. Bei ihm soll es sich um Alan Henning handeln. Auch dieser Mann werde getötet, wenn Cameron den Kampf gegen den IS weiter unterstützen sollte, droht der maskierte Täter.

Die britische Regierung setzt nun alles daran, ihn zu finden und zu befreien. Wie Haines war er aus humanitären Motiven nach Syrien gereist. Er wollte nur helfen. Britische Medien beschreiben den 47-Jährigen als "großen Mann mit einem großen Herzen." Wie der "Guardian" berichtet habe der sonst als Taxifahrer arbeitende Mann aus dem Nordwesten Englands einen Hilfskonvoi einer Gruppe von muslimischen Freunden begleiten wollen.

Bereits um Weihnachten entführt

Nachdem er die türkisch-syrische Grenze passierte, sei der Konvoi von maskierten Bewaffneten angegriffen worden. Henning wurde isoliert und entführt, berichteten seine Begleiter nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien. Das Ganze soll sich bereits um Weihnachten herum abgespielt haben.

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Das britische Außenministerium verordnete den Beteiligten einen Maulkorb, um hinter den Kulissen über die Freilassung des Helfers verhandeln zu können. Offenkundig erfolglos, wie nun am Sonntag deutlich wurde. Das Ministerium änderte sein Vorgehen und machte den Fall mit Bild und Namen öffentlich.

Freunde beten für ihn

Im Kreis seiner Freunde aus der Region um Manchester löst sein Schicksal Entsetzen aus, schreiben britische Medien. Wegbegleiter beschreiben den Vater zweier Teenager als warmherzigen, liebenswerten Menschen, der aus Überzeugung für die gute Sache seine Familie über Weihnachten allein gelassen habe, um beim Hilfskonvoi dabei sein zu können.

Allerdings wurden laut "Guardian" auch Vorwürfe in den muslimischen Gemeinden laut, die an der Hilfslieferung beteiligt waren. Demnach hätte einem Nicht-Muslim wegen des Risikos niemals erlaubt werden dürfen, den Konvoi zu begleiten.

Einer der Mit-Organisatoren, ein Taxi-Kollege namens Kasim Jameel, äußerte sich tief besorgt: "Er ist der netteste Mensch der Welt und hat so viel auf sich genommen, nur um anderen zu helfen. Er ist nur ein ganz normaler Typ, ein gewöhnlicher Taxifahrer, der etwas Gutes tun wollte. Wir denken rund um die Uhr an ihn und beten dafür, dass er bald wieder bei seiner Familie sein kann."

Geheimdienst sucht ihn in Syrien

"Wir werden alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um diese Mörder zur Strecke zu bringen und sicherzustellen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt - wie lange es auch dauern möge", sagte Cameron. Laut "Daily Mail" sind ein britisches Sonderkommando und Kräfte des Geheimdienstes in Syrien im Einsatz, um seinen Aufenthaltsort auszukundschaften.

Die Lage im Krisengebiet spitzt sich jedoch weiter zu. Am Montag begann die französische Luftwaffe mit Aufklärungsflügen über dem Irak. Cameron kündigte an, dass sein Land trotz der Gräueltat weiter logistische Unterstützung bei den Einsätzen leisten und seinen Anti-Terror-Einsatz verstärken werde.