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Prozess in China: Ärztin verkaufte Babys für 120 Euro

Prozess in China : Ärztin verkaufte Babys für 120 Euro

Eine Ärztin hat vor einem Gericht im Norden Chinas gestanden, die Neugeborenen ihrer Patienten an Menschenhändler verkauft zu haben. Die angeklagte Zhang Shuxia habe den Eltern eine unheilbare Krankheit ihrer Babys vorgegaukelt und sie so dazu gebracht, ihre Kinder wegzugeben.

Dies meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Der Fall wurde demnach vor einem Gericht in der nördlich gelegenen Provinz Shaanxi im Bezirk Fuping verhandelt. Den Angaben zufolge verkaufte Geburtshelferin Zhang zwischen Ende 2011 und Juli 2013 sieben Neugeborene an Menschenhändler, die diese dann weiter an Paare in Zentral- und Ostchina verkauften. Einer der Säuglinge, der für 1000 Yuan (rund 120 Euro) verkauft wurde, starb später.

Zhang flog auf, als eine Mutter dachte, ihr Baby sei entführt worden und dies der Polizei im Juli mitteilte. Zhang hatte das Baby zu sich nach Hause mitgenommen und es noch in derselben Nacht einem Mann in der Nachbarprovinz für 21 600 Yuan (rund 2600 Euro) verkauft.
Er verkaufte das Baby für 59 800 Yuan (rund 7150 Euro) weiter an einen Mann in Zentral-China. Einige weitere Verdächtige wurden in vier Provinzen festgenommen, wie Xinhua meldete.

Die Pekinger Zeitung "Times" forderte eine "angemessene Bestrafung" Zhangs, um andere Ärzte abzuschrecken. Damit würde an die Verbindlichkeit professioneller ethischer Standards für Ärzte erinnert und es würde ihnen gezeigt, dass ein falscher Schritt ihnen lebenslangen Kummer bringen könnte, schrieb die Zeitung.

Der Prozess legte die Machenschaften eines Babyschmuggelrings offen, der in mehreren Provinzen Chinas aktiv war. Kinderhandel ist in der Volksrepublik ein ernstes Problem. Hintergrund sind eine traditionelle Bevorzugung männlicher Erben und eine strikte Ein-Kind-Politik, die zuletzt jedoch etwas gelockert wurde.

(ap)