Abu Dhabi: Papst Franziskus verurteilt Gewalt in Gottes Namen

Besuch in Abu Dhabi: Papst Franziskus verurteilt Gewalt in Gottes Namen

Das katholische Kirchenoberhaupt sieht religiöse Führer weltweit in der Pflicht, kriegerische Auseinandersetzungen abzulehnen. Bei einem Treffen mit Imamen, Muftis und Rabbis in Abu Dhabi sagt er, Gott sei mit jenen, die Frieden suchten.

Papst Franziskus hat bei seiner ersten Reise auf die arabische Halbinsel Gewalt in Gottes Namen verurteilt. Mit Blick auf die Konflikte im Jemen, in Syrien, im Irak und in Libyen sagte er am Montag bei einem interreligiösen Treffen in Abu Dhabi, religiöse Führer müssten „den Fluten der Gewalt und der Austrocknung des Altruismus“ widerstehen. „Gott ist mit denen, die Frieden suchen.“ Franziskus' Gastgeber, die Vereinigten Arabischen Emirate, sind an den Konflikten im Jemen, in Syrien und in Libyen beteiligt.

Mit Franziskus ist erstmals ein katholisches Kirchenoberhaupt auf die arabische Halbinsel, dem Geburtsort des Islam, gereist. Sein 40-Stunden-Aufenthalt in Abu Dhabi soll am Dienstag mit einer Messe abschließen. Eine Zusammenkunft mit dem muslimischen Ältestenrat und seine interreligiöse Ansprache galten bereits vorab als Höhepunkte der Reise. Für den Gottesdienst werden 135 000 Menschen erwartet - so viele christliche Gläubige sind noch nie zu einem öffentlichen Gottesdienst auf der arabischen Halbinsel zusammengekommen.

An Imame, Muftis, Minister, Rabbis, Swamis, Zoroastrier und Sikhs gewandt sagte Franziskus, als Vertreter der Weltreligionen hätten alle die Pflicht, dem Wort „Krieg“ jede Nuance der Zustimmung zu nehmen. Religiöse Anführer müssten „Leuchttürme des Friedens“ sein und für die Würde aller Kinder Gottes werben. Wenn die Anhänger unterschiedlicher Religionen nicht gemeinsam für „konkrete Wege des Friedens“ eintreten würden, stehe die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel.

Anschließend sagte der Großscheich der ägyptischen Al-Azhar-Universität in Kairo, Scheich Ahmed al-Tajjib, der Islam sei eine Religion des Friedens, die das menschliche Leben wertschätze. Bei einer Veranstaltung am Abend (Ortszeit) verurteilte der Großimam außerdem jegliche Terrorakte. Diese würden von Kriminellen verübt, nicht von wahren Gläubigen an Gott.

Danach unterzeichneten die beiden Geistlichen eine Erklärung, in der sie ihre Hoffnungen auf Weltfrieden und Verständnis der Menschen füreinander ausdrückten. In dem Dokument - verfasst im Namen „aller Opfer von Kriegen, Verfolgung und Ungerechtigkeit; und denen, die in allen Teilen der Welt gefoltert wurden“ - werden die Zeichen eines „Dritten Weltkrieges“ kritisiert, der zerstückelt geführt werde. Außerdem heißt es: „Entschieden erklären wir, dass Religionen niemals Krieg, Hass, Feindseligkeit und Extremismus anregen dürfen. Sie dürfen auch nicht zu Gewalt oder Blutvergießen anstacheln.“

Im Laufe des Tages hatte Franziskus die Große Moschee von Abu Dhabi besucht und Kronprinz Scheich Mohammed bin Said Al Nahjan getroffen. Dieser hatte Fotos von der Zusammenkunft auf Twitter veröffentlicht und die Vereinigten Arabischen Emirate in dem Zuge als „Heimat der Toleranz“ bezeichnet.

Die Emirate unterstützen die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition im Jemenkrieg. Riad kämpft dort seit 2015 gegen die Huthi-Rebellen. Der Konflikt hat den Jemen in die schlimmste humanitäre Krise weltweit getrieben. Nach UN-Angaben brauchen 80 Prozent der jemenitischen Bevölkerung Hilfe.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf den Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate zudem am Montag vor, Kritiker, politische Gegner und Menschenrechtsaktivisten willkürlich festzuhalten oder dafür zu sorgen, dass sie verschwänden.

(kron/dpa)
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