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25 Jahre verschollen: China gibt Auskunft über Dalai-Lama-Berater

Nach 25 Jahren : China gibt Auskunft über verschwundenen Berater des Dalai Lama

Gedhun Choekyi Nyima war als Sechsjähriger zum Lehrer und Helfer des Dalai Lama benannt worden. Vor 25 Jahren verschwand Nyima dann aber spurlos – Gerüchten zufolge wurde er von der chinesischen Regierung entführt. Jetzt gibt China erstmals Auskünfte über Nyimas Verbleib.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Verschwinden der zweitwichtigsten Figur des Buddhismus in Tibet hat China Angaben zu dessen Verbleib gemacht. Der mittlerweile 31-jährige Gedhun Choekyi Nyimasei sei als Kind der Schulpflicht nachgekommen, habe eine Hochschulzugangsprüfung bestanden und gehe jetzt einem Beruf nach, sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian am Dienstag. Der junge Mann und seine Familie wollten in ihrem „normalen Leben“ nicht gestört werden.

Gedhun Choekyi Nyima war als Sechsjähriger vom Dalai Lama und anderen Geistlichen als Inkarnation des Panchen Lama benannt worden. Dieser ist traditionell Lehrer und Helfer des Dalai Lama. Die atheistische Führung in Peking lehnte Gedhun Choekyi Nyima jedoch ab, weil er nicht durch Los, sondern anhand von Omen und Vorzeichen berufen worden sei. Sie installierte den unter ihrer Kontrolle durch Los bestimmten gleichaltrigen Gyaltsen Norbu als Panchen Lama, während Gedhun Choekyi Nyima von der Bildfläche verschwand. Allerdings ist auch Gyaltsen Norbu nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen und soll sich größtenteils in Peking aufhalten. International spielt er neben dem 84-jährigen Dalai Lama praktisch keine Rolle.

Peking wirft dem 1959 ins Exil geflohenen Dalai Lama vor, Tibet von China abspalten zu wollen, während dieser betont, es gehe ihm nur um mehr Autonomie für Tibet. Das tibetische Exilparlament in Indien forderte am Sonntag Aufklärung über den Verbleib Gedhun Choekyi Nyimaseis. China habe den Panchen Lama entführt, enthalte ihm seine religiöse Identität vor und verweigere ihm das Recht auf Religionsausübung in seinem Kloster. US-Außenminister Mike Pompeo schloss sich der Forderung am Montag an.

(mkoe/dpa)