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Anschlag in Russland: 18 Tote bei Selbstmordattentat in Wolgograd

Anschlag in Russland : 18 Tote bei Selbstmordattentat in Wolgograd

Im russischen Wolgograd hat eine Selbstmordattentäterin in einem Bahnhof am Sonntag mindestens 18 Menschen mit in den Tod gerissen. Wie die russischen Behörden berichteten, sprengte sich die Frau an den Metalldetektoren nahe des Eingangs der Station in die Luft. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Der Anschlag ereignete sich am frühen Nachmittag (Ortszeit, 09.45 Uhr MEZ), als die größte Bahnstation der südlichen Stadt voller Reisender war. "Die Explosion war gewaltig", sagte die Augenzeugin Valentina Petritschenko dem Sender Westi 24. Viele Menschen seien in Panik losgerannt, andere seien durch die Wucht der Detonation zurückgeschleudert worden. Das Staatsfernsehen zeigte zersplitterte Fensterscheiben am Bahnhofsgebäude, und vor dem Eingang standen zwischen Schuttbergen und Schneemassen zahlreiche Rettungswagen.

Das Nationale Anti-Terror-Komitee erklärte, erste Indizien wiesen auf eine Selbstmordattentäterin hin. Dem Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, zufolge wurden Terrorermittlungen eingeleitet. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitierte einen örtlichen Regierungssprecher, der die Zahl der Toten mit 18 und die Zahl der Verletzten mit mehr als 40 angab. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sprach im Fernsehen von mehr als 50 Verletzten.

Wolgograd, das frühere Stalingrad, war im Oktober bereits Ziel eines Attentats. Dabei waren bei einem Selbstmordanschlag auf einen Bus sechs Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt worden. Als Attentäterin machten die Behörden eine sogenannte Schwarze Witwe aus, die Frau eines radikalislamischen Extremisten aus der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus.

Die Stadt Wolgograd liegt in der Nähe der unruhigen Nordkaukasusregion. Knapp 700 Kilometer südwestlich von Wolgograd entfernt liegt der Badeort Sotschi, wo Anfang Februar die Olympischen Winterspiele beginnen. Bereits nach dem Attentat im Oktober waren Zweifel an der ausreichenden Sicherheit rund um das Großereignis laut geworden. Die russische Regierung hat die Spiele zu einer ihrer Hauptprioritäten erklärt.

Bahnhof #Wolgograd nach der Explosion RT @obk: Angstaanjagende foto pic.twitter.com/AM0viIDzhD

Fernsehbilder zeigten einen riesigen orangen Feuerball im Inneren des Bahnhofs. Aus den verborstenen Fenstern drang dichter Qualm. Rettungskräfte trugen Opfer aus dem Gebäude. Es war mindestens ein Mensch zu sehen, der regungslos auf dem Boden lag. "Ich habe die Explosion gehört und bin rausgelaufen", berichte ein Augenzeuge dem Sender "Rossija-24". "Ich habe geschmolzene, verbogene Metallteile gesehen, zerbrochenes Glas und Menschen, die auf der Straße lagen." In dem Bahnhof war mehr Betrieb als gewöhnlich um diese Zeit, da viele Menschen vor den Feiertagen zum Jahreswechsel unterwegs waren.

Das Zivilschutzministerium ließ das Gebäude evakuieren. Augenzeugen berichteten von deutlichen Schäden. Überall liege zersplittertes Fensterglas, zudem habe die Feuerwehr einen kleinen Brand löschen müssen, hieß es. Polizisten mit Spürhunden suchten das Gelände nach Spuren und möglichen weiteren Sprengsätzen ab. Die Gebietsverwaltung von Wolgograd verhängte eine dreitägige Trauer.

Erst am Freitagabend hatte die Explosion einer Autobombe vor einer Polizeistation in Pjatigorsk in der Konfliktregion Nordkaukasus drei Menschen getötet. Die Behörden vermuten einen terroristischen Hintergrund. Pjatigorsk ist rund 250 Kilometer von Sotschi entfernt.

Wolgograd hat etwa eine Million Einwohner und liegt gut 900 Kilometer südöstlich von Moskau und rund 700 Kilometer nördlich des Kaukasus' und des Austragungsorts der Olympischen Spiele.

Es war der schwerste Anschlag in Russland außerhalb der Kaukasus-Region seit fast drei Jahren. Am 21. Oktober hatte sich eine Selbstmordattentäterin aus der russischen Region Dagestan in einem Linienbus in Wolgograd in die Luft gesprengt und sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Dagestan liegt im Kaukasus, wo Extremisten für die Errichtung eines islamistischen Staats kämpfen.

(REU/dpa/AFP)