In Asien boomt das Geschäft mit der Schönheit: Augen wie Europäer

In Asien boomt das Geschäft mit der Schönheit : Augen wie Europäer

Tokio (rpo). Große runde Augen, lange Beine, großer Busen - immer mehr Japanerinnen legen sich für europäische Schönheitsideal unters Messer. In ganz Asien boomt das Geschäft mit der Schönheit wie noch nie. Millionen Asiaten - meist Frauen, zunehmend aber auch Männer - lassen ihre Körper tunen.

Hiromi Yokota wirkt verklemmt, ihre schmalen Augen müde. "Immer wieder haben sich Kunden beschwert, ich schaue unfreundlich oder habe einen bösen Blick", sagt die 22-jährige Japanerin. Sie ist an diesem Abend Gast in der Fernseh-Show "Beauty Collosseum" des japanischen Senders Fuji TV. Jede Woche erzählen hier Japanerinnen Geschichten davon, wie sie unter ihrem Aussehen zu leiden hätten. Bis eine Runde aus Schönheitsexperten erlösende Hilfe anbietet. Einen Monat später erscheint Yokota wieder in der Sendung, diesmal so, wie sie immer ausschauen wollte: Die Augen groß und rund.

Die verdankt sie dem Rat von Toshiya Handa, dem "Wunderdoktor" der Show und Chirurg an der Otsuka Academy of Cosmetics & Plastic Surgery, einer Kette von 13 Kliniken in Japan. "60 Prozent unserer Kundschaft sind Teenager oder Leute in ihren 20ern. Mindestens 95 Prozent sind Frauen", erklärt der Geschäftsführer der Klinik, Mitsuyoshi Fukuda. "Die meisten wollen größere Augen durch doppelte Lider".

"Scheinbar wollen viele aussehen wie Europäer", sagt Fukuda und weist auf den Einfluss japanischer Manga hin - Comics, in denen Frauen und Mädchen stets mit riesigen runden Augen, langen Beinen und großen Brüsten dargestellt werden - Eigenschaften, die nicht typisch für Asiatinnen sind. Die Otsuka-Klinik benutzt im Internet selbst das Wort "Cinderella" (Aschenputtel). Auch wenn viele von sich weisen, kaukasischer aussehen zu wollen, so ist doch kaum bestritten, wie enorm das ästethische Schönheitsideal der Asiaten unter dem Bombardement aus Hollywood und dem Satellitenfernsehen beeinflusst wurde.

Früher sagte man in Japan, man dürfe den Körper, den einem die Eltern schenkten, nicht verletzen. "Das stammt vom Konfuzianismus. Viele denken immer noch so, aber die Leute, die hierher kommen, sind anders, und die Eltern verstehen das", sagte Klinikmanager Fukuda. Viele Patientinnen, die sich ihre Augen durch ein doppeltes Lid vergrößern möchten, kämen heutzutage mit ihren Müttern. Auch verheimlichten sie ihre Operationen nicht mehr wie früher. "Sie geben damit allerdings auch nicht an wie in Brasilien", sagt Fukuda.

Waren es früher vor allem Leute aus dem Showgeschäft oder Hostessen, kämen inzwischen ganz normale Menschen. Mancher erhofft sich angesichts der andauernden Wirtschaftskrise durch ein besseres Aussehen auch mehr Chancen auf dem Arbeitsplatz. Organisierte Reisen zu Schönheitskliniken nach Südkorea oder anderswo erfreuen sich unter Japanern reger Nachfrage. Eine alte Frau, die sich durch eine solche Operation die Nase schmaler und höher machen ließ, behauptete, seitdem ein glückliches Leben zu führen. Ihrer Enkelin hat sie zur Volljährigkeit einen Besuch in der Otsuka-Schönheitsklinik geschenkt.

Nicht nur die Schönheitschirurgie boomt, ganz allgemein ist das Geschäft rund um die Schönheitspflege in Japan wie auch in anderen Ländern zu einem lukrativen Milliarden-Geschäft geworden. Kritiker sprechen auch von der "Komplex-Industrie", da sie die Komplexe, unter denen viele der Kundinnen litten, geschäftlich für sich ausnutze. Einen großen Einfluss haben Medien wie Fernsehen und Zeitschriften. "Tabehaki", zu deutsch "Essen und Kotzen", nennen japanische Schülerinnen eine in der Szene beliebte Methode, abzunehmen, um genauso schlank zu werden, wie die Idole aus Musik und Fernsehen.

Die Zahl von Frauen-Zeitschriften in Japan, die über die neuesten, sich ständig ändernden Trends in Mode, Kosmetik und über Diätrezepte berichten, ist schier unübersichtlich. "Jetzt fühlst Du Dich sicher wieder gut und denkst positiv über Dein Leben, nicht wahr?", fragt die Moderatorin in der TV-Sendung "Beauty Collosseum" ihren Gast Hiromi Yokota. "Ja", antwortet die brav und plinkert angestrengt mit ihren neugeformten Augen - verklemmt aber wirkt sie auch weiterhin.

(RPO Archiv)
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