Exkommunizierter Priester soll Frauen erpresst haben: Angst vor Religionsunruhen nach Sex-Skandal in ägyptischem Kloster

Exkommunizierter Priester soll Frauen erpresst haben : Angst vor Religionsunruhen nach Sex-Skandal in ägyptischem Kloster

Kairo (rpo). Sex-Fotos aus einem Kloster sorgen für Unruhe in Ägypten. Ein mittlerweile festgenommener Priester soll unter Vorgabe magischer Kräfte Frauen dazu gebracht haben, sich vor ihm auszuziehen. Nachdem eine Wochenzeitung die Fotos abgedruckt hatte, haben Kirchenführer und hochrangige Politiker vor gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen koptischen Christen und Moslems gewarnt.

Wie die ägyptischen Tageszeitungen am Dienstag berichteten, fanden sich am Montag erneut Tausende von aufgebrachten Kopten vor der Kathedrale im Kairoer Stadtteil Abbasia ein. Bereits am Sonntag, als die Wochenzeitung mit den "obszönen Bildern" erschienen war, hatten rund 4.000 wütende Christen an den Gitterstäben vor der Kathedrale gerüttelt.

Der koptische Patriarch Schenuda III. forderte die Gläubigen unterdessen auf, Ruhe zu bewahren. Er bezeichnete die Veröffentlichung der Fotos durch die Zeitung "Al-Naba" als "Angriff auf die nationale Einheit und den gesellschaftlichen Frieden". Ähnlich äußerte sich auch Ägyptens Parlamentspräsident Fathi Surour. Eine Diskussion über den Fall im Parlament ließ er allerdings am späten Montagabend nicht zu.

Heilige Familie soll sich im Kloster aufgehalten haben

Ein Sprecher der Kirche betonte, die Bilder, die den wegen seiner Ausschweifungen vor fünf Jahren exkommunizierten Priester mit nackten Kirchgängerinnen zeigten, seien nicht im Kloster El-Moharraq aufgenommen worden. Das Kloster hat für die Gläubigen eine besondere Bedeutung, da sich die Heilige Familie bei ihrer Reise durch Ägypten dort aufgehalten haben soll.

Der Priester, gegen den bereits vor längerer Zeit ein kircheninternes Verfahren lief, war am vergangenen Wochenende wegen Erpressung festgenommen worden. Er soll den Frauen zunächst jeweils vorgegaukelt haben, er besitze magische Kräfte, mit denen er unheilbare Krankheiten besiegen könne. Als sie dann zu ihm kamen, filmte er sie angeblich nackt und erpresste sie nachher mit den Aufnahmen. Eine Frau soll ihm aus Angst um ihren Ruf 400.000 ägyptische Pfund (rund 240.000 Mark/123.000 Euro) und vier Kilogramm Gold gegeben haben.

Die nationale Pressevereinigung verurteilte unterdessen die Veröffentlichung der Skandal-Fotos. Auch von staatlicher Seite hat die Chefredaktion der Zeitung "Al-Naba" nun Ärger zu befürchten. Beobachter meinen, die Publikation könnte möglicherweise sogar ganz verboten werden.

(RPO Archiv)
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