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Sorgen um Gesundheitszustand der Geiseln nehmen zu: Ärztin: "Ich bin schrecklich besorgt"

Sorgen um Gesundheitszustand der Geiseln nehmen zu : Ärztin: "Ich bin schrecklich besorgt"

Manila/Jolo (dpa).Zwei Monate nach Beginn des Nervenkrieges um die 21 auf die Südphilippinen verschleppten Geiseln werden die Sorgen um die Gesundheit der Menschen immer größer. Vor allem die westlichen Entführten seien seit zwei Wochen nicht mehr untersucht worden, sagte die Chefin des Gesundheitsamts auf der südlichen Insel Jolo, Nelsa Amin, am Sonntag. Einen Tag zuvor hatten die Kidnapper erstmals schriftlich eine Lösegeldforderung gestellt und umgerechnet 9,5 Millionen Mark für die Freilassung von fünf weiblichen Geiseln verlangt, darunter auch die erkrankte Renate Wallert aus Göttingen.

Nelsa Amin sagte: "Ich bin schrecklich besorgt. Sie brauchen regelmäßige medizinische und psychologische Betreuung." Die Ängste der Geiseln würden immer schlimmer, je länger sie nicht von Ärzten besucht werden. Zuletzt konnte ein Mediziner-Team nur die asiatischen Entführten sehen, die zuvor von den westlichen getrennt worden waren. Seit die philippinische Regierung vor einer Woche eine "Abkühlungs- Phase" in den Gesprächen ausgerufen hatte, sind die Geiseln von jeder ärztlichen Betreuung und Hilfsgüter-Versorgung abgeschnitten.

Ihre Lösegeldforderung hatten die Kidnapper der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf nach Angaben eines Mittelsmanns der Regierung in einem Brief "an den (philippinischen Präsidentenpalast) Malacanang" formuliert. Es werde nun versucht, die Summe herunterzuhandeln, sagte der Gesandte, der ungenannt bleiben wollte. Zunächst hätten die Kidnapper umgerechnet rund 4,8 Millionen Mark alleine für die Freilassung von Renate Wallert verlangt. "Jetzt haben sie aber diesen Handel vorgeschlagen", sagte er.

Die Forderung gilt ferner für die Französin Sonia Wendling, die schwangere Südafrikanerin Monique Strydom, die Libanesin Marie Michel Moarbes und die Philippinerin Lucrecia Dablo.

Bundesparlamentarier von CSU und FDP schlugen derweil vor, die Zahlung von Lösegeld in Erwägung zu ziehen. Es sei "zu überlegen, ob man das geforderte Geld nicht doch zahlt", sagte der CSU-Abgeordnete Josef Hollerith der Zeitung "Welt am Sonntag". Schließlich sei "jedes Mittel Recht, um das Leben der Geiseln zu retten". Der FDP- Parlamentarier Max Stadler sagte dem Blatt: "Zwar gilt der alte Grundsatz, dass man Erpressern nicht nachgeben soll, aber in diesem speziellen Fall darf man sich nicht hinter Prinzipien verstecken."

Gleichzeitig zu ihrer Lösegeldforderung hatten die Kidnapper am Wochenende Bereitschaft zu weiteren Gesprächen mit den Regierungsvermittlern signalisiert, darunter auch Chefunterhändler Roberto Aventajado. Zuvor hatten sie seine sofortige Ablösung verlangt, weil er ein Eingreifen der Armee nicht mehr ausgeschlossen hatte. Später erklärte Aventajado, er sei der Letzte, der an eine militärische Option zur Befreiung der Geiseln denke.

"Ich bin sehr glücklich, dass sie mich wieder willkommen heißen", sagte Aventajado in einer ersten Reaktion der dpa. Der Chefvermittler hofft, dass es noch in dieser Woche zu neuen Gesprächen kommt. Zunächst hielten sich die Regierungsvermittler allerdings weiterhin zu Beratungen in der Hauptstadt Manila auf.

(RPO Archiv)