1. Panorama

Adolf Hitlers Hausmädchen erinnert sich

Obersalzberg : Adolf Hitlers Hausmädchen erinnert sich

Elisabeth Kalhammer (89) hat am Obersalzberg für den Diktator gearbeitet. Die Stelle bekam sie vom Arbeitsamt.

Eine der vielen Anweisungen an das Dienstpersonal im Berghof soll gelautet haben: Wenn der Diktator im Haus übernachtet, ist dafür zu sorgen, dass in der Küche nachts Apfelkuchen mit Nüssen und Rosinen bereit steht. "Hitler schlich zu später Stunde oft in die Küche, weil er Hunger hatte", sagt Elisabeth Kalhammer. "Die Apfelstücke mussten akkurat angeordnet sein. Es war der Führerkuchen."

Die heute 89-Jährige ist eine von 22 Dienstmädchen in Adolf Hitlers Alpenresidenz in Berchtesgaden gewesen. In den "Salzburger Nachrichten" hat sie erstmals über ihren Alltag in der Nähe des Führers gesprochen.

Es ist 1943, das mittlerweile vierte Kriegsjahr, als Elisabeth Kalhammer, die damals noch Breinreich hieß, als Stubenmädchen auf den Obersalzberg kommt. Das Arbeitsamt hat ihr die Stelle vermittelt. Ihre Mutter hat kein gutes Gefühl bei der Sache. Sie will nicht, dass ihre Tochter in Hitlers Berghaus arbeitet. Doch es ist ein Angebot, das man in dieser Zeit besser nicht ablehnt. Die Frau vom Arbeitsamt rät ihr vielmehr, dankbar zu sein. Tausende junge Frauen im Dritten Reich träumten schließlich davon, in Hitlers Nähe arbeiten zu dürfen, argumentiert sie. Dazu zählt Elisabeth nicht. Sie weiß nicht viel über Hitler, schon gar nicht, wo dieser Berghof liegt. "So eine Schande. Aber ich hab so getan, als wüsst' ich's."

Sie mag die Militärs nicht und die Männer der SS schon gar nicht, die am Obersalzberg für Hitlers Sicherheit sorgen und von denen sie kritisch beäugt wird. Ständig muss sie sich erklären, ausweisen, sagen, was sie macht und was sie vorhat. Die eiserne Regel lautet: Was im Haus gesprochen wird, darf unter keinen Umständen nach außen dringen. Fragen darf sie auch keine stellen, wenn sie sich nicht auf ihre Arbeit beziehen. "Denken durfte ich. Aber sprechen nicht." Verstöße werden mit Ausgangssperren geahndet - oder mit Schlimmerem.

Wenn Hitler am Obersalzberg ist, gibt er große Empfänge. Gegessen wird im Berghof spät am Abend, Hitler hat eine eigene Köchin. Er isst kein Fleisch, hält streng Diät. Dazu trinkt er lauwarmes Wasser. Oft habe der Diktator, berichtet Kalhammer, nach dem Essen noch bis tief in die Nacht gearbeitet, an Kriegstaktiken getüftelt. "Vor zwei Uhr nachmittags stand er selten auf." Lisbeth, wie man sie auf dem Obersalzberg nennt, wäscht, putzt, näht und schrubbt den Boden. Sie packt überall mit an. Dabei ist sie stets bemüht, alles richtig zu machen. Nur einmal, da macht sie einen Fehler, der sofort hart bestraft wird. Sie stößt Nymphenburger Porzellan um. Die Folge: eine mehrtägige Ausgangssperre.

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Elisabeth Kalhammer trifft Hitler nie persönlich. Zum Glück, sagt sie heute. Sonst hätte sie mit ihm reden müssen, mit diesem "kümmerlichen Mann", wie sie ihn nennt. "Das musste ich nicht haben." Einmal bekommt sie ihn dann doch zu Gesicht, wenn auch nur aus der Ferne, durch einen Vorhang, durch den sie späht. Elisabeth Kalhammer mag Hitler nicht - schätzt aber dessen spätere Ehefrau Eva Braun. Über sie verliert sie kein böses Wort. Sie sei "eine ganz Liebe" gewesen, die sich immer um das Dienstpersonal gekümmert habe. "Wir hatten dank ihr immer genug zu essen."

(rap)