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Spanisches Königshaus: Enthüllungen über „rebellische Königin“

Spanisches Königshaus : Enthüllungen über „rebellische Königin“

Der Journalist Leonardo Faccio zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild von Königin Letizia. Den spanischen Anhängern der Monarchie bereitet sein Enthüllungsbuch Sorgen. Sie hadern aber eh mit der Frau an Felipes Seite.

Beim Treffen mit Vertretern des UN-Kinderhilfswerks Unicef wirkte Letizia vor einigen Tagen angeschlagen. Die spanische Königin wirkte müde, hustete viel und fasste sich mehrfach an den Hals, wie Medien bemerkten. Eine Erkältung, lautete die offizielle Erklärung.

Ein weiterer Grund, warum die 47-Jährigen zurzeit keine so gute Figur macht, ist die Veröffentlichung einer unautorisierten Biografie über die Ehefrau von König Felipe VI. Das Buch „Letizia – La Reina impaciente“ (Die ungeduldige Königin) kommt der krisenerschütterten spanischen Monarchie alles andere als gelegen. Mehrere Affären hatten das Image der „Casa Real“ schwer angekratzt, darunter eine umstrittene Elefantenjagd des dann 2014 abgedankten Königs Juan Carlos in Botsuana und ein Korruptions- und Steuerbetrugsskandal um den Ehemann von Felipes Schwester Cristina, Iñaki Urdangarin, der zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt wurde. An den Universitäten veranstalten junge Leute immer häufiger Kundgebungen und Abstimmungen gegen die Royals. Das linke Bündnis Unidas Podemos, das für eine Abschaffung der Monarchie eintritt, hat seit kurzem in der spanischen Regierung erstmals mit das Sagen.

Der angesehene Autor Leonardo Faccio, der zuvor eine Biografie über Weltfußballer Lionel Messi geschrieben hatte, widmet sich in seinem neuen Werk Letizia – und lässt sie in keinem guten Licht erscheinen. Es geht nicht (nur) um Klatsch und Tratsch, sondern auch um ernsthafte Punkte, die den „Monarquistas“, den Anhängern der Monarchie, große Sorgen bereiten. Das Königshaus gab auch Tage nach der Veröffentlichung keinen Kommentar ab.

Das Werk greift das offene Geheimnis auf, dass die damalige Journalistin Letizia Ortiz vor ihrer Verlobung mit dem damaligen Kronprinzen Felipe im Jahr 2003 eine „Republicana“ – also eine Befürworterin der Abschaffung der Monarchie – gewesen sei. Sie sei „Republicana und überhaupt nicht religiös“ gewesen, wird etwa ein Ex-Kollege bei der Nachrichtenagentur EFE zitiert. Letizia sei in einer Familie aufgewachsen, in der ihr Opa mütterlicherseits immer wütend den Fernseher ausgeschaltet habe, wenn der damalige König Juan Carlos, heute ihr Schwiegervater, auf dem Schirm erschien, so der Autor.

Das Buch beschreibt detail- und zitatreich, wie schwer der einst beruflich erfolgreichen, unabhängigen und meinungsstarken Frau aus dem nordspanischen Oviedo das Leben unter den strengen Palastregeln immer noch falle. Viele fragen sich nun in Spanien, wie lange die „rebellische Königin“, wie Faccio sie nennt, das wohl noch aushalten mag.

Die Meinung, dass Letizia und auch andere aus bürgerlichen Verhältnissen stammende royale Vertreterinnen, wie Mette-Marit in Norwegen, Máxima in den Niederlanden und Kate in Großbritannien, mit ihrem modernisierenden Einfluss den Königshäusern Europas guttun, kontert Faccio mit der Aussage eines gewissen Declan Quigley, der Professor von Prinz William war. „Je ähnlicher uns ein König wird, desto weniger brauchen wir einen.“ Wer frischen Wind an den Hof bringen wolle, mache einen Fehler.

Spanien diskutiert seit längerem, ob Felipe mit seiner Damenwahl einen Fehler gemacht hat. Der dienstälteste Adelsexperte Spaniens hat keine Zweifel: Ja, sagt Jaime Peñafiel, der in der Biografie mehrfach zitiert wird. Der 87-Jährige spricht von den „Letizias dieser Welt“, die aus seiner Sicht sogar zur Abdankung von Queen Elizabeth II. in Großbritannien und zum Ende der „Casa Real“ in Spanien führen könnten. „Entweder sie (Felipe und Letizia) lassen sich scheiden, oder sie (Letizia) bereitet der spanischen Monarchie ein Ende.“

Bei seiner siebenjährigen Recherche-Arbeit sprach der Autor mit dem Ex-Ehemann von „Su Majestad“, Alonso Guerrero, mit angeblichen ehemaligen Lebenspartnern und Berufskollegen, mit früheren Lehrerinnen und auch mit Freunden, Bekannten und Angehörigen der Ex-Journalistin, die er fast alle mit Namen zitiert. Das Haus Bourbonen hüllt sich derweil in Schweigen.

(dpa)