Rückzug von Harry und Meghan: Jetzt geht es um das Geld

Royaler Rückzug von Harry und Meghan : Jetzt geht es ums Geld

Harrys und Meghans Ankündigung, in Zukunft nur noch Teilzeit-Royals sein zu wollen, hat im Königreich viel Porzellan zerschlagen. Es geht vor allem ums Geld. Währenddessen hat die Herzogin Großbritannien schon wieder verlassen.

Jetzt ist es wirklich ein „Megxit“ geworden. Meghan, die Ehefrau von Prinz Harry, hat Großbritannien verlassen und ist am Donnerstag nach Kanada geflogen. Das Herzogspaar von Sussex hatte am Mittwoch erklärt, sich als Senior-Royals zurückziehen und in Nordamerika leben zu wollen. Das war wenige Tage nachdem sie von einem Urlaub in Kanada zurück ins Königreich gekehrt waren. Jetzt ist Prinz Harrys Gattin zusammen mit Baby Archie wieder auf der anderen Seite des Atlantiks, während der Queen-Enkel allein daheim die Suppe auslöffeln muss.

Denn Harrys und Meghans Ankündigung, in Zukunft nur noch Teilzeit-Royals sein zu wollen, hat im Königreich viel Porzellan zerschlagen. Auch am Freitag dominierte das Thema die Titelseiten aller Zeitungen. Ranghohe Mitglieder der Windsors – sprich: die Queen, Prinz Charles und Prinz William – sind entsetzt und wütend, weil die Entscheidung mit ihnen nicht abgesprochen war. Man fühlt sich überrumpelt. Die Queen hat einen familiären Krisenrat einberufen, und ihre Höflinge arbeiten jetzt zusammen mit dem Mitarbeiterstab von Charles und William unter Hochdruck daran, eine „brauchbare Lösung“ zu finden. Das soll, sagte ein Hofbeamter, „Tage, nicht Wochen“ dauern.

Es geht vor allem ums Geld. Harry und Meghan hatten betont, „finanziell unabhängige Royals“ werden zu wollen. Damit wollen sie sagen: Wir verzichten auf das Einkommen, das wir durch den „Sovereign Grant“ bekommen, also durch die öffentlichen Zuwendungen, die die Apanage der Queen ausmachen. Zur Zeit ist ihnen als ranghohen Royals verboten, selbst Geld zu verdienen. Bekommen sie aber keine Steuergelder mehr, erlaubt ihnen das eine „finanzielle Autonomie, um extern arbeiten zu können“.

Der Sovereign Grant hat 2012 das Einkommen des Königshauses neu geregelt. Der Deal geht so: Die Queen überweist die Erlöse der sogenannten Kronbesitztümer – also aller Liegenschaften und Ländereien, die offiziell der Krone gehören – an das Finanzamt. Im Gegenzug bekommt sie vom Staat ein Viertel der Profite des Kronguts. Das macht im laufenden Jahr immerhin 85,9 Millionen Pfund, umgerechnet rund 101 Millionen Euro aus. Dadurch finanziert sie ihre öffentlichen Aufgaben und alle anderen höheren oder minderen Royals, die ihr bei Repräsentationspflichten helfen. Der Thronfolger Prinz Charles hat eine eigene private Einkommensquelle: das Herzogtum von Cornwall, dessen Profite 2018 etwas mehr als 21 Millionen Pfund betrugen. Aus diesem Topf finanziert Charles seinen eigenen, aber auch den Hofstaat seiner Söhne. Prinz Harry bekommt rund zweieinhalb Millionen Pfund von seinem Vater, was 95 Prozent seines Einkommens ausmachen soll.

Indem Harry auf Gelder des Sovereign Grants verzichten will, möchte er sich aus der finanziellen Einbindung lösen und von einem „Senior Royal“ zu einem finanziell unabhängigen Mitglied des Königshauses werden, was ihm neue Freiheiten erlauben soll. Freilich wollen er und Meghan nicht auf die Zuwendungen von seinem Vater verzichten. Die britische Öffentlichkeit findet das nicht gut. In einer Umfrage am Donnerstag unterstützten zwar 46 Prozent der Befragten die Entscheidung, kürzer treten zu wollen, und nur 26 Prozent lehnten ihn ab. Aber 63 Prozent, fast zwei Drittel der Briten, denken, dass Harry und Meghan ihre neue Freiheit selber finanzieren und kein Millionen-Taschengeld von Prinz Charles erhalten sollen.

Der Thronfolger denkt ähnlich. Prinz Charles, meldete am Freitag die „Times“, habe seinem jüngsten Sohn bedeutet, dass er seine Zahlungen einstellen werde, sollte Harry von sämtlichen royalen Pflichten zurücktreten. „Er wird seinem Sohn keinen Blanko-Scheck schreiben“, unterstrich das normalerweise gut unterrichtete Blatt, „wenn er und seine Frau ein neues Leben beginnen, nachdem sie ihre Rolle als hochrangige Mitglieder der Königlichen Familie aufgeben.“

Die Verhandlungen, die Prinz Harry jetzt führen muss, werden sich darauf konzentrieren, wie man öffentliche Aufgaben mit persönlichen Freiheiten austarieren kann. Dabei gilt, dass private Aktivitäten nicht durch Steuergelder finanziert werden können. Eine Menge Probleme gibt es dabei zu lösen: von der Frage, ob Harry und Meghan ihre royale Residenz behalten können über die Finanzierung ihres Mitarbeiterstabes bis hin zum Thema Personenschutz, der bisher ausschließlich aus Steuergeldern bezahlt wird. Wenn das Herzogspaar in Zukunft in Kanada und in den USA leben will, dürfte die Gewährleistung ihrer Sicherheit um ein Vielfaches teurer werden. Es liegt in Harrys Interesse, in Bälde Antworten auf die vielen Fragen zu finden. Umso schneller kann er dann wieder mit Frau und Kind vereint sein.

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