Prinz Andrew blamiert sich in BBC-Interview über Sex-Vorwürfe

Schräge Ausreden, bizarre Begründungen : Prinz Andrew blamiert sich in BBC-Interview über Sex-Vorwürfe

Der Missbrauchsskandal um Multimillionär Epstein lässt den britischen Prinz Andrew nicht los. Mit einem BBC-Interview wollte der Royal jetzt in die Offensive gehen – machte aber alles nur noch schlimmer.

Prinz Andrew, der zweitälteste Sohn der Queen, hat es geschafft, auf die Titelseiten aller britischen Sonntagszeitungen zu kommen, aber es ist fraglich, ob er sich darüber freuen darf. Die BBC hatte am Samstagabend ein ausführliches Interview mit dem 59-Jährigen ausgestrahlt. Darin nahm Andrew Stellung zu Vorwürfen, die schon seit einiger Zeit im Raum stehen. Er soll, lautete die Anschuldigung, im Jahre 2001 Sex mit einer minderjährigen Frau gehabt haben. Andrew bestritt kategorisch jede Beziehung zu der damals 17-jährigen Virginia Roberts. „Ich habe keine Erinnerung, diese Dame jemals getroffen zu haben“, sagte der Prinz: „Ich hatte keinen Sex mit dieser Frau!“

In dem Interview ging es um die Beziehung des Prinzen zu Jeffrey Epstein, dem amerikanischen Millionär, der 2008 wegen Sexualstraftaten verurteilt worden war und sich im August diesen Jahres kurz vor seinen zweiten Prozess umgebracht hatte. Epstein soll minderjährige Mädchen und junge Frauen zuerst selbst missbraucht und dann zum Sex mit seinen Freunden gezwungen haben. Virginia Roberts, die heute den Nachnamen Giuffre trägt, gehörte zu seinen Opfern. Sie behauptet, dass sie drei Mal zum Sex mit dem Prinzen gezwungen wurde – einmal in London, dann in New York und bei einer Orgie auf der karibischen Privatinsel von Epstein.

Bei dem Treffen in London 2001 sei man zum Nachtclub „Tramp“ gegangen und habe getanzt. Der Prinz, sagte Roberts später aus, habe dabei „vor Schweiß getropft“. Das kann nicht sein, hielt Andrew dagegen. Zum einen sei er am besagten Tag gar nicht in London gewesen, sondern habe eine Pizza-Party mit seinen Töchtern gefeiert. Zum anderen hätte er zu dieser Zeit gar nicht schwitzen können, weil er bei einem Einsatz im Falkland-Krieg unter Beschuss gekommen sei und eine Überdosis Adrenalin ausgeschüttet habe. Erst später habe er wieder gelernt zu schwitzen.

Es gibt ein Foto von 2001, das Prinz Andrew zusammen mit Virginia Roberts in einer Londoner Stadtvilla zeigt. Da liegt der linke Arm des leger gekleideten Prinzen auf der Hüfte von Roberts, die Andrew ebenfalls um die Taille fasst. Dies sei nicht das Original, behauptete der Royal im Interview, sondern „das Foto eines Fotos eines Fotos“. Er könne sich nicht erklären, wie es dazu gekommen sein soll, denn in London würde er immer Anzug und Krawatte tragen. Außerdem sei er nie im Obergeschoss der Villa gewesen, wo die Aufnahme gemacht worden sei. Er legte nahe, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte: „Niemand kann beweisen, ob das Foto echt ist oder nicht, aber ich erinnere mich nicht, dass es jemals gemacht wurde.“

Ob er eine Botschaft für Virginia Roberts hätte, wurde er gefragt. Nein, sagte Andrew: „Wenn jemand solche Anschuldigungen vorbringt, dann muss ich mir ein dickes Fell zulegen und weitermachen, aber sie sind nie passiert.“ Bedauern zeigt der Lieblingssohn der Queen nur, als er auf seinen viertägigen Besuch bei Epstein in New York im Jahre 2010 angesprochen wurde, also zwei Jahre nach dessen Verurteilung. Das habe er aus Ehrgefühl getan, um Epstein persönlich zu sagen, dass der Kontakt abgebrochen werden muss. Allerdings sei das falsch gewesen: „für ein Mitglied der Königlichen Familie nicht geziemend“. Im Nachhinein bedauere er den Aufenthalt sehr. „Ich trete mich täglich dafür.“

Die Kritiken am Sonntag fielen nicht gut aus für den Royal. Kein einziges Wort des Bedauerns für die Opfer von Jeremy Epstein, lautete der Vorwurf. Stattdessen habe sich alles nur um ihn und seine Probleme gedreht. Andrew habe sich keinen guten Dienst erwiesen mit seiner Stotterei, den Ausflüchten und seinen mitunter bizarren Begründungen. „Unerträglich“ sei sein Auftritt gewesen, meinte der Fernsehmoderator Piers Morgan. Wie einen Mann im Treibsand versinken zu sehen, pflichtete PR-Experte Mark Borkowski bei. Kein Wort der Reue über seine Freundschaft mit einem verurteilten Sexualstraftäter sei über Andrews Lippen gekommen. Das einzige, was ihm Leid tat, war sein Besuch in New York 2010. Jetzt will wohl nur noch seine Ex-Frau Sarah Ferguson zu ihm halten. Andrew ist „ein wahrer Gentleman“, teilte sie auf Instagram mit, der „auf stoische Weise standhaft ist.“

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