Harry und Meghan brüskieren die Queen: Rückzug von royalen Pflichten

Harry, Meghan und die Royals : Ein Riss, der wohl nicht mehr zu kitten ist

Harry und Meghan haben verkündet, sich von ihren royalen Pflichten zurückzuziehen. Die Queen erfuhr davon dem Vernehmen nach im Fernsehen. Die königliche Familie ist massiv verstimmt. Wie geht es weiter?

Es war ein Paukenschlag am Mittwochabend: Prinz Harry und seine Frau Meghan haben ihren Rückzug von royalen Pflichten bekannt gegeben. Ganz unkonventionell auf ihrer Instagram-Seite verkündeten sie, dass sie „finanziell unabhängig“ werden wollen und nicht mehr nur im Königreich, sondern auch in Nordamerika leben werden. Nach ihrem Rücktritt als „senior royals“, also als ranghohe Königliche Hoheiten, wollten sie aber weiterhin mit der Queen und der Familie zusammenarbeiten.

Die Mitteilung kam völlig überraschend. Zwar hatte es im Vorfeld Gespräche zwischen dem Buckingham Palast und dem Herzogspaar von Sussex über die Gestaltung ihrer Zukunft gegeben, aber die Ankündigung war offenbar nicht abgesprochen. Harrys Großmutter, Königin Elizabeth II., traf es Medienberichten zufolge völlig unvorbereitet, sie soll es aus den Fernsehnachrichten erfahren haben. Die königliche Familie sei „verletzt“ durch den plötzlichen Rückzug. Die Queen und ihr Sohn, Thronfolger Prinz Charles, Harrys Vater, sind demnach tief enttäuscht über den gravierenden Schritt Prinz Harrys. In diesen waren sie weder eingeweiht, noch konnten sie ihn mitgestalten. Aus dem Palast hieß es am Mittwochabend knapp: „Die Diskussionen mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex befinden sich in einer frühen Phase. Wir verstehen ihren Wunsch nach einer anderen Herangehensweise, aber das ist eine komplizierte Angelegenheit, deren Bewältigung Zeit erfordert.“

Zwei Bilder könnten zu Harrys und Meghans Bruch mit den Royals beigetragen haben. Bei ihrer traditionellen Weihnachtsansprache saß die Queen an einem Schreibtisch, neben ihr Fotos von Mitgliedern der engeren Familie – aber Harry und Meghan waren nicht dabei. Ein paar Tage später ließ Thronfolger Prinz Charles ein Foto veröffentlichen, auf dem er, die Queen sowie die nächsten beiden Thronfolger, Prinz William und sein Sohn Prinz George, zu sehen waren. Das Bild sollte wenig subtil die Botschaft vermitteln, wie sich Charles die Zukunft der Royals vorstellt: eine verschlankte Monarchie, reduziert auf die Monarchin und ihre Erben. Harry und Meghan müssen sich ausgeschlossen gefühlt haben.

Harry war zudem schon länger unglücklich in seiner Rolle als Royal. Immer wenn er eine Kamera aufblitzen sehe, hatte der Prinz geklagt, würde er an seine Mutter Lady Diana erinnert, die vor 22 Jahren auf der Flucht vor Paparazzi bei einem Autounfall starb. Das Schicksal, als Royal erbarmungslos von den Medien verfolgt zu werden, wolle er sich und seiner Frau ersparen.

In einem Interview im vergangenen Herbst sprach er über die Belastungen als Mitglied der Königlichen Familie und über die Entfremdung mit seinem Bruder Prinz William. Schon damals klang an, dass er über einen Situations- und Ortswechsel nachdachte. Erst vor wenigen Tagen kehrte das Paar mit Sohn Archie von einer sechswöchigen Auszeit in Kanada zurück.

Einige Kommentatoren vermuten, dass die treibende Kraft hinter dem Bruch mit dem Palast seine Ehefrau Meghan ist: Von einem „Megxit“ ist am Tag danach – ausgerechnet der 38. Geburtstag von Herzogin Kate, die bei den Briten und im Königshaus als äußerst beliebt gilt – die Rede. Die US-amerikanische Schauspielerin hatte ebenfalls über die Schwierigkeiten ihrer neuen Rolle geklagt: „Es ist nicht genug, etwas einfach zu überleben, darum geht es nicht im Leben. Es kommt darauf an, dass man aufblüht.“ Zu schaffen machten der 38-Jährigen mit afroamerikanischen Hintergrund vor allem Anfeindungen in den sozialen Medien, aber auch in der britischen Presse, die bisweilen rassistische Untertöne zeigten.

Die Kritik an ihr dürfte jetzt nicht weniger werden. Der Publizist Piers Morgan schrieb am Donnerstag bei Twitter: „Die Leute sagen, dass ich zu kritisch gegenüber Meghan Markle bin – aber sie hat ihre Familie abserviert, ihren Vater abserviert, die meisten ihrer alten Freunde abserviert, Harry von William getrennt und jetzt Harry von der Königlichen Familie – mehr ist nicht zu sagen.“ Diese Trennung ist ab sofort auch im berühmten Wachsfigurenkabinett Madame Tussaud’s in London zu sehen: Dieses teilte mit, die Figuren von Harry und Meghan seien von denen der königlichen Kernfamilie weggerückt worden.

Die Entscheidung des Paars wirft viele Fragen auf. Können sie etwa im Frogmore Cottage wohnen bleiben, das soeben mit 2,4 Millionen Pfund aus öffentlichen Geldern renoviert wurde? Wie sieht es mit dem Begleitschutz aus, den Royals beanspruchen? Wenn Harry keine öffentlichen Repräsentationspflichten mehr auf sich nehmen will, dann sind die Ausgaben für seinen polizeilichen Schutz nicht zu rechtfertigen. Und wie soll das gehen, „finanziell unabhängig“ werden zu wollen? Auch als Royal im Hintergrund kann man nicht jeden Job übernehmen. Graham Smith von der anti-mo­narchistischen Organisation „Republic“ protestierte: „Nahezulegen, dass man nicht schon jetzt finanziell unabhängig ist, ist unglaublich krass und verrät ein Anspruchsdenken und einen Mangel an Eigenwahrnehmung, die typisch für Royals sind.“ In diesem Punkt hat er recht: Harry und Meghan sind reich. Der Prinz hat von seiner Mutter und Urgroßmutter geerbt, sein privates Vermögen wird auf rund 35 Millionen Euro geschätzt. Meghan gilt nach ihrer Schauspielkarriere ebenfalls als Millionärin.

Zudem ist unklar, wie weit Harrys Bruch mit seiner Familie gehen soll. Schon jetzt gibt es Vergleiche mit Edward VIII., der 1936 als König abdankte, um seine US-amerikanische Geliebte Wallis Simpson zu heiraten. Das führte zu einer handfesten Krise des Königshauses und machte Edward zu einem Paria bei den Windsors. Er musste im Ausland leben und wurde bei Hof nicht mehr empfangen. Die Entscheidung des Paars kommt für das Königshaus zur Unzeit: Erst vor zwei Monaten hatte Charles’ Bruder Prinz Andrew wegen der Epstein-Affäre seinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben bekannt gegeben.