Angekündigte Autobiografie Immer Ärger mit Harry

London · Das Verhältnis des britischen Königs Charles III. zu seinem jüngeren Sohn und dessen Frau Meghan gilt als belastet. Eine Aussöhnung scheint dennoch möglich – wäre da nicht die angekündigte Autobiografie des Herzogs von Sussex.

 König Charles III. mit seiner Ehefrau, der Queen Consort Camilla, dahinter Prinz Harry und seine Frau Meghan am Tag der Beisetzung von Queen Elizabeth II. beim Trauermarsch in London.

König Charles III. mit seiner Ehefrau, der Queen Consort Camilla, dahinter Prinz Harry und seine Frau Meghan am Tag der Beisetzung von Queen Elizabeth II. beim Trauermarsch in London.

Foto: AP/Martin Meissner

Knapp vier Wochen nach dem Tod der Queen ist die offizielle Trauerperiode der Königsfamilie vor einigen Tagen zu Ende gegangen. Dass Charles III. rasch Veränderungen herbeiführen und das Land an seine Regentschaft gewöhnen will, demonstrierte der Buckingham-Palast durch die Veröffentlichung des Signets für den neuen König. Die Buchstaben C und R für Charles und Rex (lateinisch: König), dazu die römische Zahl für drei finden sich unter der englischen beziehungsweise schottischen Krone zusammen. Elizabeth II. hatte sich 1952 mit ihrem eigenen Markenzeichen noch mehrere Monate Zeit gelassen.

70 Jahre später steht die Monarchie unter Dauerbeobachtung, müssen die handelnden Personen täglich ihre Berechtigung unter Beweis stellen und sich rasch wechselnden Umständen anpassen. Der neue Thronfolger William und seine Ehefrau Kate stellten dies nun elegant unter Beweis. Bevor das Paar nach Wales aufbrach, entschärfte das Königshaus eine schwelende Kontroverse: Für den neuen Prinzen von Wales und seine Frau werde es keine Investitur geben (siehe Infokasten).

Die Totenwache der Queen-Enkel am Sarg
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Foto: AFP/CHRIS JACKSON

Auf die Unterstützung seines älteren Sohnes und dessen Frau kann sich Charles 100-prozentig verlassen. Wie aber entwickelt sich das Verhältnis zum Jüngeren? Der nach Kalifornien umgezogene Prinz Harry (38) und dessen 41-jährige Ehefrau Meghan stehen dieser Tage im Mittelpunkt fieberhafter Spekulationen. Gelingt unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse eine Aussöhnung mit der Institution, der das Paar vor knapp drei Jahren im Streit den Rücken gekehrt hatte?

Für manche Kommentatoren stellt die Annäherung an den kalifornischen Teil der Familie eine Art Lackmustest dafür dar, wie ernst es König Charles (73) mit der Modernisierung wirklich ist. Im konservativen Magazin „Spectator“ warb Peter Hunt, früherer Königshausreporter der BBC, dafür, dem abtrünnigen Paar ein großzügiges Angebot zu machen. Könnte Charles nicht dem Afghanistan-Kriegsteilnehmer und Veteranen-Lobbyisten die militärischen Ehrentitel zurückgeben und wieder an der Repräsentation des Königshauses beteiligen? Vielleicht könnten die beiden Kinder Archie (3) und die 15 Monate alte Lilibet nun auch den Titel der Königlichen Hoheit erhalten, wie es bisher royaler Gepflogenheit entsprach?

Das sei alles nicht so einfach, widersprechen andere und verweisen auf die schwierige Zeit zwischen Meghans Auftauchen als Harrys Freundin 2016 und dem Umzug nach Nordamerika vier Jahre später. Bestätigt sehen sich die Bedenkenträger durch das neue Buch „Courtiers“ (Höflinge) des langjährigen Königshaus-Korrespondenten der Londoner „Times“. Darin beschreibt Valentine Low den Frust vieler Palast-Angestellter über das Leben unter der Fuchtel der hochehrgeizigen Meghan Markle.

Manche der beschriebenen Interaktionen klingen wie typische Missverständnisse zwischen den gern durch die Blume redenden Engländern und einer an klare Worte gewohnten Amerikanerin. Freilich haben frühere enge Mitarbeiterinnen der Herzogin dem Autor auch allerlei Bedenkliches in den Block diktiert: Meghan habe Mitarbeiter bis tief in die Nacht mit Anrufen genervt, einzelne Menschen im Kollegenkreis gedemütigt, das royale Protokoll nie verstehen wollen. In ihrer Feindschaft gegen die bekanntermaßen hemdsärmeligen Medien schaukelten sich Meghan und Harry gegenseitig hoch, anstatt einen Ausgleich zu suchen.

Ein schwerer Stolperstein liegt schon jetzt auf dem Weg zu einer möglichen Versöhnung: Rechtzeitig zu den amerikanischen Thanks­giving-Ferien Ende November soll die mit riesigem PR-Aufwand angekündigte Autobiografie Harrys erscheinen. Als „akkurat und total ehrlich“ hat der Prinz sein Werk beschrieben, was in den Medien als neuerlicher Angriff auf das Königshaus interpretiert wurde. Londoner Medienberichten zufolge steckt der Autor nun in Verhandlungen mit dem Verlag Penguin Random House, wie weit man der neuen Situation nach dem Tod der Queen Rechnung tragen könne und müsse. Dabei geht es nicht zuletzt ums liebe Geld: Dem Vernehmen nach hat der Herzog rund die Hälfte des vereinbarten Honorars von 40 Millionen Dollar für drei Bücher bereits erhalten. Ob die Zusage großzügiger Zuwendungen durch den Palast das absehbare Zerwürfnis noch abwenden kann, indem Harry sein Buch bis auf Weiteres zurückzieht? Das Herzogspaar von Sussex wird, soviel steht fest, dem neuen König und seinem Beraterteam noch allerlei Kopfzerbrechen bereiten.