Im Einbaum über den Atlantik: Abenteurer Nehberg in Brasilien gelandet

Im Einbaum über den Atlantik : Abenteurer Nehberg in Brasilien gelandet

Göttingen/Fortaleza (dpa). Nach 43 Tagen allein mit einem Baumstamm auf dem Atlantik hat der Abenteurer und Menschenrechtler Rüdiger Nehberg am Samstag (Ortszeit) Brasilien erreicht. Ein Fischerboot schleppte ihn am frühen Morgen bei Dunkelheit in den Hafen der Millionenstadt Fortaleza.

Als Beiratsmitglied der Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) will Nehberg mit seiner Aktion auf die Misere der rund 325 000 Indianer in Brasilien aufmerksam machen.

Hunderte von Menschen, darunter zahlreiche Abordnungen von Indianern und Journalisten, hatten im Fischereihafen am Abend vergeblich auf ihn gewartet. Vertreter der Göttinger Menschenrechtsorganisation waren Nehberg in einem Boot entgegengefahren und hatten ihn auch mit einem Flugzeug gesucht. Wegen starker Regenfälle konnten sie seinen 17 Meter langen Baumstamm "The Tree" in der aufgewühlten See jedoch nicht entdecken.

"Allein hätte ich die letzten Seemeilen nicht geschafft, die Strömung ist hier reißender als der Rhein bei Köln. Ich musste richtig kämpfen, um nicht abgetrieben zu werden", sagte der 64- Jährige der dpa. "Ich konnte doch nicht einfach auf den Sandstrand krachen." Er sei bei der Aktion um zehn Kilo abgemagert. Zum Empfang schenkten ihm beunruhigte GfbV-Mitarbeiter eine Riesentüte der von ihm so geliebten Weingummis.

"Die Gedenkfeiern zum 500. Jahrestag der Ankunft des portugiesischen Seefahrers Pedro Alvares Cabral in Brasilien müssen Anlass sein, über die schrecklichen Verbrechen an der Urbevölkerung nachzudenken", sagte Nehberg in einer Ansprache auf Portugiesisch. "Bestimmte Merkmale dieser Mentalität bestehen bis heute als zerstörerisches Erbe fort."

Nehberg war am 21. Januar von Westafrika aus allein zu der gefährlichen Reise über 2 000 Seemeilen aufgebrochen. "Seit 500 Jahren hat man die Urvölker dieses Kontinents ausgerottet oder gejagt. Nichts tun nützt nichts, und Resignation ist Mithilfe an der Vernichtung", sagte er bei seiner Abreise.

(RPO Archiv)
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